Spiegel-Trick im Plenarsaal

Sanierung des Neustädter Rathauses soll im August beginnen

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Ab Mai ist das Neustädter Rathaus komplett gesperrt. Kunstausstellungen sollen während der Sanierungszeit in einem leer stehenden Ladengeschäft im Forum Hanau stattfinden. 

Hanau - Die Vorbereitungen für Hanaus prominentestes Bauprojekt laufen auf Hochtouren. Im August soll endlich die 5,8 Millionen Euro teure Sanierung des Neustädter Rathauses beginnen. Damit ist ein Ende des Zustands absehbar, den es so in kaum einer anderen Stadt gab: Mehr als vier Jahre war das Parlamentsgebäude gesperrt. Von Christian Spindler 

Bei den Planungen läuft die Feinabstimmung. Die Stadtverordnetenfraktionen haben sich schon darauf geeinigt, wer welches Büro bekommt. „Es geht sogar schon um Ausstattungselemente“, sagt Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD). Das Neustädter Rathaus, von dem zur Zeit nur das Erdgeschoss für Ausstellungen genutzt werden kann, ist bereits so gut wie ausgeräumt.

Im August, so Hiltrud Herbst, Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Immobilien- und Baumanagement (IBM), soll mit der Schadstoffsanierung begonnen werden. Dann werden die Bauarbeiten voraussichtlich pausieren, weil der Künstlerweihnachtsmarkt wie gehabt im Foyer stattfinden soll. Die Rohbauarbeiten sollen dann im Januar 2019 starten. Und die Fertigstellung ist für Frühjahr 2020 vorgesehen.

Es war ein langer Weg bis zum jetzigen Projekt. Bereits in den 80er und 90er Jahren wurde die Notwendigkeit einer grundlegenden Sanierung des aus dem Jahr 1733 stammenden Neustädter Rathauses gesehen, das nach der Zerstörung im Krieg ab 1964 wieder aufgebaut wurde. Es gab Machbarkeitsstudien mit bis zu acht Varianten. Alles verlief im Sand. Weiss-Tiel: „Es fehlte schlicht das Geld.“

Viel Holz und deutlich heller als bisher: So soll der künftige Sitzungssaal der Hanauer Stadtverordneten im ersten Stock des Neustädter Rathauses aussehen.

Auch in den letzten Jahren, in denen das Neustädter Rathaus aus Brandschutzgründen und wegen fehlender Barrierefreiheit weitgehend gesperrt war, wurde alles nochmals verschoben. Jetzt endlich steht das Konzept, das das Augsburger Architekturbüro Schrammel erarbeitet und sich damit in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt hat. Bei den Fachleuten im Rathaus und einer Stadtverordneten-Arbeitsgruppe stoßen die Entwürfe auf breite Zustimmung, ja sogar auf Begeisterung, sagt Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck.

Ein Kernelement des Umbaus, über den unsere Zeitung bereits vorab berichtet hat, ist der Abriss der raumgreifenden Treppe. Stattdessen ist im rückwärtigen Teil, wo ein zweiter großer Eingang vorgesehen ist, ein bis ins Dachgeschoss durchgehendes Treppenhaus geplant. Das schafft Platz im 300 Quadratmeter großen Erdgeschoss, Es soll weiter für Ausstellungen oder Vorträge genutzt werden. Die neue Halle lässt sich bei Bedarf auch dank einer ausgeklügelten Technik in bis zu drei separate Bereiche teilen. Und auch das Treppenhaus kann wahlweise von der Halle her geöffnet oder als separater Zugang zum Obergeschoss genutzt werden. „Ein hohes Maß an Flexibilität“, so Architekt Stefan Schrammel, sei einer der Grundzüge der Konzeption.

Auch im Obergeschoss haben die Planer eine weitgehende Änderung vorgesehen. Ziel: Mehr Licht in den Stadtverordnetensitzungssaal zu bringen. Auch dieser Saal soll auch für andere Veranstaltungen wie Tagungen nutzbar sein. Für mehr Licht sollen nicht nur zwei zusätzliche Fenster an den Seiten sorgen, sondern auch eine umgedrehte Sitzordnung.

Sanierung des Rathauses

Blickten die Parlamentarier bei ihren Abendsitzungen bisher auf zugezogene Vorhänge, schauen sie künftig ins Innere des Raumes, der mit einer großen geschwungenen Wand begrenzt wird, vor der das Rednerpult platziert wird. Folge: Die Fenster müssen nicht verdunkelt werden, und auch von außen soll es so zumindest einen kleinen Einblick ins parlamentarische Geschehen geben. Weiterer Clou: Eine verspiegelte Aluminium-Decke soll dafür sorgen, dass der vergleichsweise niedrige Plenarsaal höher wirkt. Derzeit finden die Parlamentssitzungen wegen der Sperrung des Neustädter Rathauses im Congress Park bzw. im Bürgerhaus Wolfgang statt.

Im zweiten Stock und im Obergeschoss entstehen im Zuge des Umbaus Büros für die Fraktionen und drei Sitzungsräume mit 62 bis 120 Quadratmetern. Das Neustädter Rathaus wird außerdem nicht nur energetisch ertüchtigt, es erhält auch eine neue Haustechnik, neue Fenster und die gesamte Fassade wird saniert. Dann soll auch der einstmals schmucke Balkon, der längst unansehnlich wirkt und meist von Werbebannern verhüllt wird, in neuem Glanz erstrahlen.

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