Führungsanspruch untermauert

Spitzenkandidatin: Beate Funk führt Hanauer SPD in die Kommunalwahl

In der August-Schärttner-Halle wirkten die 51 Delegierten des SPD-Nominierungsparteitages ein wenig verloren. Aber die Abstände konnten eingehalten werden.
+
In der August-Schärttner-Halle wirkten die 51 Delegierten des SPD-Nominierungsparteitages ein wenig verloren. Aber die Abstände konnten eingehalten werden.

Mit der Ersten Bürgerin an der Spitze zieht die Hanauer SPD in den Kommunalwahlkampf. Einstimmig stellten 51 Delegierte aus acht Ortsvereinen in der August-Schärttner-Halle die amtierende Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck als Spitzenkandidatin für den Urnengang am 14. März 2021 auf.

Von Oliver Klemt

Hanau - Selbstbewusst bekräftigten die Genossen ihren politischen Führungsanspruch in der Stadt und scharten sich demonstrativ um ihren angefeindeten Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Der OB war es auch, der den Sonderparteitag mit einer kämpferischen Ansprache in Schwung brachte. Euphorische Aufbruchsstimmung ließ die eher triste Atmosphäre freilich nicht zu. Zwar musste sich niemand, wie vorab in einer Presseerklärung des Stadtverbandes angeraten, mit Wolldecken wärmen.

Vorschriftsmäßig auf Corona-Abstand gesetzt, wirkte das Häuflein Sozialdemokraten in der riesigen Halle dennoch verloren. Engagierte Mitglieder, die mit Beifall und Jubel hätten Stimmung machen können, blieben als Online-Beobachter zur Passivität verurteilt.

Hanau: SPD-Politiker vermitteln Zuversicht

Durchaus authentisch wirkte indessen die Zuversicht, die Stadtverbandsvorsitzender Thomas Straub, Bürgermeister Axel Weiß-Thiel als Versammlungsleiter und weitere Redner verbreiteten. Bei der Konversion der US-Kasernen und dem Innenstadtumbau habe Hanau mit der SPD am Ruder bundesweit Zeichen gesetzt, betonte etwa Weiß-Thiel bei der Vorstellung des Wahlprogramms.

Bildung soll demnach in der kommenden Wahlperiode ein sozialdemokratischer Schwerpunkt sein - in Kitas und Schulen gewiss, darüber hinaus aber auch in der Stadtgesellschaft. Die Pandemie und ein möglicher Absturz der Wirtschaft, Hass und Gewaltbereitschaft im Netz und real, weltpolitische Risiken und die Klimakatastrophe am Horizont - gerade den jungen Leuten müsse die Stadtpolitik in einer Zeit der Unsicherheit mit Anlaufstellen, Ansprechpartnern und vor allem einer Offensive für Ausbildung zur Seite stehen, betonte der Sozialdezernent.

Hoher Frauenanteil bei den SPD-Kandidaten

Mit ihrem Wahlvorschlag für die Stadtverordnetenversammlung sind die Genossen aus Sicht von Stadtverbandschef Straub sowohl stabil als auch repräsentativ aufgestellt. So biete die SPD nicht nur erstmals eine Frau in der Spitzenposition auf, unter den 44 Kandidaten sei mehr als ein Drittel weiblich.

Auch setze die Liste ein „Zeichen der Verjüngung“: 30 Prozent der Bewerber auf den ersten 20 Plätzen seien jünger als 40 Jahre, sechs davon Jungsozialisten oder im „Juso-Alter“.

Fraktionschef ist der junge Hoffnungsträger

Als junger Hoffnungsträger steht Max Bieri aus Steinheim nach Cornelia Gasche, die er soeben als Fraktionschef im Stadtparlament ablöste, und Thomas Straub auf Listenplatz vier. Bis Platz zehn folgen Claudia Borowski, Dr. Armin Jebabli, Caroline Geier-Roth, Mehmet Kuscu und Wulf Falkowski, sodann Ute Schwarzenberger, Wolfgang Schaffert, Reiner Wegener, Caroline Kargl und Niklas Bauer. Sie alle und sämtliche übrigen Bewerber wurden vom Parteitag entweder einstimmig oder mit mindestens 47 von 51 Stimmen gewählt.

Beate Funk,

In der „Ehrenloge“ (Straub) unter den letzten Vier hat neben Claus Kaminsky, der wieder OB werden will und daher an einer anderen Front kämpft, Veteran Günter Jochem und Kreis-Politikerin Susanne Simmler Abdullah Unvar, der Cousin des am 19. Februar in Hanau getöteten Ferhat Unvar, Platz genommen.

Unvar, der bei der Bundestagswahl als Direktkandidat der SPD im Main-Kinzig-Wahlkreis 180 antreten will, verdiente sich den Beifall der Delegierten mit einem bewegenden Appell für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität mit dem OB, der wegen seiner Corona-Politik und klarer Positionen gegen Extremismus zunehmend ins Visier von Hasspredigern im Internet gerät.

Kampf gegen Hass und Rassismus ein großes Thema

Ihm zur Seite trat Saida Hashemie, die im März bei der Trauerfeier nach den rechtsextremen Morden vom 19. Februar gesprochen hatte und für die SPD auf Platz 19 kandidiert. Für die gezeigte Solidarität mit den Familien der Opfer wolle sie der Stadtgesellschaft etwas zurückgeben, erklärte sie. Den Kampf gegen Hass und Rassismus stellte auch die Spitzenkandidatin in den Vordergrund - politisch wie auch mit Kunst und Kultur als „unverzichtbaren Lebensmitteln“, so Funck.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare