Arbeiten bei Staudinger

In luftiger Höhe: Schlote werden gekappt

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Während der Sommermonate ist keiner der Blöcke des Kraftwerks Staudinger in Betriebe. Der Gasblock dient lediglich als Reserve. Derzeit gibt es Hinweise, dass ein Teil des Kraftwerkgeländes bald zur Gewerbefläche werden könnte. 

Großkrotzenburg - Bis zum Jahresende wird sich die Silhouette des Kohlekraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg markant verändern. Zwei der drei 195 Meter hohen Schornsteine auf dem Areal am Main südlich von Großauheim lässt Kraftwerksbetreiber Uniper kappen. Von Oliver Klemt 

Die Prozedur ist nach Worten des Standortleiters Matthias Hube zwar aufwendig und teuer, lässt sich aus Sicherheitsgründen aber nicht vermeiden.
Betroffen sind laut Hube die Kamine der inzwischen stillgelegten Steinkohleblöcke 1 und 2 aus den 1960er Jahren mit einst je 249 Megawatt Leistungspotenzial. Bis zur Höhe von 160 Metern bestehen die beiden Schornsteine aus stabilem Stahlbeton, die oberen 35 Meter indessen aus Ziegelmauerwerk. Brüchig seien diese Spitzen schon länger, erläuterte der Standort-Chef im Gespräch mit unserer Zeitung. Bislang habe man sich mit Stahlnetzen beholfen, die eventuell abstürzende Trümmer auffangen sollten. Diese seien inzwischen alt und kaum noch brauchbar, sodass der Betreiber handeln müsse.

Der dritte hohe Kamin in der Reihe, der zum 1970 angefahrenen Block 3 (293 Megawatt) gehört, besteht ebenso wie der des Gasblocks 4 gänzlich aus Beton. Der Rückbau in luftiger Höhe soll laut Hube von einer Spezialfirma vorgenommen werden und in der nächten Woche, also vom 25. Juni an, beginnen.

Um 35 Meter abgetragen werden die beiden Kamine der Blöcke 1 und 2 (rechts). Die gemauerten Spitzen sind zu erkennen.

Zuerst kommt der Kamin des Blocks 2 an die Reihe, die Arbeit an Block 1 soll je nach Fortschritt und Ablauf erst im Spätsommer aufgenommen werden. Vorgesehen ist, die Ziegel von einer beweglichen Arbeitsbühne aus in Handarbeit, also etwa mit einem Meißelhammer, abzutragen. Die Trümmer sollen dann in die Schornsteinröhre stürzen und unten ausgeräumt werden. „So besteht außen kaum Gefahr“, erläuterte Hube.

Ob mit dem Abbau der Kaminspitzen auch der Startschuss für die endgültige Beseitigung der beiden ältesten Kraftwerksblöcke fällt, bleibt offen. Das Unternehmen Uniper, Ableger und Nachfolger des früheren Staudinger-Betreibers Eon, habe nach wie vor den Rückbau im Blick, betonte Hube auf Nachfrage.

Tag der offenen Tür im Staudinger-Kraftwerk

Der Abriss beider Blöcke und auch des Blocks 3 war bereits Bestandteil der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung, die Eon für den seinerzeit hoch umstrittenen 1100-Megawatt-Block 6 erhielt. Als der Versorger Ende 2012 aus dem Projekt ausstieg, war damit auch der Rückbau aufgeschoben. Während Block 2 bereits seit 2001 de facto stillgelegt war, beantragte und erhielt Eon noch einmal eine verlängerte Betriebsgenehmigung für Block 1, der erst im April 2013 endgültig vom Netz ging.

Dass auf dem Kraftwerksgelände Platz frei wird, um eventuell neue Unternehmen ansiedeln zu können, hoffen seit Jahren die Verantwortlichen in der Standortgemeinde Großkrotzenburg. Finanziell in arger Bedrängnis, hat die Kommune in ihren engen Gemarkungsgrenzen keinen Platz für neue Gewerbeflächen mehr. Die alten Blöcke abzuräumen, sei kostspielig, unwirtschaftlich und komme erst in Frage, wenn eine Nachnutzung in Aussicht stehe, stellte Matthias Hube auf Nachfrage klar. Konkret wurde der Standortchef zwar nicht, deutete aber an: „Da könnte sich in nächster Zeit was tun.“

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