500 Millionen Euro sollen investiert werden

Stadtteil Pioneer Park: Wichtige Fragen und Antworten

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Die markante fächerförmige Bebauung des Pioneer-Geländes bleibt erhalten, wenn zwischen Aschaffenburger Straße und Bulau ein neuer Stadtteil für bis zu 5000 Menschen entsteht. In die Bulau, einem geschützten FFH-Gebiet, soll es nur zwei Wegeverbindungen geben.

Hanau - Zehn Experten traten bei der jüngsten Sitzung des parlamentarischen Struktur- und Umweltausschusses und des Ortsbeirats Großauheim/Wolfgang auf, um den aktuellen Stand der Planungen für das größte Wohnbauprojekt der Hanauer Nachkriegsgeschichte zu erläutern: Den Pioneer Park auf dem Gelände der früheren US-Kaserne. Von Christian Spindler

Dort entsteht in den nächsten Jahren ein neuer Stadtteil. Ein Projekt, das dem „Innenstadt-Umbau in der Bedeutung in nichts nachsteht“, meint OB Claus Kaminsky.

Was wird gebaut?

Insgesamt sollen nun 1600 Wohneinheiten entstehen - in sanierten Wohnblocks sowie in neu gebauten Mehrfamilien- sowie in Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern. Anfangs war von 700 Wohneinheiten die Rede, später von 1500, zuletzt wurde nochmals „nachverdichtet“.

Wie groß ist das Areal?

Gut 52 Hektar, das entspricht 70 Fußballfeldern. 4000 bis 5000 Menschen sollen im Pioneer Park wohnen. Das sind mehr als im Stadtteil Mittelbuchen. Wolfgang wird seine Einwohnerzahl damit verdoppeln.

Wer realisiert das Vorhaben?

Die städtische Bauprojekt Hanau GmbH hat mit der DSK-BIG-Gruppe die Entwicklungsgesellschaft LEG Hessen Hanau gegründet. Diese verkauft Einzelflächen an Bauträger und an private Bauherren. 60 Prozent der für Bauträger vorgesehenen Flächen seien bereits verkauft, so die LEG. Bei vielen anderen stünden Abschlüsse bevor. Grundstücke für private Bauherren sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2018 vermarktet werden.

Wir groß sind die Gesamtinvestitionen?

Laut OB Kaminsky prognostiziert die LEG rund 500 Millionen Euro, die insgesamt im Pioneer Park investiert werden. Das entspricht in etwa den Privatinvestitionen beim Innenstadt-Umbau, zu dem unter anderem der Bau des Einkaufszentrums Forum Hanau am Freiheitsplatz gehörte.

Was sind „Urbane Gebiete“, die im Pioneer Park entstehen sollen?

Das Baurecht ermöglicht, solche Gebiete auszuweisen, in denen neben Wohnen auch eine gewerbliche Nutzung möglich ist. Im Pioneer Park ist das zum Beispiel rund um das ehemalige Offizierskasino vorgesehen, in dem ein großes Lokal nebst Biergarten entstehen soll.

Was wird aus der früheren US-Kirche?

Sie wird erhalten. Das Gebäude und das Areal drumherum könnten für ein Genossenschaftsmodell genutzt werden, die Grundstücke dafür in Erbbaupacht vergeben werden. Dort könnten sich „gemeinnützige Organisationen etablieren“, sagt Stadtentwickler Martin Bieberle.

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Wie sieht es mit den Grün-Planungen und dem Tierschutz aus?

Der „grüne Charakter des Geländes wird erhalten bleiben“, sagt Landschaftsarchitekt Ralf Habermann. Wichtigste Elemente sind der „Grüne Bogen“, der sich zur Bulau hin um den Pioneer Park spannt, eine „Grüne Mitte“ sowie drei Grünachsen in der Fächerform der Bebauung. Für Fledermäuse, Mauersegler und Eidechsen sollen Ersatzlebensräume geschaffen werden, Eidechsen will man zum Teil umsiedeln.

Was ist beim Thema Verkehr und Parken vorgesehen?

Der Pioneer Park soll zum einen mit innovativen Mobilitätsmodellen aufwarten, dazu gehören, wie berichtet, Carsharing mit E-Auto, Leih-E-Fahrräder oder Lasterräder. Auf der Ost- und Westseite des Quartiers sind zwei Parkhäuser mit insgesamt 600 Stellplätzen geplant. Für das Parkhaus West müssen bis zu 20 Kleingärten weichen. Deren Nutzer sollen entschädigt werden und „Alternativangebote bekommen“ (Bieberle). Außerdem wird es ebenerdige Parkplätze im Quartier geben, Tiefgaragen und Stellplätze an den Straßen. Insgesamt sollen es 2700 werden.

Wie ist es um den Lärmschutz bestellt?

Bei der Triangle Housing wird es zur B43a hin eine Lärmschutzwand geben. Eine Überschreitung der Grenzwerte sei an manchen Stellen des Pioneer Parks nicht ganz auszuschließen, sagen die Fachleute. „Das liegt vor allem daran, dass die Grenzwerte für den Gewerbelärm deutlich unter jenen für den Verkehrslärm liegen“, erklärte Bieberle. Die geringfügigen Grenzwertüberschreitungen in kleinen Teilen des Geländes seien im Rahmen des Abwägungsprozesses aber hinnehmbar.

Was ist mit Altlasten?

An zwei Stellen wurden Belastungen des Grundwassers mit Leichtflüchtigen Chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) festgestellt. Die Bereiche müssen saniert werden. Zum Teil sind auch Bodensanierungen notwendig, erklärt Dieter Zuth vom Umwelt- und Naturschutz der Stadt. Gutachter kommen gleichwohl zum Ergebnis, dass das Areal nach den Sanierungsmaßnahmen „uneingeschränkt nutzbar“ ist.

Pioneer-Kaserne: Blick hinter die Zäune

Wie steht es um Geruchsbelästigungen, die vom nahen Dunlop-Werk ausgehen?

Man befinde sich mit dem Unternehmen in einem konstruktiven Austausch, wird von allen Seiten betont. Zum einen wurden die Pioneer-Planung so modifiziert, dass der westliche Teil der US-Wohnblocks an der Aschaffenburger Straße wegen der Nähe zum Industriebetrieb nicht für Wohnen, sondern für Gewerbe genutzt werden soll. Zum anderen werde Dunlop verschiedene Maßnahme ergreifen, um die Immissionen zu reduzieren, heißt es.

Was ist in Sachen Energieversorgung geplant?

Der Strom für den Pioneer Park soll je zur Hälfte vor Ort bzw. klimaneutral produziert werden. Geprüft wird derzeit, ob Freiflächen in der Nähe für große Fotovoltaik-Anlagen genutzt werden können, so Stadtwerke-Chef Steffen Maiwald. Zur Wärmegewinnung ist ein Technologiemix aus Blockheizkraftwerk, Wärmepumpen und Speichern vorgesehen. Eine mit viel Glas architektonisch ansprechende gestaltete Energiezentrale, die man laut Maiwald nachts zum Leuchten bringen will, soll zeigen, „dass es im Pioneer Park ein innovatives Konzept gibt“.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Das Stadtparlament soll im August der Offenlage des Bebauungsplans zustimmen - ein weiterer wichtiger baurechtlicher Schritt. Ende des Jahres soll der Satzungsbeschluss folgen, damit im Anschluss mit den Hochbauarbeiten begonnen werden kann. Die ersten sanierten Wohnungen auf Triangle Housing sollen nächstes Jahr bezugsfertig sein, die ersten Häuser im Pioneer Park dann 2020.

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