Stadt Hanau verbessert Hochwasserschutz

Lehren aus Überflutung gezogen

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Das Drosselbauwerk an der alten Kläranlage, das Michael Ruess von HIS hier begutachtet, lässt bei Starkregen Wasser kontrolliert in Richtung Hanau abfließen.

Mittelbuchen - Gräbenstraße, Riedstraße, Am Wasserloch, Wassergartenstraße - schon diese Straßennamen zeugen davon, dass in Mittelbuchen das Grundwasser zum Teil ziemlich hoch steht.

Das bedeutet: Vorkehrungen gegen Überflutungen sind hier intensiver zu treffen als anderorts - für private Hauseigner genauso wie für die Stadt. Noch gut in Erinnerung sind die Überflutungen im Stadtteil im Juni diesen Jahres, die allerdings eher auf die ungewöhnlich hohen Regenmengen als auf den hohen Grundwasserstand zurück zu führen waren. „Der städtische Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) hat für die Entwässerung Mittelbuchens schon eine Menge getan“, versicherte der zuständige Stadtrat Andreas Kowol. Dies gelte sowohl für die Zeit vor dem Unwetter im vergangenen Sommer als auch aktuell. Bei einem Ortstermin wurden nun die Maßnahmen erläutert.

In der Oberdorfelder Straße hatte sich im Juni das meiste Regenwasser gesammelt. Von dort aus, auf der Anhöhe des Stadtteils gelegen, hatte sich das Wasser blitzschnell über die Straßen und Gräben bis zum südlichen Ortseingang ergossen. Dort, in Höhe der Mehrzweckhalle, vereinigen sich zwei alte Gewässerleitungen, die aus dem Nordwesten und dem Nordosten Mittelbuchens unterirdisch durch den Stadtteil verlaufen. Von der Mündung dieser beiden Leitungen aus drückte die große Wassermenge auf die Kesselstädter Straße (Landesstraße 3008) sowie über einen Graben in die Freifläche der städtischen Kindertagesstätte und in Nachbarkeller.

Als Reaktion auf die Überflutung baute HIS inzwischen einen Hochwasserdamm aus stark lehmhaltiger Erde entlang der Kita-Außenanlage. Darüber hinaus entfernte man im Graben entlang der L3008 zwei Verrohrungen, die den Abfluss behinderten. Im Verlauf der Gewässerverrohrungen installierte HIS Am Simmichborn in Höhe der Kegelbahn ein Einlaufbauwerk mit Rechen, der Treibgut zurückhält. In der Kilianstädter Straße stellte HIS einen unterspülten Gehweg über einer Grabenverrohrung wieder her und reparierte Rohre punktuell. Diese Arbeiten schlugen mit rund 27.000 Euro zu Buche.

Den größten Aufwand mit zusammen 20.000 Euro leistete der Eigenbetrieb an der Oberdorfelder Straße. Dort pflasterte er an zwei Stellen Grabensohle und -böschung auf, um Stabilität zu schaffen und ein Überlaufen auf die Straße zu erschweren. Er stellte darüber hinaus eine unterspülte Grabenböschung wieder her. Ein zusätzlicher großer Einlauf an der Ecke Oberdorfelder Straße/Höhenstraße soll die Oberflächenentwässerung verbessern. An dieser Stelle sorgt ein neu eingebauter Rechen auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu den Feldern hin dafür, dass Treibgut die Rohre nicht verstopfen kann.

„Ob der Bolzplatz bei Starkregen als Überflutungsfläche in Frage kommt, lassen wir derzeit prüfen“, erläuterte Betriebsleiter Markus Henrich. HIS überlegt auch, ob an diesem neuralgischen Grabenstück in Richtung Bolzplatz ein Damm aufgeschüttet wird wie an der Kita-Südseite. Geplant sei für 2017 auch, den früher vorhandenen Graben in der Nähe der Kita und in Richtung Sportgelände und Wiesen wiederherzustellen, um Ausdehnflächen für große Regenwassermengen zu gewinnen.

Hochwasser in Deutschland

Befürchtungen, das geplante Neubaugebiet im Mittelbücher Nordwesten werde die Hochwassergefahr erhöhen, hält Henrich für unbegründet, „da das entsprechende Entwässerungskonzept des Vorhabenträgers stimmig ist“. Das wird auch Thema sein bei der Bürgerversammlung zum Neubaugebiet am Dienstag, 29. November, ab 19 Uhr in der Mehrzweckhalle Mittelbuchen.

Bereits in der Vergangenheit habe HIS viel in den Hochwasserschutz für Mittelbuchen investiert. Dazu gehörten ein Regenrückhaltebecken am Lausgarten und Retentionsmulden in unmittelbarer Nähe. Ebenfalls im Süden des Stadtteils befindet sich ein modernisiertes Drosselbauwerk an der alten Kläranlage. Mit dessen Hilfe kann Regenwasser kontrolliert über eine Leitung Richtung Hanau abfließen. Es wird per Kamera fernüberwacht und hat eine elektronische Steuerung. Samt umgebauter Verrohrungen an der Riedstraße wurden hier allein rund 800.000 Euro investiert.

Auf dem Gelände der alten Kläranlage hat HIS eine Niederschlags-Messanlage eingebaut. Diese Messstelle zeigte im Juni 2016 an, dass zu diesem Zeitpunkt bereits 450 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter zu verzeichnen waren. „Das war Mitte 2016 schon so viel wie im gesamten Vorjahr“, betont Henrich. Allein rund ein Sechstel davon ging nieder am 12. Juni 2016, dem „Mittelbücher Fluttag“. (did)

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