Wohngebiet oder nicht?

Sportsfield-Häuser: Stadt drängt auf Entscheidung - OB will Goodyear-Standort sichern

häuser auf sportsfield areal in hanau
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Die Stadt Hanau will die Häuser auf Sportsfield erhalten.

Hanau – Können die früheren US-Wohnungen auf Sportsfield Housing der ehemaligen Pioneer-Kaserne in Wolfgang für Wohnzwecke genutzt werden? Oder müssen sie abgerissen werden, um einem Gewerbegebiet an der Aschaffenburger Straße Platz zu machen? Diese Fragen beschäftigen seit vielen Jahren die Politik nicht nur in Hanau.

Auch Berlin und Wiesbaden sind eingeschaltet. Eine Entscheidung steht noch aus. Auf die drängt nun die Stadt immer deutlicher. „Wir wünschen uns, dass es noch dieses Jahr darüber Klarheit gibt“, sagt Stadtentwickler Martin Bieberle. Im Rathaus sieht man nun das Land Hessen am Zug.

Eine Entwicklung von Sportsfield Housing mit der planungsrechtlichen Ausweisung als Wohngebiet kommt aus Sicht der Stadt „nur in Betracht, wenn diese Wohngebietsentwicklung rechtssicher und ohne jede Beeinträchtigung der Entwicklungspotenziale Ihres Unternehmensstandorts in Hanau möglich ist“, versichert OB Claus Kaminsky (SPD) nun in einem Schreiben dem Leiter des benachbarten Goodyear-Werks, John Ries.

Die Nähe von Sportsfield zu dem Industrieunternehmen verhindert nach derzeitigem Stand die Ausweisung als Wohngebiet. Der wahrnehmbare Lärm und Geruch auf Sportsfield liegt zwar über den Werten der Immissionsschutzrichtlinien. Die Stadt hält die Belastung aber nicht für gesundheitsschädlich.

Obwohl auf der anderen Seite des Industriebetriebs seit Jahrzehnten Menschen wohnen, ist es nach derzeitigem Stand nicht rechtssicher möglich, für Sportsfield einen Bebauungsplan aufzustellen.

Baurechtlich ist das Areal wie ein Neubaugebiet zu bewerten – trotz der vorhandenen Wohnungen. Die Stadt hatte sich zuletzt für eine Modifizierung des Baurechts starkgemacht und eine Experimentierklausel vorgeschlagen.

Sie wolle aber „keine Planung verfolgen, die den rechtlich geschützten Interessen des Unternehmens zuwiderlaufe“, versichert OB Kaminsky in seinem Schreiben, das im Nachgang zu einem turnusmäßigen Treffen mit Vertretern des Reifenwerks herausging.

Der Stadt liege „die langfristige Sicherung des Goodyear-Standortes in Hanau am Herzen“ Gleichzeitig betont er aber auch: „Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf Sportsfield und der Erhalt der Arbeitsplätze bei Goodyear dürfen kein Widerspruch sein.“

Das Unternehmen hatte erst im vergangenen Jahr Investitionen von 73 Millionen Euro am Standort angekündigt. Dieser Erneuerungsprozess stärke die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und damit die Arbeitsplätze, so Kaminsky, zugleich profitiere das städtische Umfeld durch Verbesserungen hinsichtlich der Lärm-, Luft- und Geruchsbelastungen.

Mittlerweile sieht die Stadt in Sachen Wohngebietsausweisung das Land Hessen am Zug, nachdem das Bundesumweltministerium darauf hingewiesen hatte, dass es aus seiner Sicht möglich sei, auch im Rahmen der geltenden Regelungen des Immissionsschutzrechts zu einer Lösung für die weitere Nutzung der Wohngebäude in der Nähe der Industrieanlage zu kommen.

Mit der neuen Auslegung des Bundesumweltministeriums hatte sich die Stadt einmal mehr an den hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gewandt, mit dem Ziel, eine Regelung nach geltendem Recht herbeizuführen, die es möglich macht, die Häuser auch künftig für Wohnnutzung zu sichern.

Dabei geht es um 22 gut erhaltene Wohnblocks mit insgesamt 400 Wohnungen. Derzeit werden sie teilweise als Flüchtlingsunterkünfte genutzt. Seit dem Abzug der Amerikaner 2010 laufen Bemühungen für den Erhalt der Wohnblocks.

Hanau werde sich aber „nicht darauf einlassen, die erhoffte Entwicklung als Wohngebiet nur unter Dehnung rechtlicher Spielräume am Rande oder jenseits der Grenzen des Zulässigen durchzusetzen“, so Kaminsky in seinem Brief an die Goodyear-Manager.

Die Stadt habe die Absicht, „die seit Jahren bestehende kooperative Zusammenarbeit zur Sicherung und Entwicklung des Unternehmensstandorts fortzusetzen.“

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