Prozess

Schlecht beraten: Mann verkauft Immobilie und begeht entscheidenden Fehler

Schild zu Verkaufen vor Haus
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Der Verkauf einer Immobilie hat einem Mann mächtig Ärger eingebracht.

Ein Mann steht in Hanau vor Gericht, der Vorwurf lautet Steuerhinterziehung. Es geht um eine beachtliche Summe. Der Mann hat einen entscheidenden Fehler begangen.

Hanau – Herr A. ist die ganze Sache im Saal 19 des Amtsgerichts sichtlich unangenehm. Er ist als Steuerhinterzieher und Spekulant angeklagt. „Ich habe mein ganzes Leben immer alles bezahlt, habe immer eine Steuererklärung gemacht“, beteuert er. Vor dem „Kadi“ habe er auch noch nie gestanden. Will heißen: Er ist nicht vorbestraft. Das glauben ihm alle Juristen.

Hanau: Gericht verhandelt schweren Fall der Steuerhinterziehung

Aber der Vorwurf in seinem Fall wiegt schwer. Er hat das Hanauer Finanzamt – und damit den Staat – um exakt 101 432 Euro an Steuern betrogen. Und das ist ein „schwerer Fall“ der Steuerhinterziehung, der bereits ab einer Summe von 50 000 Euro beginnt.

Dabei hat A. gar nichts Böses getan. Und ein Spekulant ist er allemal nicht. Er hat sein Leben lang hart geschuftet – und brav seine Lohnsteuer bezahlt.

Hanau: Mann kauft Immobilie in Halle und investiert

Doch mit dem Ersparten investiert er. Streng genommen in den Aufbau Ost, denn am Rande der Innenstadt von Halle an der Saale erwirbt er 2009 ein Haus. Für gerade einmal 30 000 Euro. Der Preis lässt es erahnen: Eine „Schrottimmobilie“ aus DDR-Zeiten.

Doch A. spekuliert nicht, er nimmt viel Geld in die Hand, um dieses heruntergekommene Haus zu sanieren. 230 000 Euro sind es am Ende, dann streicht er dafür die Mieten ein, keineswegs Wuchermieten. Und diese Einnahmen? Klar, die versteuert A. ebenfalls.

Mann verkauft sein Haus und begeht einen entscheidenden Fehler

Doch im Jahr 2016 macht er einen Fehler, den er heute bereut. „Es war mein erster Hausverkauf“, sagt er auf die Fragen vom Amtsrichter Dr. Florian Matthey-Prakash. Das Angebot kann er nicht ablehnen. Für 425 000 Euro wechselt das Haus an der Saale den Besitzer. Ein schöner Gewinn.

Doch den hätte A. dem Hanauer Finanzamt besser melden sollen, denn der Gesetzgeber will eben den Spekulanten einen Riegel vorschieben. Und daher beträgt die Spekulationsfrist beim Immobilienverkauf zehn Jahre. Der Gewinn aus dem Verkauf ist nicht zu versteuern, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mindestens zehn Jahre liegen.

Steuerfahnder wird auf Immobilienverkauf aufmerksam

Das hat A. nicht gewusst. Sein Steuerberater offensichtlich auch nicht. Und so flattert ihm eines Tages ein Brief mit der Anzeige ins Haus. Denn in Sachsen-Anhalt wird ein Steuerfahnder auf die Transaktion aufmerksam. „In Halle gibt es im Immobilienbereich derzeit ziemlich hohe Gewinne“, berichtet der Fahnder als Zeuge. Die Sache mit Herrn A. sei jedoch ein „Zufallsfund“ gewesen.

„Ich habe gesehen, dass der Verkäufer aus Hanau kommt und dann beim Finanzamt mal nachgefragt“, berichtet er. Und das war eben der Fehler. A. hätte den Gewinn angeben und die Spekulationssteuer zahlen müssen. Die haben die Hanauer Beamten dann exakt berechnet und einen neuen Steuerbescheid erlassen.

Angeklagtem drohte sogar eine Freiheitsstrafe

Vor dem Amtsgericht hat A. aber keine Rechnung mehr offen. Er hat bereits alles an den Fiskus überwiesen. Bleibt aber noch die Strafsache. Und damit ist eigentlich nicht zu spaßen, denn auf Steuerhinterziehung stehen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Nein, Herr A. muss nicht hinter Gitter. Aber ein bisschen von seinem Gewinn muss er doch abgeben. „Sie erhalten dann Post vom Gericht und eine Zahlungsaufforderung“, erklärt der Amtsrichter. „Wenn Sie das Geld dann innerhalb von sechs Monaten zahlen – dann ist die Sache erledigt.“

Steuerhinterziehung: Mann muss stattliche Geldstrafe zahlen

Und die Zahl ist recht hoch, Recht und Gesetz aber angemessen. Denn es soll auch ein wenig „wehtun“, wenn jemand „Vater Staat“ um die Fichte führen will. 30 000 Euro beträgt die Geldauflage, dann wird das Verfahren wegen „geringer Schuld“ eingestellt.

Sollte Herr A. jemals wieder ein Immobiliengeschäft machen – dann sicherlich mit einem anderen, sachkundigen Steuerberater.

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