Der lange Weg zur Corona-Impfung

Die aufwändige Anmeldung für einen Impftermin: Ein Hanauer berichtet

Bis die Spritze mit dem Corona-Impfstoff aufgezogen ist, dauert es. Die Anmeldung ist ein langer, umständlicher Weg. (Symbolbild)Symbol
+
Bis die Spritze mit dem Corona-Impfstoff aufgezogen ist, dauert es. Die Anmeldung ist ein langer, umständlicher Weg. (Symbolbild)

Am 12. Januar war Start der Corona-Impfterminvergabe in Hessen. Aber einen Termin zu bekommen, ist nicht einfach.

Hanau – Der Zeitaufwand dafür war allerdings immens. Der Schwiegersohn der Dame, Jürgen Jakoby, saß dafür fünf Stunden vor dem Rechner. Und war damit nicht der Einzige. Wie berichtet, war der Ansturm auf das Buchungssystem für die Corona-Impfung in Hessen so groß – mehr als 400. 000 Menschen, die 80 Jahre und älter sind, kommen aktuell für eine Terminvereinbarung infrage – dass das System zwischenzeitlich sogar heruntergefahren werden musste.

Verständnis dafür hat der Kesselstädter, der sich mit seiner Geschichte an den HANAUER ANZEIGER gewandt hat, wenig. „Ich habe um 8 Uhr begonnen und hatte kurz vor 13 Uhr die beiden Termine“, erzählt er. Fünf lange Stunden habe er sich durch den Anmeldeprozess gekämpft.

Corona-Impfung in Hessen: Hanauer erzählt von Anmelde-Prozedur

Am Montag (11.01.2021) lag bei seiner Schwiegermutter ein Brief der Landesregierung im Briefkasten mit der Information, dass sie – weil über 80 Jahre alt – einen Termin zur Corona-Schutzimpfung vereinbaren könne. „Dass dieser Brief nicht gleich mit einem Anmelde-Code versehen war, kann ich nicht nachvollziehen. Die Daten liegen doch vor. Stattdessen muss man sich für die Anmeldung durch ein aufwändiges Prozedere durcharbeiten“, so Jakoby. Er beschreibt den umständlichen Prozess: „Für die Anmeldung braucht es sechs Schritte. Für die konkrete Terminvergabe weitere vier.“

Jakoby erzählt: „Man startet auf impfterminservice.hessen.de und wartet, bis man an der Reihe ist. Unterwegs wird man allerdings mehrmals aus dem System geworfen. Dann muss man anklicken, um was für eine Person es sich handelt. Danach eine Maske mit den persönlichen Daten ausfüllen und anschließend ein Passwort auswählen und eine Notfallperson benennen. Zwischendurch gibt es immer wieder Fehlermeldungen und schließlich wirft einen das System wieder raus“, so seine Erfahrung am Dienstagvormittag (12.01.2021). Jakoby: „Erneut beginnt das Prozedere von vorne. Zwischendrin hat sich dann das gesamte System abgemeldet.“ Doch Jakoby blieb standhaft. „Ich möchte unbedingt, dass meine Schwiegermutter diese Spritze bekommt. Das war Motivation genug. Der Zeitaufwand war mir egal.“

Hanau: Für die Corona-Impfung nach Frankfurt

Am Ende dieses ersten Teils der Anmeldung erfolgte für Jakoby eine Zusammenfassung und der Abschluss der Registrierung, berichtet der standhafte Schwiegersohn. Mittlerweile hatte er eine Vorgangskennung erhalten. Und an die angegebene E-Mail-Adresse einen Link geschickt bekommen. „Dann erscheint eine neue Maske, nachdem man wieder mal lange gewartet hat, weil das System überlastet ist. In diese Maske trägt man erneut die Vorgangsnummer ein. Dann gilt es, einen Button anzukreuzen, dass man einen Termin vereinbaren will.“

Als Nächstes gibt es die Bestätigung für das Impfzentrum Frankfurt. „Dann kann man Wochentag und Uhrzeit einschränken. Das nennt sich dann ‚Vorgaben für die Terminsuche’“, schildert Jakoby die weitere Prozedur. Danach folgten Terminvorschläge für den ersten der beiden Impftermine. Hier könne man auswählen, welcher Tag und welche Uhrzeit passe. Danach gelangt man zu den Terminvorschlägen für den zweiten Termin. Schließlich zur Zusammenfassung, der man zustimmen müsse. „Zwischendurch habe ich meiner Schwiegermutter Bescheid gegeben, wie weit ich im Anmeldeprozedere fortgeschritten bin. Große Hoffnungen habe ich ihr und auch mir aber keine gemacht“, erzählt er.

Ein Erfahrungsbericht aus Hanau: Der lange Weg zum Impf-Termin in Hessen

Doch schließlich, um 13 Uhr, hatte es Jakoby tatsächlich geschafft: Er gelangte zur Abschluss-Seite mit allen Erläuterungen und einer PDF-Datei zum Ausdrucken. „Heute Nacht um 0.12 Uhr bekam ich dann eine Bestätigung des Impftermins per E-Mail, zusammen mit einem Aufklärungsmerkblatt und einer Anamnese-Einwilligung“, so Jakoby gestern Vormittag in einem weiteren Telefonat mit dem HA.

Seine Schwiegermutter kann er nun am Dienstag kommender Woche (19.01.2021) zum Impfen in die Frankfurter Festhalle fahren. Der zweite Impftermin ist auf den 11. Februar datiert – ebenfalls in Frankfurt. „Ich nehme, was ich habe. Auch wenn es völlig widersinnig ist, meine Schwiegermutter nach Frankfurt fahren zu müssen, obwohl in Hanau seit Mitte Dezember ein Impfzentrum eingerichtet ist. Zudem kann ich nicht nachvollziehen, warum zu derart alten Menschen keine mobilen Impfteams geschickt werden“, sagt der.

Doch ihm sei es wichtig, seine Schwiegermutter schnellstmöglich impfen zu lassen. Für ihre Gesundheit nimmt er Zeit und Kosten, die mit der Fahrt verbunden sind, gerne in Kauf. (Kerstin Biehl)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare