Neue SPD-Vorsitzende Susana Cid Jovic liebäugelt auch mit Parlamentsarbeit

Sie „brennt“ für die Themen vor Ort

Susana Cid Jovic will sich den Weitblick bewahren: Ob die Kirche im Dorf oder die Gewerbehallen am Horizont – Kommunikation mit Bürgern, politischen Mitbewerbern und Parteigenossen ist für die 43-jährige Hammersbacherin das A und O, um den Ort voranzubringen.
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Susana Cid Jovic will sich den Weitblick bewahren: Ob die Kirche im Dorf oder die Gewerbehallen am Horizont – Kommunikation mit Bürgern, politischen Mitbewerbern und Parteigenossen ist für die 43-jährige Hammersbacherin das A und O, um den Ort voranzubringen.

Hammersbach – Am Küchenschrank hängt eine knallgelbe Postkarte mit dem Spruch „Ich bin ein Dauerbrenner“. Eine Aussage, die auf Susana Cid Jovic zutrifft – trotz ihrer ruhigen Art. Denn die 43-Jährige ist nicht nur voll erwerbstätig und alleinerziehende Mutter einer achtjährigen Tochter. Sie ist auch Vorsitzende des Fördervereins der Astrid-Lindgren-Schule und seit einigen Tagen die erste Frau an der Spitze des Hammersbacher SPD-Ortsverbands.

„Dass meine Wahl derart historisch war, wusste ich übrigens gar nicht“, lacht Cid Jovic zu Beginn des Gesprächs in der Küche ihres Hauses, das im Wohngebiet zwischen den beiden Ortsteilen liegt. Hier, am nahegelegenen „Ortsmittelpunkt“, befinden sich auch das Rathaus, die Kinderbetreuungseinrichtungen und die Schule. Der Blick vom Garten des Hauses geht weit über den Ortsteil Langen-Bergheim, bis zu den großen Logistikhallen im interkommunalen Gewerbegebiet jenseits der Autobahn.

Im Jahr 2009 gab es die Hallen, die derzeit die Gemüter in den drei beteiligten Kommunen Hammersbach, Limeshain und Büdingen erregen, noch nicht. Seinerzeit war es unter anderem dieses Panorama, das den Ausschlag für Cid Jovic und ihren damaligen Lebenspartner gegeben hatte, an den Galgenberg in Hammersbach zu ziehen.

Kennengelernt hatten sich die beiden im berufsbegleitenden BWL-Studium in Frankfurt. Cid Jovic, die aus dem Ruhrgebiet stammt, hatte zuvor in Marl bei Degussa eine Lehre zur Industriekauffrau absolviert und war dann in die Zentrale von Evonik-Degussa in die Mainmetropole gewechselt. Als die Zentrale in Frankfurt geschlossen und die Arbeitsplätze an den Evonik-Standort in Hanau verlagert wurden, suchten sich Cid Jovic und ihr Partner, der aus der Region kommt, ein Eigenheim – und landeten schließlich in Hammersbach.

„Mein Ex-Partner war früher bei den Jusos aktiv. Also informierten wir uns bei einem Dorffest am Stand der SPD über die politische Arbeit vor Ort“, erinnert sich Cid Jovic an ihre erste Begegnung mit dem Fraktionsvorsitzenden Wilhelm Dietzel, ihrem Amtsvorgänger Wilhelm Bender und anderen Parteigenossen. „Die Leute sind ganz offen auf uns zugegangen, das fand ich klasse. Auch heute noch ist diese Bürgernähe, die ich damals selbst erlebt habe, für mich eine große Stärke der Hammersbacher SPD.“

In den Folgejahren hat sie sich dann immer mehr engagiert, nicht nur politisch. Auch im Vorstand des KSV Langen-Bergheim oder eben an der Grundschule wurde sie aktiv. Dass sie nun bei der Wahl zur SPD-Vorsitzenden 38 Jastimmen und nur zwei Gegenstimmen erhalten hat, wertet die „Zugezogene“ als „ziemlich gutes Ergebnis“.

Ein übergeordnetes Thema sieht Susana Cid Jovic nicht für ihr neues Amt. Sie mag vor allem die Vielseitigkeit der Kommunalpolitik, vom nachhaltigen Wiederaufforsten des Gemeindewaldes bis hin zur Arbeit mit Jugendlichen, etwa bei der Neugestaltung des Areals „Dammbrücke“. „Das geplante internationale Workcamp fiel ja leider Corona zum Opfer“, bedauert sie. „Dennoch sucht der Bürgermeister den Dialog mit den Jugendlichen und geht auf deren Ideen ein.“

Im Dialog bleiben, sich die Sorgen und Argumente der Menschen anhören – dieses Anliegen taucht immer wieder während des Gesprächs auf. Etwa, wenn demnächst in Marköbel „Auf der Burg“ ein neues Baugebiet ausgewiesen werden soll. „Hier müssen wir die Leute bei einer Bürgerversammlung informieren und mitnehmen“, erklärt Cid Jovic, die darauf Wert legt, dass auch bezahlbarer Wohnraum für Familien oder ältere Menschen entsteht. Nicht nur in dieser Beziehung sieht sie auch den Diskurs mit der oppositionellen CDU als konstruktiv an. „Alles, was unsere Gemeinde voranbringt, ist gut – egal woher die Initiative kommt.

Die Kontaktpflege zu den eigenen Mitgliedern über Geburtstags- oder Krankenbesuche ist der neuen SPD-Vorsitzenden ebenso wichtig wie das „Bürgerblatt“, eine Broschüre, mit der die Partei die Hammersbacher über kommunalpolitische Themen auf dem Laufenden hält. Nur so könne man auch neue Mitglieder gewinnen. Denn auch wenn im frisch gewählten Parteivorstand eine gute Mischung zwischen „Alteingesessenen“ und jungen Kräften bestehe, liege der Altersdurchschnitt der Mitglieder insgesamt über 60.

Im Dialog bleiben – das fordern auch die Mitglieder der vor eineinhalb Jahren gegründeten Bürgerinitiative Schatzboden, die sich gegen die Erweiterung des Interkommunalen Gewerbegebiets Limes einsetzt. „Die Argumente liegen auf dem Tisch“, sagt Cid Jovic. „Natürlich ist Natur schöner als Gewerbehallen, aber für die wirtschaftliche Entwicklung der drei Kommunen ist das Gewerbegebiet super wichtig. Zudem werden die Planungen und Baumaßnahmen von unabhängigen Behörden geprüft. Alles muss streng nach Recht und Gesetz gehen.“

Auch wenn die Sozialdemokratin in der Vergangenheit keine Defizite in der Kommunikation sieht – die entsprechenden Gremiensitzungen in all den Jahren waren überwiegend öffentlich –, so erkennt sie einige Argumente der Bürgerinitiative durchaus an. „Es stimmt beispielsweise, dass Lkw von der Autobahn aus falsch geleitet wurden und sich in den Ortschaften verfahren haben. Und ich unterstütze auch die Forderung nach Maßnahmen wie Dachbegrünungen oder Fotovoltaikanlagen auf den Hallen.“

Vielleicht kann Susana Cid Jovic über all diese Themen bald auch selbst in den Gremien mitdiskutieren. Denn die alleinstehende Mutter, die nach wie vor von ihrem Ex-Partner und dessen Familie bei der Erziehung der achtjährigen Tochter unterstützt wird, kann sich vorstellen, zur Kommunalwahl im kommenden Frühjahr auf der SPD-Liste zu kandidieren.

Wie sie das alles unter einen Hut bekommen möchte? „Freunde sagen, ich hätte ein Organisationstalent“, antwortet die 43-Jährige, die bei Evonik in Hanau im Bereich Produktionsplanung und Logistik tätig ist. „Eins ist jedoch klar: Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch gut machen.“ Ein Dauerbrenner eben.

Von Jan-otto Weber

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