Seniorentheater „Szenenwechsel“ präsentiert erstes Stück

Premiere im doppelten Sinn

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Die Proben bei der Seniorentheatergruppe Szenenwechsel gehen in ihre Endphase. Am Freitag, 23. April, feiern die Laiendarstellerinnen doppelte Premiere: Sie präsentieren erstmals ihr erstes Stück, eine ungewöhnliche „Romeo und Julia“- Inszenierung.

Hanau - Die Spannung steigt beim neuen Hanauer Seniorentheater „Szenenwechsel. “ Am 22. April feiert sein erstes Theaterstück Premiere – eine sehr frei interpretierte Version des Shakespeare-Klassikers „Romeo und Julia“. Seit einem Jahr arbeiten die Laien-Darstellerinnen unter der Regie von Brigitte Kucharzewski auf ihren großen Auftritt hin. Von Dieter Kögel

Die Bühne des Jugendbildungs- und Kulturzentrums Hans-Böckler-Haus am Sandeldamm wird Schauplatz der Premiere. Am 23. und am 24. April stehen dort zwei weitere Aufführungen auf dem Programm. Grund genug für Ensemble und Regisseurin, am künftigen Spielort ein langes Probenwochenende einzulegen. Insgesamt rund 15 Stunden haben die acht Frauen von Freitag bis Sonntag an den Feinheiten ihrer Inszenierung gearbeitet, Durchläufe geprobt, einzelne Szenen intensiv bearbeitet. „Eigentlich steht das Stück soweit“, sagt Regisseurin und Theaterpädagogin Kucharzewski, die das Ensemble seit über einem Jahr betreut und die Spielerinnen behutsam auf den Auftritt auf der Bühne vor großem Publikum vorbereitet hat. Das Ensemble hat sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen lassen, dass sich erst vor wenigen Wochen der einzige Mann aus den Reihen der Darsteller zurückgezogen hat. Die Rollen von Pater Lorenzo und dem Grafen Paris, dem Julia von den Capulets versprochen worden ist, mussten kurzerhand umbesetzt werden.

„Wir sind jetzt eine reine Frauentheatergruppe“, sagt eine der Darstellerinnen lachend. Der Verlust ist ausgeglichen, die neue Kollegin hat sich schnell in den Text und die außergewöhnliche Rahmenhandlung Handlung eingearbeitet. Denn das Liebesdrama wird in dieser Version ziemlich verfremdet. Beim Klassentreffen entschließen sich die in die Jahre gekommenen ehemaligen Klassenkameradinnen, das zuletzt vor 40 Jahren im Schultheater aufgeführte Drama kurzerhand noch einmal zu spielen. Eines der Probleme dabei: Die Frauen müssen in Männerrollen schlupfen. Mit tiefen und lauten Stimmen sprechen, männliche Körperhaltung einnehmen und männlichen Habitus adaptieren, das waren die großen Herausforderungen in den vergangenen Monaten. „Aber da haben wir ganz gute Fortschritte gemacht“, sagen die Darstellerinnen, die es nach der Berufstätigkeit und neben der Familie wegen eines ganz persönlichen „Szenenwechsels“ auf die Bühne zieht. Etwas Neues, etwas anderes machen möchten sie noch einmal. Neue Erfahrungen sammeln, neue Kontakte knüpfen, sich auf neuem Terrain ausprobieren.

Beim langen Probenwochenende ging es aber nicht nur um das Theaterspiel als solches. Die Stufen an der Bühnenseite, über die die Darstellerinnen beim Szenenwechsel im Dunklen die Bühne verlassen oder betreten, sind kaum zu sehen. Da muss noch ein Licht her. Auch die Organisation hinter der Bühne muss stimmen: Wo zum Teil schneller Kostümwechsel gefragt ist, darf trotz der Enge niemand den Weg zur Bühne versperren. Auch der Zugriff auf die Requisiten muss problemlos klappen. Scheinbare Kleinigkeiten, die aber genauso eingespielt sein müssen wie Text und Handlung. Denn bei den Auftritten vor Publikum kommt noch die gesteigerte Nervosität und Anspannung hinzu, weiß Brigitte Kucharzewski. Da ist es gut, wenn der Gesamtablauf in Fleisch und Blut übergegangen ist.

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Und Publikum wird bei der bereits ausverkauften Premiere am Freitag, 22. April, genug da sein. Für die Aufführung am Samstag, 23. April, 20 Uhr, und Sonntag, 24. April, 18 Uhr, gibt es aber noch Karten zum Preis von neun Euro, ermäßigt sechs Euro, erhältlich im Buchladen am Freiheitsplatz.

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