Hanaus bedeutende Oppenheim-Sammlung

Schielen auf fremde Ringe

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Die Filmemacherin Isabel Gathof erläutert, was es auf den Oppenheim-Bildern zu entdecken gibt. Die Hanauer Sammlung mit Werken des bedeutenden Künstlers gehört weltweit zu den vier umfangreichsten. 

Hanau - Vor 136 Jahren, am 26. Februar 1882, verstarb der in Hanau geborene und weltweit bekannte jüdische Maler Moritz Daniel Oppenheim in Frankfurt. Von Dieter Kögel 

Anlass genug für die Stadt, mit der Filmvorführung „Moritz Daniel Oppenheim – The first jewish Painter“ von Filmemacherin Isabel Gathof ebenso an den berühmten Maler zu erinnern wie mit einer Sonderführung durch die Oppenheim-Sammmlung des Historischen Museums in Schloss Philippsruhe.
Das Interesse an der Führung war groß. Denn Isabel Gathof widmete sich Oppenheims Arbeiten nicht nur aus kunsthistorischer Sicht. Nach jahrelangen Forschungen und Recherchen auch zum Leben des Malers Moritz Daniel Oppenheim gelang es ihr, die Bilder auf spannende Weise in einen größeren Kontext zu stellen. Die Hanauer Sammlung, die sich vorwiegend aus der Schenkung des Sammlers Ludwig Rosenthal speist und zu den vier umfänglichsten in der Welt gehört, war im Rahmen der Reihe „Sonntags um Drei“ Ziel der interessierten Besuchergruppe. Trotz NS-Unrecht hat der nach dem Krieg im guatemaltekischen Exil lebende Ludwig Rosenthal aus Heimatverbundenheit seine Sammlung dem Hanauer Geschichtsverein zur Verfügung gestellt. Eine überaus noble Geste. Die Sammlung ist deshalb auch im nach Ludwig Rosenthal benannten Saal des Historischen Museums zu sehen.

Oppenheims Selbstporträt zeigt den Künstler durchaus überzeugt von sich selbst und einer erfolgreichen Zukunft. Das Selbstbildnis samt der Garderobe diente übrigens auch als Vorlage für die zur Großskulptur („Moritz und das tanzende Bild“) auf dem Freiheitsplatz gehörende Oppenheim-Figur. Neben dem Selbstporträt hängt im Schloss das Bildnis seiner ersten Frau Adelheid Cleve, die bereits 1836 verstorben ist. Behutsam spürt Gathof im Arrangement des Bildes der Möglichkeit nach, dass Adelheid Cleve bereits zur Zeit der Entstehung des Bildes nicht über einen stabilen Gesundheitszustand verfügte. Es gibt durchaus Anzeichen dafür, die eine solche Deutung zulassen, legt Isabel Gathof den Besuchern dar.

Auch religiöse Motive sind es, denen sich Moritz Daniel Oppenheim intensiv widmet, stilistisch häufig geprägt durch seinen Aufenthalt in Italien. „Und Oppenheim interpretiert“, sagt Gathof. Bei der Betrachtung der Ringe beispielsweise, in der Pastor und Bischof durchaus auf den Ring des jeweils anderen schielen, einzig der Rabbi ist in meditativer Versenkung auf seinen eigenen Ring konzentriert.

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Geradezu einen Tabubruch begehe Oppenheim beim Bildnis der unbefleckten Empfängnis. Denn Stempel und Staubgefäße, sie waren der Keuschheit wegen aus religiösen Darstellungen verbannt. Nicht so bei Oppenheim, der in seinem Werk die Lilien sogar recht üppig ausstattet. Und so gibt es beim Gang durch die Ausstellung mit Isabel Gathof kaum ein Bild, bei dem das Verweilen zum Entdecken nicht lohnen würde. Seine eigene Herkunft, auch die verleugnet Oppenheim nicht in seinen Arbeiten. Beim Besuch im Museum, wohl ein Haus in Paris, ist im Hintergrund eine Frau in Schwälmer Tracht zu sehen. Bei den Konvertierten ziert hessisches Steingut den Raum. „In jeder Leinwand steckt seine Seele“, sagt Gathof über Oppenheim. Für die Filmemacherin ist das Entdecken weiterer Geheimnisse um den Hanauer Maler mit Weltruf längst zur Passion geworden ist.

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