Stadtwerke erstmals mit Verlust

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Für das Geschäftsjahr 2009 weisen die Stadtwerke erstmals einen Verlust aus, laut aktueller Hochrechung gut 300.000 Euro.

Hanau ‐ Der einstige Geldbringer der städtischen BeteiligungsHolding Hanau GmbH (BHG) hängt selbst am Tropf. Für das Geschäftsjahr 2009 weisen die Stadtwerke erstmals einen Verlust aus, laut aktueller Hochrechung gut 300.000 Euro. Das kündigte BHG-Geschäftsführer Michael Schweitzer im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtparlaments an. Von Erwin Diel

Statt Millionen einzunehmen, wie in vergangenen Jahren, muss die Holding nun nicht nur den Verlust ausgleichen, sondern auch noch 2,1 Millionen Euro an den Stadtwerke Miteigentümer Mainova überweisen. Der hat Anspruch auf eine Garantiedividende. Folge für die BHG: Das Unternehmen macht 2009 mit 5,7 Millionen Euro einen Verlust in der Größenordnung des Vorjahres. „Geht es in dem Tempo weiter, sind wir in sechs Jahren insolvent,“ sagte Schweitzer im Ausschuss. Der Verlust wird, wie in den vergangenen Jahren, gegen das Eigenkapital gebucht, das noch rund 30 Millionen Euro beträgt.

Weniger Stromabnahme durch Industriekunden in Folge der Wirtschaftskrise sowie Verluste der Netzdienste Rhein-Main, verursacht durch von der Bundesnetzagentur festgesetzte niedrigere Netzentgelte, nannten Schweitzer und OB Claus Kaminsky, zugleich Aufsichtsratschef der Stadtwerke, als Ursache. Die Energiesparte der Stadtwerke, an der die Frankfurter Mainova beteiligt ist, weist lediglich noch 2,4 Millionen Euro Überschuss aus. Das reicht nicht, um Verluste etwa aus den den Stadtwerken übertragenen beiden Hanauer Bädern auszubügeln. Die Gesamtbilanz der Stadtwerke rutscht deshalb voraussichtlich ins Minus.

14 städtische Unternehmen unter einem Dach

Im Wirtschaftsplan für das laufende Jahre rechnet die BHG mit einem Verlust von etwas mehr als 4 Millionen Euro. Zwar seien alle Konzerngesellschaften „lebensfähig“, ohne eine nachhaltige Erholung der Energiesparte der Stadtwerke werde es „lange dauern, bis wir wieder nach oben kommen“, sagte Schweitzer. Auf Forderung des Aufsichtsrates hat die BHG die bisher geltende mittelfristige Finanzplanung einkassiert. Die Planung werde komplett neu aufgestellt. Gearbeitet werde zudem daran, einen Konzern-Wirtschaftsplan mit konsolidierten Zahlen vorzulegen.

In der Vergangenheit hatten gescheiterten Expansionspläne der Hanauer Straßenbahn sowie Sonderabschreibungen bei der Baugesellschaft Hanau zu erheblichen Verlusten in der BHG-Bilanz geführt. Die Altlasten seien alle abgeräumt, sagte Schweitzer. Mit Katastrophen wie bei der Hanauer Straßenbahn sei nicht mehr zu rechnen. Das Nahverkehrsunternehmen häufte Verluste von weit mehr als 20 Millionen Euro an. Unter dem Dach der BHG sind 14 städtische Unternehmen zusammengefasst. Bilanzschwergewichte sind neben den Stadtwerken Klinikum und Baugesellschaft.

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