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Stadtteilentwicklungsprozess Mittelbuchen soll noch diesen Sommer starten

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Von: Kerstin Biehl

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Der Stadtteil Mittelbuchen ist in den vergangenen Jahren um fast 19 Prozent gewachsen – jetzt muss die Infrastruktur dringend angepasst werden. archiv
Der Stadtteil Mittelbuchen ist in den vergangenen Jahren um fast 19 Prozent gewachsen – jetzt muss die Infrastruktur dringend angepasst werden. archiv © Axel Häsler

„Unser Stadtteil befindet sich in einem Trading-Down-Prozess“, hat es Mittelbuchens Ortsvorsteherin Caroline Geier-Roth (SPD) am Mittwochabend auf den Punkt gebracht. Mit dem Begriff Trading-Down zeichnet Geier-Roth den Entwicklungstrend im Hanauer Stadtteil nach. Und der geht deutlich bergab – obwohl die Einwohnerzahl steigt. Keine Bank mehr, nicht einmal mehr ein Geldautomat, ein geschlossener Stadtteilladen, keine Jugendarbeit sowie die Schließung von Geschäften und der Wegfall von Dienstleitungen.

Hanau - Das Ganze obendrein verschlimmert durch die Pandemie. „Bei uns in Mittelbuchen ist es nicht fünf vor 12, sondern Viertel nach 12“, sagte Geier-Roth auf der Ortsbeiratssitzung.

Abhilfe schaffen soll ein Stadtteilentwicklungsprozess. In anderen Hanauer Stadtteilen laufen diese Prozesse bereits, in manchen seit vielen Jahren. So wurde damit in Kesselstadt bereits 2013 gestartet, in Großauheim 2014, in Steinheim in 2016 und in Klein-Auheim in 2017.

Die Idee des Ortsbeirats Mittelbuchen ist folgende: Initiiert durch die Verwaltung und unter Einbeziehung des Ortsbeirates sowie weiterer gesellschaftlich relevanter Gruppen aus dem Stadtteil und externer fachlicher Begleitung soll mithilfe von Fördergeldern eine positive Entwicklung Mittelbuchens erarbeitet, geplant und schließlich umgesetzt werden.

Dafür soll auch die Stadt Gelder geben, in Höhe von 20 000 Euro. Ein entsprechender Antrag wurde am Mittwochabend einstimmig auf den Weg gebracht.

Zum Hintergrund: Hanaus kleinster Stadtteil ist in den vergangenen zehn Jahren um fast 19 Prozent gewachsen. „Die Entwicklung der notwendigen Infrastruktur, wie Angebote für Kinder, Jugend, Familien, Senioren, sowie Verkehr, Gewerbe und Einkaufen, hat allerdings mit der rasanten Bevölkerungsentwicklung nicht Schritt gehalten“, sagt der Ortsbeirat. Im Gegenteil seien wichtige soziale und gemeinschaftliche Anker weggefallen.

„Wir müssen ihn wieder aufbauen, unseren Stadtteil. Wir sind schon ganz unten, wir können nicht noch länger warten“, untermauerte Birgit Mutz, die für die MAL im Ortsbeirat sitzt, die Wichtigkeit eines schnellen Handelns. Doch allein mit städtischem Personal aus dem Bereich der Stadtteilentwicklung könnten die umfangreichen Teilschritte eines konstruktiven Stadtteilentwicklungsprozesses nicht umgesetzt werden. Vielmehr ist es nach Meinung des Ortsbeirats erforderlich, externe Experten einzubeziehen. Ortsvorsteherin Geier-Roth nennt hier als Beispiel die Stadtentwickler der Beratungsfirma Cima, die für Hanau unter anderem schon ein Einzelhandelsentwicklungskonzept entwickelt hat. Möglich seien aber auch andere Akteure aus dem Bereich des umfassenden Stadtmarketings, der Stadtplanung und Stadtentwicklung.

Ein erster Schritt, den Startschuss quasi, soll ein Runder Tisch markieren, der noch für diesen Sommer geplant ist. Ortsbeirat, Vertreter der Vereinsgemeinschaft, der Kirchengemeinde und anderer relevanter Akteure der Stadtteilgemeinschaft, wie Vertreter der neuen Initiative „Wir für Mittelbuchen“ sollen dort zusammenkommen. Mit dabei sein werden außerdem Mitarbeiter der Stabsstelle Stadtteilentwicklung wie Leiterin Claudia Häring. Die entsprechenden Sitzungen, Planungen und Ergebnisfindung sollen durch hauptamtliche Kräfte wie sie und externe Berater – so denn die finanziellen Mittel bewilligt werden – begleitet werden.

Ziel ist nach Wunsch des Ortsbeirats eine umfassende Potenzialanalyse, eine Stärken- und Schwächenanalyse des Stadtteils, eine bürgerorientierte Umfrageaktion sowie die Ausarbeitung eines Leitbildes, einer Zielkonstellation 2024 und die Eruierung und Beantragung etwaiger weiterer Fördergelder von Land und Bund für die Umsetzung von Maßnahmen und Projekten zur nachhaltigen Förderung des Stadtteils.

Von Kerstin Biehl

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