Klimaschutz fängt im eigenen Haus an

Stadt Hanau kämpft gegen die "Gärten des Grauens"

Hanau - Wer einen Streifzug durch Hanaus Neubausiedlungen unternimmt, benötigt nicht lange, um sie zu erspähen: die "Gärten des Grauens" – so zumindest nennt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die vorwiegend aus Steinen bestehenden Vorgärten mancher Wohnhäuser.

Diesen den Kampf anzusagen, ist - unter anderem - ein erklärtes Ziel des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Hanau. Der Magistrat will das im Jahr 2013 beschlossene Konzept fortführen. Während sich die Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz derzeit mit den globalen Maßnahmen beschäftigt, denkt auch die Stadt Hanau an die Zukunft und an das, was zu tun ist, um „eines der größten Probleme dieses Jahrhunderts in den Griff zu bekommen - frei nach dem Motto „global denken, lokal handeln“, wie es Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) ausdrückte.

Umsetzen soll dies der neue Klimaschutzmanager Sebastian Nellies. „Wir wollen die Bürger mit eingehender Beratung davon überzeugen, beispielsweise diese steinernen Vorgärten zu entsiegeln“, sagt der 26-jährige Hanauer. Denn Steinwüsten könnten weder Stickoxide binden, noch sorgten sie für die nötige Abkühlung im Sommer. Dafür brauche es mehr Grün auch in den privaten Gärten. Mit einer sogenannten Entsiegelungskampangne, die im kommenden Jahr gestartet wird, will die Stadt gegen Hitzeinseln vorgehen, die durch zu viel Asphalt entstünden. Solche Flächen sollen möglichst entsiegelt werden. Entsiegelung könne auch dazu beitragen, dass sich Extremwetterlagen mit Starkregen nicht so stark auf die Bevölkerung auswirken. Denn Regen, der versickern kann, dringt nicht noch zusätzlich ins bei extremen Wetterlagen ohnehin mitunter überlastete Kanalsystem. Und nicht zuletzt werde die Aufenthaltsqualität gefördert.

Biblische Gewächse für den Garten

Zusätzlich gebe es aber auch einen finanziellen Anreiz zur Entsiegelung, da sich die Hanauer Abwassergebühr nach der versiegelten Fläche richtet. Auch asphaltierte Hinterhöfe von Altbauten sollen aufgespürt und umgemodelt werden, die Bürger sollen zur Begrünung ihrer Dächer - wie auf dem Dach des Rathauses oder des Forums - angeregt werden und auch dazu, sich eine Fotovoltaikanlage aufs Dach zu bauen. „Das rechnet sich nach spätestens zehn Jahren“, verspricht Anja Zeller, Leiterin der Stabsstelle Nachhaltige Strategien. Man könne nicht nur Stromkosten sparen, sondern vor allem seinen Strom auch selber generieren.

Teil des Hanauer Klimaschutzkonzeptes ist auch die kostenfreie Energieberatung, die derzeit montags von 14 bis 18 Uhr im Forum Hanau stattfindet. Sie soll nun auch auf die Stadtteile ausgeweitet werden.

Zudem soll die erfolgreiche Wärmebildaktion fortgesetzt werden. Hier kommt ein Experte zu den Bürgern und spürt per Wärmebildkamera die Stellen im Haus auf, an welchen die meiste Energie verloren geht. In Fortbildungsveranstaltungen für die Baubranche werden zudem Bauherren, Architekten und Handwerker über klimafreundliche Bauweise geschult.

„In Sachen Klimaschutz brauchen wir einen langen Atem. Vieles ist nicht von heute auf morgen umzusetzen und bedarf Überzeugungsarbeit“, weiß Nellies. Als Hanaus neuer Klimamanager besetzt der 26-jährige, der im Januar sein Studium der Humangeografie in Frankfurt mit dem Bachelor of Arts abschließt, eine Stelle, die zwei Jahre lang mit 56 Prozent vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Doch auch nach Ablauf dieser Zeit soll die Stelle erhalten bleiben, hieß es. (kb)

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa

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