Nabu überreicht Urkunde „Schwalbenfreundliches Haus“ an Tierheim

Schwalben haben Asyl

Freude über die Urkunde: Helma Göbel (Schriftführerin Tierschutzverein), Norbert Weber (Vorsitzender Nabu), Petra Elian (Vorsitzende Tierschutzverein), Thomas Grothe (Hausmeister Tierheim), Ursula Botzum (stellvertretende Vorsitzende Tierschutzverein), Marion Dragoman (Tierheimleitung, von links).
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Freude über die Urkunde: Helma Göbel (Schriftführerin Tierschutzverein), Norbert Weber (Vorsitzender Nabu), Petra Elian (Vorsitzende Tierschutzverein), Thomas Grothe (Hausmeister Tierheim), Ursula Botzum (stellvertretende Vorsitzende Tierschutzverein), Marion Dragoman (Tierheimleitung, von links).

Hanau – Fliegen die Schwalben hoch, lockt schönes Wetter. Fliegen sie tief, droht schlechtes. Stimmt diese alte Bauernweisheit noch? „Ja, in gewisser Weise stimmt das“, lächelt Norbert Weber, Vorsitzender des Nabu Steinheim, der örtlichen Vertretung des Naturschutzbundes Deutschland.

„Bei Schönwetter mit hohem Luftdruck fliegen die Insekten höher als bei Tiefdruck und feuchter Witterung. Und Insekten sind Grundnahrungsmittel für Schwalben.“ Doch nicht nur futtern dürfen die flinken Segler über dem Hanauer Tierheim am Wasserturm in Kesselstadt. Das Refugium für herrchen- oder frauchenlose Haustiere gewährt den kleinen, freien und wilden Gesellen der Lüfte auch gewissermaßen Dauerasyl. Am Dienstag überreichte Weber mit einer kleinen Delegation des Nabu-Vorstands vor den Gehegen des Tierheims die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ nebst Urkunde an das Team des Tierschutzvereins Hanau mit seiner Vorsitzenden Petra Elian.

Und das kam so, wie Schriftführerin Helma Göbel erzählt: „Vor dem Bau des städtischen Tierheims gab es hier schon den Altbau, in dem viele Rauchschwalben nisteten und brüteten.

Nach dem Teilabriss vor einigen Jahren blieben diese im denkmalgeschützten Dachgeschoss, bauten ihre Nester aber an der Fassade, weil alles verrammelt war. Das gab natürlich viel Dreck außen und unten, wie man sich vorstellen kann. So öffneten wir dann wieder das Rundfenster im Dachgeschoss. Mit dem Ergebnis, dass wir den ‘Dreck’, also Schwalbenkot, jetzt drinnen hatten.“

Und Tierheimleiterin Marion Dragoman ergänzt: „Unser lieber Hausmeister Thomas Grothe kam dann auf die tolle Idee, das Dachgebälk innen mit einer Plastikfolie abzuspannen, als eine Art Zwischenlage ohne Decke. Ähnlich einer Schutzfolie, wie sie bei Malerarbeiten verwendet wird, nur fester.

Und seitdem brüten die Schwalben in Nistschalen an den Wänden zwischen Gebälk und Folie, fliegen durch das Rundfenster aus und ein und haben sich richtig zahlreich vermehrt. Ihr ‘Geschäft’ erledigen sie ohnehin meist im Flug, und hin und wieder wird die Plane ausgetauscht.“

Nabu-Chef Weber hörte von der Aktion, insbesondere von der Menge an Schwalben, die dadurch ihr Domizil in Hanau in einem ihrer angestammten Lebensräume behalten konnten, und sah den Tierschutzverein für die Plakette im Rahmen der Nabu-Kampagne „Schwalben willkommen!“ vor.

Bis zu 16 Schwalbenpaare brüten aktuell über dem Tierheim, wie Göbel feststellt. „Jedes Paar hat durchschnittlich drei bis fünf Junge, und das zweimal im Jahr“, rechnet Weber vor. „Wenn die schlüpfen und flügge sind, dann jagen über 200 Rauchschwalben um dem Wasserturm und der Kläranlage nach Fliegen und Käfern. Ein schönes Bild, vor allem im Frühherbst. Denn Schwalben sind Zugvögel, über Winter ziehen sie ja lieber gen Süden in wärmere Gefilde.“

Doch wer weiß: in Zeiten von Klimawandel und neuer Warmzeit ändert sich das womöglich, und die pfeilschnellen Segler bleiben über den sogenannten Winter lieber hier. Asylrecht haben sie ja, im Tierheim. Und eine Obergrenze: die gibt es sicher auch nicht.

Von Rainer Habermann

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