Fachtagung über Antisemitismus und Fremdenhass an Schulen

„Das wird nicht toleriert“

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Zahlreiche Schulleiter, aber auch Eltern- und Schülervertreter begrüßte Sylvia Ruppel, Leiterin des Staatlichen Schulamtes Main-Kinzig, bei der Fachtagung in der Eugen-Kaiser-Schule.

Hanau - Offener und versteckter Antisemitismus ist längst auch ein Thema an Schulen in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis.Doch wie diese Tendenzen im frühen Stadium erkennen, wie ihnen begegnen? Mit solchen Fragen beschäftigte sich eine Fachtagung des Staatlichen Schulamtes Main-Kinzig, die in der Eugen-Kaiser-Schule stattfand.  Von Dieter Kögel

Das Staatliche Schulamt Main-Kinzig gab Pädagogen, Eltern- und Schülervertretern aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis im Rahmen einer Tagung mit zahlreichen Fachvorträgen und Raum zur Diskussion in der Eugen-Kaiser-Schule Gelegenheit, sich eingehend dem Thema Antisemitismus an Schulen zu widmen. Denn „das Thema ist virulenter, als wir glauben, wenn wir nur genauer hinschauen“, erklärte Robert Schäfer, Präsident des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz. Er zählte zu den ausgewiesenen Fachleuten, die die Tagung mit ihren Vorträgen bereicherten.

Für Schäfer ist Antisemitismus „nicht nur eine Erscheinungsform, die am extremen Rand der Gesellschaft ausgeprägt ist“. Antisemitismus und Fremdenhass sei weit in die Gesellschaft hinein anzutreffen. Deshalb gelte es, „das Bewusstsein zu schärfen für die vielen subtilen Formen“ von Fremdenhass und Antisemitismus.

Im Landesamt für Verfassungsschutz wurde bereits 2016 eine Analysestelle geschaffen, die sich wissenschaftlich mit Fragen des Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit befasst. Das hessische Landesamt sei die bundesweit erste Verfassungsschutzbehörde mit einer eigenen Analysestelle zu diesem Thema.

In einer Studie im Auftrag der Analysestelle hat Dr. Ann-Christin Wegener erstmals wissenschaftlich aufgezeigt, wie sich der Antisemitismus in den vergangenen Jahren entwickelt hat, und wie sich der rechtsextrem motivierte Antisemitismus zum Antisemitismus aus dem muslimischen Lager verhält. Letzterer nämlich, so die Ergebnisse der Studie, habe an Bedeutung gewonnen, und halte sich inzwischen mit dem rechtsextrem ideologisch begründeten Antisemitismus die Waage - zumindest was die Kommentare in den sozialen Netzwerken angehe.

Für ihre Studie hatte Dr. Wegener rund 7 000 Kommentare auf den Netzwerkseiten von BILD, Facebook bis hin zu Youtube gesichtet, wie sie berichtete. Rund 600 davon seien eindeutig von antisemitischen Inhalten geprägt gewesen. Und egal ob rechtsmotiviert oder religiös, „es ist beides gleichermaßen ein Problem.“Es gehe darum, „Antisemitismus im Keim zu ersticken,“ meint auch der Hessische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Mathias Samson. Denn Antisemitismus gebe es ganz offensichtlich in einem „größeren Ausmaß, als Sie und ich es geglaubt haben.“ Dabei stehe Antisemitismus für alles, „was Deutschland nicht sein will und nie wieder sein darf“, sagte der Staatssekretär.

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Gerade bei der Prävention spielen auch die Schulen eine entscheidende Rolle. „Wenn Lehrerinnen und Lehrer geschult sind im Umgang mit antisemitischen Haltungen und Handlungen, können sie uns effektiv im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung unterstützen,“ zeigte sich Samson überzeugt.„Antisemitismus geht nicht. Antisemitismus wird nicht toleriert“, sagte denn auch Schulamtsleiterin Sylvia Ruppel. Sich ihm auf allen gesellschaftlichen Ebenen entgegnzustellen, sei eine notwendige „Aufgabe in einer offenen, demokratischen Gesellschaft.“ Wichtig dabei sei es, auch die subtilen Formen des Antisemitismus und Fremdenhasses zu erkennen, „von der Vorschule bis Abitur.“ Einen Handlungsrahmen dafür skizzierte Dr. Türkan Kanabicak vom Pädagogischen Zentrum Frankfurt des Fritz Bauer Institutes und des Jüdischen Museums.

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