Betrüger haben es auf Geld und Wertsachen älterer Leute abgesehen

Sparkassenkunden im Visier von kriminellen Anrufern

Betrüger am anderen Ende der Leitung: Vor allem ältere Menschen sind immer wieder im Visier von Kriminellen. ARCHIV
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Betrüger am anderen Ende der Leitung: Vor allem ältere Menschen sind immer wieder im Visier von Kriminellen. ARCHIV

Früh morgens klingelt bei Gerlinde O. (Name geändert, Anm. d. Red.) das Telefon. Am Apparat ist ein Mann, der vorgibt, Sparkassen-Mitarbeiter zu sein. Er sagt der 85-Jährigen, bei der Sparkasse sei eingebrochen worden. Sie solle unbedingt schnell kommen und nach ihrem Schließfach schauen, ob dort etwas fehle. Doch die Seniorin riecht den Braten.

Hanau. Sie ruft bei der Sparkasse an und erfährt: Es hat gar keinen Einbruch gegeben, mit ihrem Schließfach ist alles in Ordnung. Die 85-Jährige informiert auch die Polizei über den Vorfall. So hat es sich vor wenigen Tagen in Hanau zugetragen. Die Tochter der Mutter hat sich an unsere Zeitung gewendet. Sparkasse Hanau und Polizei bestätigen auf unsere Nachfrage hin den Vorfall. Und es wird klar: Es ist kein Einzelfall.

„Ich hatte an dem Tag gegen 8.30 Uhr versucht, meine Mutter zu erreichen. Mich hat gewundert, dass bei ihr so früh morgens pausenlos besetzt ist“, berichtet uns die Tochter. Ihren Namen und den ihrer Mutter möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Als sie erfährt, was bei ihrer Mutter vorgefallen ist, ist sie geschockt. „Ich bin froh, dass meine Mutter noch so helle ist und sich direkt bei der Sparkasse gemeldet hat.“

Der Sparkasse Hanau sind mehrere Fälle bekannt

Hinter der frühen Uhrzeit vermutet sie System. „So früh am Morgen ist man doch oft noch nicht ganz bei der Sache.“ Wie die Kriminellen an Geld und Wertsachen ihrer Mutter gelangen wollten, sei ihr nicht bekannt. „Vielleicht wollten sie sich vor der Bank auf die Lauer legen, ob eine ältere Dame mit nichts die Bank betritt und mit einem großen Beutel wieder hinauskommt“, vermutet sie.

Bei der Sparkasse Hanau kennt man die Masche. „Wir hatten in den letzten Tagen zehn bis zwölf Anrufe“, sagt Pressesprecher Stefan Schüßler auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Verbrecher suchen gezielt nach alt klingenden Namen im Telefonbuch, rufen die Leute an, verwickeln sie in ein Gespräch. Irgendwie entlocken sie den Senioren, dass sie bei der Sparkasse ein Konto oder Schließfach haben“, vermutet Schüßler. Die Kriminellen seien psychologisch geschult, weswegen sie oft Erfolg hätten. Es seien aber keine Kundendaten der Sparkasse in die Hände von Verbrechern gelangt. „Es gibt kein Datenleck“, versichert Schüßler.

Polizei vermutet geplante Einbrüche

Um dem Problem zu begegnen, schule und sensibilisiere das Geldinstitut seine Mitarbeiter. Diese würden aufmerksam, wenn ein älterer Kunde, der sonst nur geringe Beträge abhebe, plötzlich zehntausende Euro in bar haben möchte. „Wir kennen unsere Kunden“, sagt Schüßler. Man habe bereits eine „niedrige zweistellige Anzahl“ an Betrugsversuchen mit dem Enkeltrick unterbinden können, erklärt er. Außerdem informiere man die Öffentlichkeit und stehe in Kontakt mit der Polizei.

Im zuständigen Fachkommissariat 23/24 seien mehrere solcher Fälle bekannt, heißt es aus dem Polizeipräsidium Südosthessen. Mit Stand vom vergangenen Mittwoch seien noch vier weitere gleich gelagerte Meldungen eingegangen. In keinem der Fälle sei ein Schaden entstanden. „Da sich hier derzeit jeweils noch keine Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten ergaben, lagen auch die Voraussetzungen für die Einleitung von Strafanzeigen noch nicht vor“, erklärt Polizeisprecher Thomas Leipold. Dennoch seien die Geschehnisse dokumentiert worden. Die Ermittlungen zu den Anrufern liefen bereits. Die Angerufenen würden nochmals befragt. Nach Schilderung der Polizei rufen die Betrüger oftmals auf gut Glück bei Personen an, die im Telefonbuch stehen und deren Vornamen auf ältere Personen hindeuten.

Rat: skeptisch bleiben

Zu möglichen Motiven hat die Polizei einen weiteren Verdacht: Die Anrufer versuchten zu erreichen, dass sich die Opfer aus dem Haus oder der Wohnung zur Bank begeben – oder an einen anderen Ort, je nach Inhalt und Art des vorgetäuschten Sachverhalts. Ziel sei dann, „in Ruhe“ zu Hause einbrechen zu können. Hinweise, dass die Anrufer in den Besitz von personenbezogenen Daten von Bankkunden gekommen seien, lägen nicht vor, bestätigt Polizeisprecher Leipold.

Man rate daher, bei solchen Anrufen umgehend die Polizei zu kontaktieren sowie gegebenenfalls die Rufnummer aus dem Telefonbuch streichen zu lassen. Grundsätzlich sollte man bei Anrufen einer angeblichen Bank skeptisch sein und – wie in vorliegendem Fall richtigerweise geschehen – zur Überprüfung einen Gegenanruf bei der „echten“ Bank tätigen, betont Leipold.

Eine weitere Masche spielt sich gerade im Wetteraukreis ab, wie das dortige Polizeipräsidium gestern mitteilte. Angeblicher Mitarbeiter der Sparkasse gäben vor, Überweisungen seien auffällig geworden und man müsse Daten abgleichen. Auch hierbei handelt es sich um einen Betrugsversuch.

Von Christian Dauber

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