Sprunghafte Mademoiselle

Zirkus Barelli gehört zu den letzten großen Traditionsunternehmen

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Kamel-Kind Mia zählt zu den Attraktionen des Zirkus’ Barelli, der sein Zelt auf dem Burggartengelände in Steinheim aufgeschlagen hat. Das Gastspiel dauert ab heute bis einschließlich Ostermontag.

Mia sieht irgendwie ungekämmt aus mit ihrem dünnen, wuscheligen Flaum. Sie blinzelt in die Sonne und wendet sich dann aber flugs wieder dem Heu zu. Mia ist erst dreieinhalb Monate alt und weicht ihrer Mutter Tamara kaum von der Seite.

Steinheim – Das kleine Kamel ist so etwas wie der Kinderstar im Zirkus Barelli, der ab heute imm Steinheimer Buggarten am Kreuzweg gastiert. Man kann Mia & Co. sogar beim Spaziergang im Burggarten nahe kommen, denn das Auslaufgehege der Trampeltiere steht am Gehweg in der Grünanlage. Daneben hat der in sechster Generation geführte Zirkus sein großes Viermastzelt aufgeschlagen, davor steht der 70 Jahre alte nostalgische Kassenwagen, dahinter sind die Wohnwagen der Artisten platziert.

Am Dienstag ist der Tross eingetroffen und begann sofort mit dem Aufbau. Gestern Mittag waren Techniker damit beschäftigt, die Lichttraversen über dem Managenrund zu installieren. „Der Zirkus hat zu kämpfen“, sagt Francesco Spindler von Barelli. Rund 6000 Euro pro Tag machen angeblich die Kosten für Artisten, Tierfutter, Standgebühren, Fuhrpark und Versicherungen aus. In Zeiten von Fernsehen und Internet hätten es selbst vergleichsweise große Unternehmen wie Barelli schwer. Der Zirkus gehört nach eigenen Angaben zu den letzten großen traditionellen Unternehmen in Deutschland, Krone zählt dazu, auch Probst oder Charles Knie.

Letzte Aufbauarbeiten liefen gestern Mittag im großen Viermastzelt. Heute Abend heißt es dann „Manege frei!“.

An seinem Stammsitz in Primasens hat Barelli die neue Saison eröffnet. „Dort lief es gut“, sagt Spindler. Steinheim ist die zweite Station einer Tournee, bei der Barelli insgesamt 40 Standorte anfahren wird. Mit 40 Personen – von Artisten bis zu Aufbauhelfern –, 30 Pferden, sechs Kamelen und zwei stattlichen Kühen ist Barelli in 20 Wagen und mit 70 Fahrzeugen unterwegs. Weil im Burggarten der Platz knapp ist, mussten die Lkw im Gewerbegebiet an der Otto-Hahn-Straße abgestellt werden.

Der Burggarten in Steinheim ist für Barelli ein neuer Spielort. „Wir sind sehr gespannt und hoffen auf viele Besucher“, sagt Francesco Spindler. Für Salima Folco, die bei Barelli unter anderem die Hohe Schule auf dem Pferd präsentiert, ist Steinheim so etwa wie ein Heimspiel. Folco ist die Enkeltochter des legendären Zirkuschefs Franz Althoff (1908-1987), der in Dörnigheim begraben ist. Auch etliche Familienmitglieder leben nach wie vor hier.

Zum zweistündigen Programm des Traditionszirkuses gehören auch Dressuren mit edlen Araber-Hengsten, Luftakrobatik oder der Auftritt von Mademoiselle Desirée mit atemberaubenden Sprüngen. In die großen Zeiten der Wassermanege entführt Miss Ramona, wenn sie zwischen Luft und Wasserbassin ihre Akrobatik zeigt. „Wasserfontänen, wie sie so in einem deutschen Zirkus zurzeit einmalig sind, umrahmen das Geschehen“, heißt es in der Ankündigung.

Eine afrikanische Akrobatikgruppe präsentiert eine Mischung aus Artistik und afrikanischer Kultur. Selbstverständlich kommt auch das Lachen nicht zu kurz. Clown und Comedian Timmy Barelli unterhält mit Musical-Clown-Entrées und tierischen Lach-Nummern. Mit dabei sind ferner ein oberbayerisches Kuhballett und ein gar nicht so dummer Esel. Musikalisch begleitet wird das Programm von einer Live-Combo.

Der Zirkus Barelli feiert heute Abend in Steinheim Premiere. Das Gastspiel dauert über Ostern bis zum 22. April.

VON CHRISTIAN SPINDLER

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