Skulptur

Stadt und Amnesty International enthüllen „offenes Buch“ am Freiheitsplatz

Sichtbares Bekenntnis: Markus N. Beeko, der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, und Oberbürgermeister Claus Kaminsky enthüllten die knapp drei Meter hohe Skulptur in Form eines begehbaren Buches, das den Text der Menschenrechtserklärung enthält.
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Sichtbares Bekenntnis: Markus N. Beeko, der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, und Oberbürgermeister Claus Kaminsky enthüllten die knapp drei Meter hohe Skulptur in Form eines begehbaren Buches, das den Text der Menschenrechtserklärung enthält.

Die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Seit gestern sind sie wie in einem offenen Buch am Freiheitsplatz zu lesen. Markus N. Beeko, der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky enthüllten eine knapp drei Meter hohe Skulptur in Form eines begehbaren Buches, das den Text der Menschenrechtserklärung enthält.

Hanau - „Ab heute stehen die 30 Artikel der Menschenrechte als ein deutlich sichtbares Bekenntnis zu einem gemeinschaftlichen Miteinander und als ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung im Zentrum der Brüder-Grimm-Stadt“, sagte Beeko anlässlich der Enthüllung. „Die Skulptur steht auch zum Gedenken an die Opfer des rechtsextremen Terrorakts vom 19. Februar dieses Jahres, und an alle anderen Opfer rassistischer Gewalt der letzten Jahrzehnte“, ergänzte der Amnesty-Generalsekretär.

„Es ist für uns alle ein hartes Jahr“, meinte Kaminsky, der gemeinsam mit der Ersten Politikerin der Stadt, Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, und Beeko die Zeremonie vor der Mobilitätszentrale des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) am Freiheitsplatz vollzog. „Aber für die Bürger Hanaus, und insbesondere für die Angehörigen der Menschen, die bei den Schüssen des 19. Februar ums Leben kamen, ist dieses Jahr noch einmal ein ganzes Stück schwieriger“, fuhr der OB fort.

„Dass wir an jenem Abend im Februar den schrecklichsten Tag in der Geschichte Hanaus in Friedenszeiten erleben mussten, das steckt dieser Stadtgesellschaft bis heute tief in den Knochen. Dies ist dennoch nicht im Ansatz vergleichbar mit dem Schmerz, den die Angehörigen der Opfer bis zu dieser Sekunde empfinden“, drückte Kaminsky nochmals seine Anteilnahme mit den Opferfamilien im Namen aller Hanauer aus. Er kündigte an, ab dem Jahr 2021 jenen 19. Februar zu einem Gedenktag der Stadt Hanau zu machen.

„Es wird kein Tag im Leben der Angehörigen mehr vergehen, wo sie nicht über die Ermordung ihrer Töchter, ihrer Söhne, ihrer Geschwister nachdenken, und sei es nur einen Moment“, machte das Stadtoberhaupt die Trauerarbeit der Familien deutlich. „Täglich werden rassistische Straftaten verübt. Menschen müssen Angst haben, nur weil sie einer bestimmten Personengruppe zugerechnet werden. Der Schutz vor rassistischer Gewalt ist ein Menschenrecht und eine Aufgabe der inneren Sicherheit. Hier bleiben Polizei, Justiz und Sicherheitsbehörden gefragt, auch im kritischen Blick nach innen. Hanau, Halle, die Opfer des NSU, der Mord an Walter Lübcke, die vielen Opfer rassistischer Gewalt der letzten Jahre – sie nehmen uns alle in die Pflicht“, mahnte Beeko.

Die Veranstaltung fand unter strengen Corona-Sicherheitsaspekten statt, eine größere Menschenmenge war nicht zugelassen. Umso stärker war das mediale Interesse, so gut wie alle regionalen Zeitungen und TV-Sender waren vor Ort.

Als öffentliches Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt und in schmerzlichem Gedenken an die neun aus rassistischen Motiven in Hanau ermordeten Menschen – Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçglu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov – sehen Kaminsky und Beeko die übergroße Ausgabe der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sie gedachten auch der Opfer der jüngsten Anschläge in Frankreich, unter anderem dem Lehrer Samuel Paty in der Hanauer Partnerstadt Conflans-Sainte-Honorine.

Die Installation selbst wurde von der Hanauer Amnesty-Gruppe initiiert. Seit 50 Jahren setzen sich deren Mitglieder für die Menschenrechte ein. Zu ihrem Gruppenjubiläum arbeiteten die ehrenamtlich Aktiven eng mit der Stadt Hanau zusammen. „Gegen die rassistische Tat wollen wir eine positive Vision von einem friedlichen und solidarischen Zusammenleben setzen – für diese Stadt und mit den Menschen in dieser Stadt“, sagt Ulrich Kabatek, Sprecher der Hanauer Amnesty-Gruppe.

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