Ausschuss stimmt mehrheitlich gegen entsprechenden Erlass / Forstwirtschaftsplan vorgestellt

Schlechte Karten für Baumschutzsatzung

Die Fällung von elf Robinien im Mai entlang der Hanauer Straße war Anlass für die Grünen, erneut den Erlass einer Baumsatzung für Schöneck zu fordern.
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Die Fällung von elf Robinien im Mai entlang der Hanauer Straße war Anlass für die Grünen, erneut den Erlass einer Baumsatzung für Schöneck zu fordern.

Schöneck – Der Traum der Grünen von einer Baumschutzsatzung für Schöneck, scheint auch in diesem Jahr wieder zu platzen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Bündnis 90/Die Grünen einen Anlauf genommen, Schöneck eine Baumschutzsatzung zu geben (wir berichteten). Ziel war und ist es auch in diesem Jahr wieder, „Bäume wegen ihrer Schönheit, Seltenheit oder natürlichen Eigenart, ihre Bedeutung für das Ortsbild, ihrer Schutzfunktion für das Klima und wegen ihrer Luftreinhaltung sowie als Lebensraum für Tiere zu schützen und zu erhalten“.

Dazu soll die Baumschutzsatzung dienen, zu deren Erlass die Grünen-Fraktion am 25. Juni erneut einen Antrag in der Gemeindevertretersitzung gestellt hatte. Mit dieser Satzung soll verhindert werden, dass es noch einmal zu solch Ereignissen kommt, wie dem Fällen von elf Bäumen entlang der Hanauer Straße oder dem Abholzen eines ganzen Waldstücks wie dem Mühlwald in Büdesheim vor wenigen Jahren oder der Neugestaltung des Steinbachplatzes in Kilianstädten. Das zählt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Barbara Neuer-Markmann in der jüngsten Bau- und Strukturausschusssitzung am Mittwochabend auf. Dorthin war der Antrag der Grünen nämlich überwiesen worden.

Wie sei weiter schildert, waren an der Hanauer Straße in Kilianstädten sogar trockenheitsresistente Robinien mit einem Stammdurchmesser von bis zu 63 Zentimeter gefällt worden. Doch auch wenn Neuer-Markmann Mustersatzungen bereits parat hält, so ist die Stimmung im Ausschuss gegen den Erlass. „Hätte eine Baumsatzung das Fällen der Bäume verhindert?“, fragt beispielsweise die SPD-Sprecherin Claudia Ditzel. Und wie und wer könne eine derartige Satzung durchsetzen? Dafür bedarf es Personal, das im Rathaus so nicht vorhanden sei. Und auch Dieter Schulz (SPD) hält eine Baumschutzsatzung schon allein aufgrund der durch sie entstehenden Kosten für wenig sinnvoll: „Bei geschätzten 66 Anträgen im Jahr entstehen der Gemeinde Kosten von rund 100 000 Euro im Jahr. Geld, das lieber in den Umweltschutz oder in die Aufforstung unserer Wälder gesteckt werden könnte“.

Und auch Bauamtsleiter Günter Rauch räumte auf Nachfrage ein, dass schon die geltenden Bestimmungen dafür sorgten, dass nach dem Fällen von Bäumen für Ersatz gesorgt werden müsse. Der Antrag der Grünen auf Schaffung einer Baumsatzung wird deshalb bei nur einer Ja-Stimme mehrheitlich abgelehnt.

Einstimmige Billigung erhält hingegen der vom Revierförster Heinrich Koch vorgetragene Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben gemäß dem Forstwirtschaftsplan für das Haushaltsjahr 2021. Bei Einnahmen von rund 61 000 Euro und Ausgaben von fast 54 000 Euro prognostiziert Koch einen Überschuss von 7134 Euro für das kommende Jahr.

Dieses Jahr wird aller Voraussicht aufgrund der immensen Schäden bedingt durch Trockenheit und Hitze mit einem Defizit von 3500 Euro abschließen.

Doch damit enden schon die positiven Meldungen des Försters. „Von dieser Trockenheit in den vergangenen zwei Jahren hat sich unser Wald nicht erholen können, trotz der regenreichen Monate April und Mai in diesem Jahr“, so Koch. Er erklärt das damit, dass die Böden in der Wetterau und Umgebung sehr schwer und fett seien und die Bäume bisher immer aus dem Vollen schöpfen konnten. „Sie sind den Stress mit der Trockenheit deshalb nicht gewohnt und sterben deshalb ab. Auch Buchen im Alter von 100 oder 140 Jahre, die ansonsten 180 oder noch älter werden können, sind davon betroffen.“

40 bis 60 Prozent der Bäume seien bereits tot oder zumindest stark gefährdet. Zwar sei vereinzelt schon mit der Nachpflanzung begonnen worden, doch müsse diese Tätigkeit erst einmal ausgesetzt werden. „Jetzt gilt es vorrangig, bereits abgestorbenes Holz entlang der Wege aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht zu entfernen“, erläutert Koch die Maßnahmen. In diesem Zusammenhang warnt er Spaziergänger im Wald eindringlich zur Vorsicht. „Selbst grüne Äste können schon bei leichtesten Windstoß abbrechen und nach unten stürzen“, weist der Förster auf die Gefahr hin.

Zwar seien einzelne Wege derzeit für Spaziergänger schon gesperrt und an anderen Wegen Warnhinweisschilder aufgestellt worden. Doch die Gefahr lauere immer noch an vielen Stellen. Deshalb sei nur mit der kleinen schwarzen Null im Forstwirtschaftsplan zu rechnen, weil momentan die Gefahrenbeseitigung Vorrang habe. Und für das Schadholz gebe es keinen Markt, weil das Wetter-phänomen nicht lokal oder regional begrenzt ist.

Für Koch ist es übrigens der letzte Forstwirtschaftsplan, den er vorlegt, denn nach 34 Jahren wechselt er Ende des Jahres in den Ruhestand.

Von Jürgen W. Niehoff

Der Revierförster Heinrich Koch erklärt den Mitgliedern des Bauausschusses die Situation im Schönecker Wald.

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