Hinkt Hanau hinterher?

Sechs Hanauer Schulen starten mit Software für „Homeschooling“ - Kritik an spätem Zeitpunkt

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Dem Eigenlob der Stadt zum Trotz: Die CDU verweist darauf, dass im restlichen Main-Kinzig-Kreis alle Schulen ans Glasfasernetz angeschlossen seien und die Schulen seit Jahren mit der Software Microsoft 365 arbeiteten.

Weiterer Schritt zur Digitalisierung: Vergangene Woche sind laut Mitteilung der Stadt in Hanau die ersten sechs allgemeinbildenden Schulen sowie die Volkshochschule mit der Software Microsoft 365 an den Start gegangen. 512 Lehrkräfte und 5545 Schüler seien nun als Nutzer angelegt.

 Mit an Bord sind im ersten Schritt die Karl-Rehbein-Schule (Gymnasium), Lindenauschule (Gesamtschule), Geschwister-Scholl-Schule, Anne-Frank-Schule (beides Grundschulen), Kaufmännische Schulen (Berufliche Schule) sowie die Friedrich-Fröbel-Schule (Förderschule) und die Volkshochschule Hanau.

Schuldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) betont, dass das System allen Hanauer Schulen offen stehe: „Schulleitungen, die die Plattform für ihre Schule nutzen wollen, können sich beim Stadtschulamt melden.“

Videokonferenzen und digitale Notizbücher

Wie funktioniert das System? Klassen oder Kurse sind in sogenannten Teams zusammengefasst, das beinhaltet auch AGs oder Wahlpflichtkurse. Die Gestaltung ist flexibel und kann von der Lehrkraft bestimmt werden: Es sind Video- oder Audiokonferenzen möglich, Daten können zentral zur Verfügung gestellt, gemeinsame Notizbücher geführt, Chats eingerichtet werden und vieles mehr. Technische Voraussetzung ist ein internetfähiges Gerät.

Für Schüler mit Unterstützungsbedarf stellt die Bundesregierung zusätzliche Mittel bereit. Auch das hält Weiss-Thiel für einen wichtigen Punkt: „Wir sind jetzt gezwungen, die Präsenzzeiten in den Schulen zu verringern und neu zu denken. Aber es gibt genug Familien, die sich teure Digitaltechnik eben nicht leisten können.“

Stadt investiert in Premiumvariante

Die Stadt Hanau als Schulträger habe bei der Wahl der Microsoft-365-Version auf die Premiumvariante gesetzt: Sie beinhalte nicht nur das komplette Office-Paket, sondern auch einen privaten Speicher für jeden Nutzer, eine Teamsoftware, E-Mail mit einem 100-GB-Postfach sowie ein sogenanntes „Home Use“-Programm mit einer Lizenz für bis zu fünf PCs.

Im nächsten Schritt würden an der Volkshochschule Fortbildungen zu dem neuen Programm angeboten, eine Hotline stehe bald für die Fragen der Nutzer zur Verfügung. „Das ist eine wirklich runde Sache, und ich danke allen Beteiligten, die das ermöglicht haben. Mit dem Startschuss für Microsoft 365 setzen wir als einer der ersten Schulträger die Empfehlungen der Kultusminister um, sind also für unsere Schulgemeinden eine Nasenlänge voraus“, zeigt sich Weiss-Thiel zufrieden.

CDU-Kritik: Digitalisierung hinkt hinterher

Das sieht die CDU derweil anders: Die Digitalisierung an Hanaus Schulen hinke hinterher. Zwar zeigt sich die Fraktion erfreut, dass der Schulträger nun endlich etwas für seine Schulen anbiete. Dennoch fragen sich die Christdemokraten, wieso der Schuldezernent erst nach Wochen reagiere.

„Sämtliche Schulen in Hessen sind seit dem 16. März aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Es mussten erst sieben Wochen vergehen, bevor die Verantwortlichen in der Stadt den Schulen digitale Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Hier haben Schüler, Eltern und Lehrer schon Wochen früher auf Lösungen vom Bürgermeister Weiss-Thiel gehofft“, so die Fraktionsvorsitzende Isabelle Hemsley in einer Mitteilung. 

Schulen aus dem Kreis sind Hanau teilweise voraus

Die Christdemokraten bemängelten schon seit Jahren den fehlenden Willen des Schuldezernenten, alle Schulen in Hanau mit digitaler Hard- und Software auszustatten. Dazu weist die CDU auch auf die Schulrealität im Main-Kinzig-Kreis hin: Dort seien alle Schulen ans Glasfasernetz angeschlossen und die Schulen würden seit Jahren mit Microsoft 365 arbeiten. Schulkinder, die in Maintal oder Erlensee zur Schule gehen, würden die Lernumgebung bereits seit Wochen nutzen.

„Es ist umso erstaunlicher, dass hier der Bürgermeister von einer Punktlandung spricht. Diese wäre gewesen, wenn sich der Schulträger in Hanau für das Lernen der Zukunft genauso verantwortlich fühlen würde wie andere Schulträger in Hessen und mit der Bereitstellung digitaler Lernsysteme bereits vor Jahren begonnen hätte“, so der Stadtverbandsvorsitzende Joachim Stamm.

CDU übt auch Kritik an Kommunikation der Stadt

Daher zeige man sich auch verwundert, dass Weiss-Thiel nun äußert, dass Hanau einer der ersten Schulträger sei, der dieses Lernsystem installiere. Auch verstehe man seitens der CDU Hanau nicht die Kommunikationspolitik des Bürgermeisters, da ursprünglich das Angebot zum digitalen Lernen bereits nach den Osterferien starten sollte.

„Per Pressemitteilung hat Weiss-Thiel ein lauffähiges System zum Ende der Osterferien ankündigt. Warum verspricht der Bürgermeister zwei Wochen später erneut vollmundig, jetzt gehe es los? Hier fragen wir uns schon, ob der Schulträger auf einer verlässlichen Basis mit seinen Schulen und vor allem mit den Eltern zusammenarbeitet“, äußern sich Stamm und Hemsley. kb/das

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