Mehr Licht fürs Obst

Schöneck: Streuobstfreunde Schöneck bieten Schnittkurse an

Thorsten Graupe führt vor: Beim Sommerschnitt muss in der Baumkrone Platz und Licht geschaffen werden. 26 Teilnehmer waren der Einladung der Streuobstfreude Schöneck zum Sommerschnitt-Kurs an Obstgehölzen gefolgt.
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Thorsten Graupe führt vor: Beim Sommerschnitt muss in der Baumkrone Platz und Licht geschaffen werden. 26 Teilnehmer waren der Einladung der Streuobstfreude Schöneck zum Sommerschnitt-Kurs an Obstgehölzen gefolgt.

Gartenpflege ist in der Corona-Pandemie besonders beliebt. Darum gibt es bei den Streuobstfreunde Schöneck Tipps dafür.

Schöneck – Gartenpflege scheint zu Zeiten der Corona-Pandemie hoch im Kurs zu stehen. Das zeigte sich auch an der Teilnehmerzahl des Sommerschnittkurses an Obstgehölzen, den die Streuobstfreunde Schöneck am Wochenende veranstalteten. „Wir haben solche Schnittkurse auch schon mal zu zweit durchgeführt. Auch das hat seinen Charme, denn dann kann man auf die Belange des Einzelnen näher eingehen“, so der Vorsitzende der Streuobstfreunde Schöneck, Werner Nussbaum, zur Begrüßung beim Sommerschnitt-Kurs an Obstgehölzen auf dem Vereinsgelände am Rande von Kilianstädten.

Umso mehr freue er sich über das Interesse der 26 Teilnehmer und machte sogleich Werbung für seinen Verein: „Wir haben hier auf der Wiese 350 Obstbäume, die die Fraport AG im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen hier angepflanzt hat. 130 Bäume haben die Streuobstfreude zur Pflege übernommen. Wer Interesse hat, kann also unserem Verein beitreten und einen Baum zur Pflege und zur Ernte übernehmen.“ Und damit ist er dann auch schon bei dem eigentlich Anlass des Zusammentreffens an diesem heißen Samstagnachmittag: dem Sommerschnitt von Obstbäumen.

Den Kurs selber führt dann das Vereinsmitglied Thorsten Graupe durch. Und der erklärt erst einmal den Unterschied zwischen Sommer- und Winterschnitt. „Auf einen kurzen Nenner gebracht: Der Winterschnitt dient dem Wachstum des Baumes und der Sommerschnitt dem Gegenteil, nämlich dem Ausdünnen seiner Äste.“ Zum Wachsen und Reifen benötigen die Früchte viel Sonne, also viel Freifläche um sich herum. Ganz entscheidend sei dies zum Beispiel für die Güte des Tafelobstes. Also müsse mit dem Sommerschnitt dafür gesorgt werden, dass genug Licht auch in die Mitte des Baumes gelange.

„Sie müssen sich den Baum wie ein Bauwerk vorstellen mit Leitästen, die quasi das Gerüst bilden und den Fruchtästen, an denen später das Obst reift“, beginnt Graupe seinen Kurs. Zunächst gelte es, die richtige Auswahl der Leittriebe zu treffen. Dafür eignen sich Äste, die weder zu steil noch zu waagerecht wachsen, gesund und ohne Beschädigungen sind. Herausgeschnitten werden sollten zunächst erst einmal bereits tote oder kranke Äste. Auch gerade nach oben schießende oder ins Innere der Baumkrone hineinwachsende Äste sollten ebenfalls größtenteils weichen.

„Doch Obacht, man darf es mit dem Rückschnitt nicht übertreiben“, warnt Graupe. Denn vor allem an den einjährigen Trieben wachsen im Frühjahr die Blätter und die stellen die energetische Versorgung des Baumes sicher. Ab dem zweiten Jahr bilden sich außerdem an diesen Trieben die Blütenknospen. Beraubt man einen Apfelbaum also mit einem Schnitt aller einjährigen Triebe, so tut man ihm doppelt weh: Die ausreichende Versorgung fehlt und folglich wird noch im gleichen aber auch noch in den folgenden Jahren die Ernte geringer ausfallen.

Deshalb sei es wichtig, einen Apfelbaum gezielt und gekonnt zu beschneiden. „Am besten, Sie steigen immer dann von der Leiter, wenn Sie mehrere Äste herausgeschnitten haben und betrachten den Baum aus einer größeren Entfernung. Der Baum sollte möglichst eine Trichterform vorweisen“, erklärt Graupe den Teilnehmern. Ein falsch durchgeführter Sommerschnitt berge allerdings auch Gefahren, wie beispielsweise einen „Sonnenbrand“.

Wenn nämlich zuvor beschattete Astpartien plötzlich der hoch stehenden Sonne ausgesetzt würden, könne die Rinde beschädigt werden. Aus diesem Grund sollte man sich zuvor genau anschauen, wo Lücken entstehen, wenn ein größerer Ast entfernt wird und die sonnenbrandgefährdeten Äste möglicherweise sogar mit einem Weißanstrich versehen.

Bevor Graupe dann in den Baum steigt, um den richtigen Sommerschnitt zu demonstrieren, gibt er noch Tipps zum richtigen Werkzeug und zum richtigen Schnitt, damit der Baum nicht etwa durch Quetschungen übermäßig verletzt werde. Eigentlich sollen dann nach den Erklärungen des Fachmanns die Teilnehmer selber ans Werk gehen, „denn erst beim Selberschneiden lernt man, wie es richtig geht, fordert der Vereinsvorsitzende Nussbaum die Teilnehmer zum Mitmachen auf.

Trotzdem machen von diesem Angebot anschließend nur wenige Gebrauch. „Ich nehme die Tipps mit nach Hause und versuche es an meinen eigenen Bäumen“, meint eine Teilnehmerin. Ein anderer sei nach eigenem Ermessen mit knapp 80 Jahren schon zu alt dafür. „Das macht mein Sohn bei mir im Garten. Ich weiß jetzt aber, ob er es richtig oder falsch macht“, verrät er lachend. Einer, der es hingegen versucht, ist Matthias Dievermann. „Mein Interesse gilt dem Naturschutz. Und deshalb will ich alles richtig machen im Umgang mit der Natur.“

Neuer Termin

Die Streuobstfreunde Schöneck laden für Samstag, 22. August, zu einem weiteren Schnittkurs an Obstgehölzen ein. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Blechfabrik (Stahlbachstraße) in Büdesheim.Von Jürgen W. Niehoff

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