Bildung

Schulen ohne Schulleiter: Bald sind drei Hanauer Gymnasien ohne Leitung

Für die Otto-Hahn-Schule wird ein neuer Schulleiter gersucht.
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Für die Otto-Hahn-Schule wird ein neuer Schulleiter gesucht.

Hanau – Der kommisarische Leiter der Hohen Landesschule Hanau (Hola), Helge Messner, wird das Gymnasium Anfang Oktober in Richtung Kultusministerium verlassen. Der Schulleiter der Karl-Rehbein-Schule, Jürgen Scheuermann, wird im Februar in den Ruhestand gehen. Der Schulleiterposten der Otto-Hahn-Schule ist vakant. Damit werden drei Hanauer Gymnasien ohne Schulleiter dastehen.

Als ein „zufälliges Zusammentreffen verschiedener Faktoren“ bezeichnet die ehemalige Gymnasiallehrerin und jetzige stellvertretende Amtsleiterin des Schulamts Sonja Litzenberger. die Situation. Sie zeigt Verständnis für die Unruhe, die nun vor allem an der Hohen Landesschule aufkommt.

Dort kann von Kontinuität in Sachen Schulleitung schon lange keine Rede mehr sein. Ein Blick zurück ins Jahr 2014: Joachim Bezler, Hola-Schulleiter, verlässt die Schule und geht in den Ruhestand. Ein Jahr ist die Schulleiterstelle unbesetzt. Dann tritt Sabine Schaetzke in Bezlers Fußstapfen. Allerdings muss sie eine Zeit lang zeitgleich das Grimmelshausen-Gymnasium kommisarisch mitleiten, denn auch dort ist die Schulleiterstelle unbesetzt. Diese übernimmt Tina Ruf, damals stellvertretende Leiterin der Hola. Die erneute Vakanz an dem Gymnasium am Alten Rückinger Weg füllt Helge Messner. Er kommt 2019 von der Karl-Rehbein-Schule als stellvertretender Leiter an die Hola. Kurz darauf geht Schulleiterin Schaetzke zum Hessischen Kultusministerium – die Hola ist erneut ohne Leitung. Dann wird der Leiter des Maintaler Albert-Einstein-Gymnasiums, Claus Wörn, als kommisarischer Leiter an die Hola abgeordnet. Diese Abordnung ist Ende Juli ausgelaufen, und die kommisarische Leitung wurde an Messner übertragen.

Von Hanau nach Wiesbaden: Messner wechselt ins Hessische Kultusministerium

Und jetzt also wird Helge Messner an das Hessische Kultusministerium nach Wiesbaden wechseln. Dort soll er, so Litzenberger, den Bereich Medien verstärken. Digitale Medien sind Messners Steckenpferd. Das Wissen um IT und Medienbildung hat er sich autodidaktisch angeeignet. Er ist Mitglied im Praxisbeirat Digitale Schule Hessen. Dass er mit all dem im Kultusministerium ein gefragter Mann ist, ist nachvollziehbar. Gerade jetzt in Zeiten von Corona, in denen das digitale Lernen unabkömmlich ist, dürften Experten wie er händeringend gesucht werden. Messner hatte sich auf diese Stelle beworben und war damit erfolgreich.

Er selbst will zu der Situation nichts sagen, die Dienstordnung untersage ihm dies.

Die kommissarische Leitung der Hola soll zum 1. Oktober mit einer halben Stelle Ingo Wintermeyer übernehmen. Er ist Schulleiter des Lichtenberg-Oberstufengymnasiums (LOG) in Bruchköbel. Fortan muss auch er, so wie im vergangenen Schuljahr Claus Wörn, zwei Schulen führen. Er soll die Hola so lange leiten, bis der Schulleiterposten neu besetzt ist.

Kein Verständnis für den Wechsel nach Wiesbaden von Schulelternbeirat und Förderverein der Hola in Hanau

Für den Wechsel Messners ins Kultusministerium zeigen weder Schulelternbeirat noch Förderverein der Hola Verständnis. „Eine so große Schule wie die Hohe Landesschule mit über 1400 Schülerinnen und Schülern braucht Kontinuität und Verlässlichkeit in der Leitung. Dass jetzt innerhalb eines Jahres schon wieder ein Schulleiter abberufen werden soll, ist für die gesamte Schulgemeinde ein Schlag ins Gesicht“, erklärt der Vorsitzende des Schulelternbeirats Steffen Kohlas.

Förderverein und Elternbeirat klagen die „Personalrochaden auf Kosten einzelner Schulen“ an und bezeichnen sie als „nicht akzeptabel“. Messner habe die Hohe Landesschule in den vergangenen Monaten hervorragend durch die schwierigen Zeiten geführt und stehe für eine Kontinuität in der Schulleitung.

Wenn Jürgen Scheuermann in den Ruhestand geht ist zunächst auch die Karl-Rehbein-Schule ohne Schulleiter.

„Für die zu besetzenden Schulleitungsstellen an der Otto-Hahn und Karl-Rehbein-Schule erwarten wir schnellstmögliche durchdachte Lösungen, ohne woanders dafür wieder Lücken aufzureißen“, sagt der Alexander Happel, Vorsitzender des Stadtelternbeirats der Stadt Hanau.

Hanau: Statz erhebt Vorwürfe gegen das Kultusministerium

Der Vorsitzende der Vereinigung der Freunde und Förderer der Hohen Landesschule, Henrik Statz, bläst ins selbe Horn. Er erhebt Vorwürfe gegen das Kultusministerium: „Es kann nicht angehen, dass aufgrund einer fehlenden Personalstrategie im Hessischen Kultusministerium ein Schulleiter nach dem anderen von der Hohen Landesschule abgeordnet wird. Statt Helge Messner abzuordnen, hätten wir uns eher gewünscht, dass er als zukünftiger Schulleiter der Hohen Landesschule die Kontinuität zurückgibt, die die Schule seit vielen Jahren benötigt, um wieder zu alter Stärke und Verlässlichkeit zurückzukehren.“

Als „eindeutig falsch“ bezeichnet Schulsprecher Gianluca Castaldi die Abordnung Messners: „Der Verlust ist für die Schulgemeinde ein enormer. Er hat die Schule nicht nur durch die schwere Zeit nach dem Attentat in Hanau geführt oder während der aktuellen Pandemie einen kühlen Kopf bewahrt. Er hat den Schülern immer ein offenes Ohr geboten und die Interessenvertretung der Schülerinnen und Schüler stets auf Augenhöhe mit ihnen betrachtet.“ Messners Abordnung hält der Schulsprecher für ein Zeichen höchst fragwürdiger Personalpolitik seitens des Kultusministeriums.

Schritt an die Öffentlichkeit: Auch die Politik in Hanau soll informiert werden

Elternbeirat, Förderverein, Stadtelternbeirat und Schulsprecher wollen sich nun in einem Brief an das Kultusministerium wenden und auch den städtischen Magistrat sowie die Fraktionen in Hanau und im Kreistag über die Sachlage an der Hola informieren.

Das Schulamt weist darauf hin, dass Vakanzen immer wieder auftreten könnten, das sei nicht nur an der Hola der Fall. „Natürlich ist die Situation komfortabler, wenn eine Schule voll ist. Andererseits ist es nachvollziehbar, wenn sich Menschen auch noch mal weiterentwickeln wollen“, sagt Litzenberger.

Das Schulamt unterstütze die Schule bei Umorganisationsmaßnahmen. „Unsere Dezernenten stehen mit Rat und Tat zur Seite“, so Litzenberger. Das Auswahlverfahren zur Stellenbesetzung sei vom Hessischen Kultusministerium noch nicht abgeschlossen.

Mehrere Vakanzen an Gymnasien in Hanau

Auch an den anderen Hanauer Gymnasien stehen Vakanzen bevor oder sind aktuell. So wird die Otto-Hahn-Schule durch den Weggang von Schulleiter Thomas Röder-Muhl nach Schlüchtern derzeit von der stellvertretenden Schulleiterin Angela Kirchhoff geführt.

Der derzeitige kommissarische Leiter der Hola geht zum Kultusministerium – auch hier entsteht eine Vakanz.

Röder-Muhl ist noch mit sechs Wochenstunden als Schulleiter an der OHS tätig. Auch hier sei das Auswahlverfahren zur Nachbesetzung noch nicht abgeschlossen.

An der Karl-Rehbein-Schule (KRS) steht ebenfalls ein Leitungswechsel bevor. Schulleiter Jürgen Scheuermann wird zum 1. Februar 2021 in den Ruhestand gehen. „Ich habe meinen Weggang langfristig geplant“, sagt Scheuermann, der dann 17 Jahre an der KRS gewesen sein wird.

Er habe seit Jahren seinen Leitungsstab geformt, alle Funktionsstellen seien besetzt, alles sehr gut organisiert und er sei „sehr guter Dinge, dass es keine lange Vakanz geben wird.“ Er rechnet mit maximal ein bis zwei Monaten. „Außerdem bin ich ja nicht aus der Welt, ich bleibe der Schule auf jeden Fall verbunden.“

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