Keine Erde mehr für Hobbygärtner

Stadt streicht kostenlosen Service der Kompostieranlage Klein-Auheim

Abgesperrt sind die Haufen mit Komposterde, die unter den Dächern der Anlage in Klein-Auheim lagern. Dort darf man nun keine Erde mehr mitnehmen.
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Abgesperrt sind die Haufen mit Komposterde, die unter den Dächern der Anlage in Klein-Auheim lagern. Dort darf man nun keine Erde mehr mitnehmen.

Es gibt keine Erde mehr. Was absolut klingt, ist es für Gartenbesitzer auch. Zumindest für diejenigen, die sich gerne mit Komoposterde eingedeckt haben, die in der Grünabfallsammelstelle bzw. der Kompostieranlage an der Klein-Auheimer Fasaneriestraße zu haben war. Damit ist seit Kurzem Schluss.

Hanau/Klein-Auheim - Was seit Einführung der Corona-Regelungen gilt, hat weiter Bestand: Man darf keine Komposterde von den großen Mieten unter dem Klein-Auheimer Anlagendach mehr mitnehmen. Der Grund: Eine notwendige Zertifizierung fehlt, die die Hygiene bescheinigt. Und diese Zertifizierung zu bekommnen, wäre reichlich teuer.

Die Kompostieranlage an der Fasaneriestraße war 2008 in Betrieb genommen worden. Seither konnten Hanauer Bürger dort nicht nur Gartenabfälle abliefern, sondern auch Komposterde mitnehmen - kostenlos: Einfach mit dem Auto an den Komposterde-Berg heranfahren und sich bedienen. Die Mengen wurden in der Praxis nicht überwacht. Die Zusatzleistung der Stadt bzw. ihres Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS) wurde darum nicht nur gerne, sondern oft auch in großem Stil genutzt. Mitunter waren Leute zu beobachten, die ganze Anhängerladungen Erde wegkarrten.

Eigentlich hätte es für die Ausgabe der Komposterde auch bislang schon eines Zertifizierungsprozesses bedurft, heißt es von HIS auf Anfrage unserer Zeitung. Diese Zertifizierung hätte unterschiedliche Hygiene- und Prüfungsverfahren umfasst, um die Unbedenklichkeit der Komposterde zu bescheinigen.

Nachdem es Überlegungen gab, im Zuge der Corona-Lockerungen auch wieder Komposterde in Klein-Auheim auszugeben, sei „der gesamte Prozess einer Überprüfung unterzogen worden“, sagt ein HIS-Sprecher. Ergebnis: Es wurde entschieden, ohne Zertifizierung keine Kleinmengen mehr als die Bürger abzugeben.

Ob sich HIS in Zukunft um die Zertifizierung bemühen werde, sei „noch nicht abschließend geklärt“. Es ist aber offenkundig unwahrscheinlich. Denn das wäre aufwendig und teuer. Die Kosten für Verfahren, Inbetriebnahme und regelmäßige Überprüfungen der Qualität der Komposterde liegt laut HIS „einmalig im unteren fünfstelligen Bereich“. Dazu kommen angeblich jährliche Folgekosten von 5000 Euro sowie zusätzliche Personalkosten von 25000 Euro.

Für eine Zertifizierung der Klein-Auheimer Komposterde wäre unter anderem die Mitgliedschaft bei der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. oder dem Verband Gütegemeinschaft Kompost Region Südwest e.V die Voraussetzung, heißt es, dazu ein Anerkennungsverfahren, vier jährliche Prüfungen von Hygiene und auf Schadstoffe sowie zusätzliches Personal, um die Qualität nach den Vorgaben der Genehmigung nach dem Bundesimissionsschutzgesetz (BImSchG) zu erfüllen.

Jährlich fallen in der Klein-Auheimer Kompostieranlage im Schnitt 120 Tonnen so genannter Reifekompost an, der aus Hanauer Grünabfällen entsteht. HIS verwendet die Komposterde in öffentlichen Grünanlage oder Parks gemischt mit Oberboden oder direkt zur Bodenverbesserung bei Pflanzungen, aber auch, um intensiv genutzte Rasenfläche zu verbessern. Für private Gärten ist sie ab sofort tabu.

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