Info-Kampagne der HSB

Schlaganfall: „Es zählt jede Minute“

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Der FAST-Test ist auch auf der Heckklappe eines Busses der HSB zu sehen. Mit dem Test lässt sich ein Schlaganfall eindeutig erkennen. Bei Symptomen sollte unverzüglich der Rettungsdienst gerufen werden. 

Er kommt ohne Vorankündigung und betrifft mit dem Hirn unser verletzlichstes Organ: Der Schlaganfall. Wenn die ersten Symptome eintreten, zählt jede Sekunde, um schnellstmöglich behandelt zu werden.

Hanau – Doch viele Menschen können die Symptome nicht einordnen und handeln deshalb zu spät. Die Stadt Hanau und der städtische Eigenbetrieb Hanauer Straßenbahn (HSB) starten nun eine Informationskampagne, um mehr Bewusstsein für das Thema bei den Bürgern zu schaffen. Diese wurde nun bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Mittelpunkt ist der sogenannte FAST-Test.

Er eine Methode, um Schlaganfall-Symptome zu erkennen. Er kommt aus dem englischsprachigen Raum und setzt sich aus vier Schritten zusammen (Face, Arms, Speech, Time). Im ersten Schritt wird bei einem Verdacht auf einen Schlaganfall das Gesicht (Face) des Betroffenen, begutachtet. Kann derjenige noch die Mundwickel zu einem Lächeln hochziehen? Klappt das nicht oder nur teilweise, kann das ein erster Hinweis auf einen Schlaganfall sein. Im zweiten Schritt soll der Betroffene seine Arme (Arms) mit den Handflächen nach oben vor den Oberkörper ausstrecken. Bei einem Schlaganfall kann die Person beispielsweise die Hände nicht nach oben drehen oder die Arme nicht ausstrecken. Im dritten Schritt soll der Betroffene einen einfachen Satz nachsprechen. Schlaganfall-Patienten können dies meist nicht oder weisen eine undeutliche Aussprache auf.

Im letzten Schritt kommt es auf die Zeit an: Weist die Person eine oder mehrer Symptome auf, dann ist es ziemlich sicher, dass sie bereits einen Schlaganfall hat. Jetzt zählt jede Minute, die Rettungsleitstelle muss unter der z 112 sofort kontaktiert und dabei erwähnt werden, dass Verdacht auf einen Schlaganfall besteht.

„Es zählt jede Minute. Je die Zeit, bis die Person behandelt wird, ist, umso höher ist ihre Chance, lebend und ohne gesundheitliche Beeinträchtigung den Schlaganfall zu überstehen“, berichtet Dr. Sven Thonke, Chefarzt für Neurologie am Klinikum Hanau. Am Klinikum wird versucht, die Zeit der Diagnostik und Untersuchung auf maximal eine halbe Stunde zu beschränken. „Das Hirn ist viel empfindlicher als beispielsweise das Herz. Nach wenigen Momenten ohne Sauerstoff sterben bereits die ersten Nervenzellen ab. Mit der Kampagne soll deshalb die prähospitale Zeit möglichst verkürzt werden“, so Thonke.

Die prähospitale Zeit, also die Zeit bevor der Patient in das Krankenhaus kommt, ist meist das größte Problem, da viele Menschen die Symptome eines Schlaganfalls nicht richtig einordnen können und erst den Hausarzt kontaktieren, anstatt den Notarzt zu rufen, sagt der Chefarzt.

An den Heckklappen und auf Bildschirmen in den Stadtbussen der HSB soll deshalb auf den FAST-Test aufmerksam gemacht werden.

Initialzündung für die Kampagne war ein Schild in der Straßenbahn von Den Haag, auf dass die CDU-Stadtverordnete Hildegard Geberth im Urlaub aufmerksam wurde. „So etwas wollte ich auch bei der HSB sehen.“ Geberth brachte einen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung ein, der dort auf Zustimmung stieß. Bereits heute läuft die Aktion an. Auf den Monitoren in den Stadtbussen gibt es entsprechende Infos ebenso auf dem Heck eines HSB-Busses.

Als Hilfe für Betroffene eines Schlaganfalls werden am Klinikum Hanau seit diesem Jahr auch Lotsen eingesetzt, die die Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt unterstützen sollen. Somit soll ein erneuter Schlaganfall durch lebensstilverändernde Maßnahmen verhindert werden. Ein bisher einmaliges Konzept in Deutschlands Kliniken. „Es scheint Früchte zu tragen. Eine nähere Auswertung steht aber noch aus“, so Chefarzt Thonke.

VON LUKAS REUS

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