Ablehnung des Lärmpausen-Modells

„Es muss erträglich bleiben“

Hanau - Die Stadtverordnetenversammlung hat sich gegen den Probebetrieb für das so genannte Lärmpausen-Modell am Frankfurter Flughafen ausgesprochen. Weite Teile Hanaus werden bei dem Modell mehr mit Fluglärm belastet. Von Christian Spindler 

Die vom hessischen Umweltminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vorgeschlagene Lärmpausen-Regelung, für die zuvor unzählige Modelle erstellt und nach langer Beratung nun eines in den Probebetrieb gehen soll, sei „Augenwischerei“ und eine „Mogelpackung“, schimpfte Jochen Dohn (Alternative Linke Fraktion) am Montagabend bei der Sitzung des Stadtparlaments. Zwar werde rund um den Frankfurter Flughafen die ein oder andere Stadt entlastet, gleichzeitig würden tausende andere Menschen aber mehr Fluglärm ausgesetzt. Dohn: „Da werden Kommunen gegeneinander ausgespielt.“

Während Grünen-Fraktionschef Kamil Kasalak die Bemühungen seines Parteifreundes Al-Wazir zur Fluglärmreduzierung verteidigte, konstatierte der Hanauer Umweltdezernent Andreas Kowol, ebenfalls ein Grüner, dass das Lärmpausen-Modell, das am 23. April in den Probebetrieb gehen soll, „nicht das ist, was die Region erwartet hat“. Für das Hanauer Stadtgebiet bringe es morgens zwischen 5 und 6 Uhr „gar keine Entlastung“. Im Schnitt gibt es tagtäglich während dieser Stunde 25 Landeanflüge über Hanau. Und das mitunter gar schon vor dem frühesten erlaubten Landezeitpunkt um 5 Uhr, weil die Maschinen oft schon ab 4.30 Uhr übers Kinzigtal eindrehten.

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Abends ergebe sich mit dem Lärmpausen-Modell, bei dem abwechselnd nur jeweils eine Landebahn benutzt wird, zwar für Kesselstadt, Innenstadt und Lamboy zwischen 22 und 23 Uhr eine leichte Entlastung. Dafür müssten die Bürger in den südlichen Stadtteilen aber viel mehr Fluglärm verkraften. Zwischen 22 und 23 Uhr wird es im Schnitt über Steinheim elf Landeanflüge geben; bisher sind es sechs. Das Lärmpausen-Modell werde den Erwartungen der Bürger in der Brüder-Grimm-Stadt nicht gerecht, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). „Es hat einen Vertrauensverlust ausgelöst.“

Nach dem Main-Kinzig-Kreistag lehnt auch die Hanauer Stadtverordnetenversammlung den Probebetrieb des Lärmpausen-Modells ab. Lediglich die drei FDP-Parlamentarier und die zwei Republikaner stimmten in diesem Punkt nicht mit der großen Mehrheit von SPD, CDU, Grünen, BfH und Linken. FDP-Fraktionsschef Thomas Morlock würdigte den Versuch des Umweltministers, das Fluglärmthema anzugehen, darum sollte man das Modell auch ausprobieren.

100. Montags-Demo im Flughafen

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Dass auch die Brüder-Grimm-Stadt vom Flughafen profitiert, hoben neben Morlock auch der CDU-Stadtverordnete Tom Zeller sowie OB Claus Kaminsky hervor. Das Modell sei aber „keine gerechte Lösung“, so Zeller. Es müsse bei aller wirtschaftlicher Bedeutung des Flughafens darauf geachtet werden, so Kaminsky, „dass die Belastungen von den Bürgern als erträglich wahrgenommen werden.“ Hanau und der Main-Kinzig-Kreis fordern seit langem unter anderem ein striktes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Die Auswirkungen des Lärmpausen-Modells auf Hanau sollen demnächst in einer öffentlichen Ausschusssitzung erläutert werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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