OB in Sorge wegen Hanaus Sondersituation: „Corona-Infektionsgeschehen in der Stadt intensiver als im restlichen Kreisgebiet“

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Oberbürgermeister Claus Kaminsky ist besorgt.

Aus „höchster Besorgnis“ um die Gesundheit seiner Hanauer Bürger bemüht sich Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky seit Wochen um eine bessere Informationspolitik zwischen Stadt und Kreis.

Immer wieder hat er mit dem Hinweis auf die Sondersituation in der Stadt ein Mehr an Informationen eingefordert. Denn in der Stadt liege die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl, die von Bund und Land als Faktor für mögliche neue Schließungen genannt wird, „permanent bei 24 pro 100 000 Einwohner“. Auf den gesamten Kreis hochgerechnet beträgt dieser Wert acht (Hanau herausgerechnet bei drei auf 100 000 Einwohner). 

Die Hanauer Sondersituation dürfte nicht zuletzt dem Umstand geschuldet sein, dass sich in Hanau zu den Gedenk- und Trauerveranstaltungen nach dem Anschlag vom 19. Februar viele Tausend Menschen versammelt haben – zu einer Zeit, als andernorts große Feiern und Faschingsveranstaltungen stattfanden, die sich – wie man heute weiß – als Infektionsquellen herausstellten. 

Infektion in Flüchtlingsunterkunft veränderte die Situation

Die Sorge um das Wohl und die Gesundheit der Hanauer Bürger hat dazu geführt, dass der OB einen bisweilen sehr konfrontativen und fordernden Ton angeschlagen hat, der nicht immer auf Verständnis bei den Hanauer Bürgern gestoßen ist und schon gar nicht bei den Mitarbeitern des Kreisgesundheitsamtes. 

Die jüngsten Ereignisse um eine Infektion in der Flüchtlingsunterkunft auf Sportsfield Housing haben die Differenzen zwischen Stadt und Kreis jetzt allerdings in den Hintergrund treten lassen. Am Freitag zogen beide an einem Strang, als es darum ging, wie die aktuelle Krise am effektivsten zu meistern sei. 

Kaminsky kritisiert den Main-Kinzig-Kreis

Auf die Frage, welche Fehler oder Versäumnisse die Stadt dem Kreis konkret vorwirft, erklärte der Oberbürgermeister, dass es nicht um Fehler und Versäumnisse, sondern um Haltungen. Man sei sich einig darin, dass der gemeinsame Feind das Virus sei. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreis-Gesundheitsamts arbeiteten gewiss genau und engagiert. Aber in Hanau gebe es seit Wochen deutlich mehr Fälle als im Kreis-, Landes- und Bundes-Durchschnitt (gerechnet auf 100 000 Einwohner). 

Kaminsky wirft dem Kreis unter anderem vor, dass dieser die von Bund und Land als Faktor für mögliche neue Schließungen genannte Zahl, bis heute nicht zur Verfügung gestellt habe. Die Zahl acht auf 100 000 für den Kreis beruhe somit auf Berechnungen der Stadt. Da erhebt sich die Frage, was genau die Stadt anders machen würde, wenn das Gesundheitsamt in städtischer Hand wäre. 

Corona-Notbremse als Teil des Forderungskataloges

Die Verantwortlichen wüssten über das Infektionsgeschehen in der Stadt genau Bescheid, erklärt die Pressestelle, wüsste, ob es Häufungen in Stadtteilen gebe oder ob Kinder beteiligt sind. „Auf der Grundlage wären noch verantwortungsvollere Entscheidungsfindungen bei Veranstaltungen, bei Schul- und Kita-Öffnungen, Sport, Vereine, Bäder, Kultur, Handel und Gastronomie möglich“, ist der OB überzeugt. Bei der Nachverfolgung der Infektionsketten würde die Stadt – selbstverständlich unter Beachtung der Regeln des Infektionsschutzgesetzes – bei Bedarf auch das Ordnungsamt mit einbinden. Dass dies trotz mehrfacher Angebote seit vielen Wochen vom Kreis nicht genutzt werde, bedauert der OB. 

In dem Forderungskatalog, den die Stadt unlängst an den Main-Kinzig-Kreis geschickt hatte, war unter anderem eine „ Corona-Notbremse“ mittels Clustering des Main-Kinzig-Kreises in 100 000-Einwohner-Einheiten gefordert worden. Für die „Einheit Hanau“ werde täglich die relevante Sieben-Tages-Zahl benötigt, um eine Bewertung sowie eine Prognose für Entwicklung und erforderliche Maßnahmen zu treffen, hieß es darin. Für Hanau solle neben der vorgegebenen Zahl 50 eine Vorwarnstufe bei 35 Fällen eingeführt werden. Ferner fordert die Stadtspitze eine tägliche Darstellung der aktiven Fälle, aufgeschlüsselt nach Alter und Stadtteil sowie Fällen in Pflegeheimen, Krankenhäuser und Gemeinschaftsunterkünften, etwa für Flüchtlinge. 

Stadt brauche die Zahlen um auskunftsfähig gegenüber der Bevölkerung zu sein

Zudem seien Informationen darüber, welche Maßnahmen ergriffen wurden und werden, um Infektionsketten zu verfolgen und einzudämmen unerlässlich. Ohne Auskunft über die Zahl der Testungen, deren deutliche Erhöhung und eine Übersicht über die Kriterien für Quarantänemaßnahmen und Auskunft über deren Überwachung ist nach Meinung des Stadtchefs kein ganzheitlicher Überblick möglich. Er wünscht sich daher auch Auskünfte über erfolgte Sanktionen bei Quarantäne- und allgemeinen Corona-Verstößen (etwa Bußgeldbescheide). 

Zum Forderungskatalog gehört auch Aufklärung über die Zahl der Infizierten, Getesteten,Test-Anordnungen, den Umfang der ermittelten Infektionsketten, die Beteiligung von Kindern sowie die lokale Verteilung der Fälle. Ferner eine tägliche Lagemeldung und Auskunft zu geplanten Maßnahmen und eine Bewertung des Gesamtereignisses. All diese Daten, so der OB lieferten die Grundlagen, damit die Stadt auskunftsfähig gegenüber der Bevölkerung, sowie im Besonderen gegenüber Schul- und Kitaleitungen, Feuerwehr und Rettungskräften sei.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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