Staudinger

Weniger Jobs im Kraftwerk

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Die Ausbaupläne für das Kraftwerk Staudinger wurden von Eon aufgegeben, die Stromproduktion aus Kohle wird zurückgefahren. Der Standort soll zwar erhalten bleiben, die Arbeitsplätze seien aber langfristig nicht gesichert, heißt es.

Großkrotzenburg - Nach dem Aus für die Ausbaupläne mit einem neuen Kohleblock steht beim Eon-Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg der Arbeitsplatzabbau unter Dampf. Von derzeit noch 210 soll die Zahl der Beschäftigten auf 140 gesenkt werden. Von Erwin Diel

Die Zahlen nannte Eon am Mittwoch bei der letzten Sitzung des „Kraftwerksforums“. Der Abbau werde „sozialverträglich vorgenommen, wie bei Eon üblich“, sagte ein Sprecher. Der Zeitrahmen dafür sei offen. Großkrotzenburg solle zwar „weiter Kraftwerksstandort bleiben“, Art und Umfang der künftigen Ernergieerzeugung sind allerdings unklar. Die verbliebenen Arbeitsplätze seien „langfristig nicht gesichert“.

Im Dezember hatte der Essener Energiekonzern den Ausstieg aus den Neubauplänen am Standort Großkrotzenburg erklärt (wir berichteten). Angesichts der Unsicherheiten der Energiewende sei eine Milliardeninvestition wirtschaftlich nicht zu vertreten. Eon wollte als Ersatz für die Blöcke 1 und 3, deren Betriebsgenehmigung ausgelaufen ist, einen neuen mit Steinkohle beheizten Ofen mit 1,2 Megawatt Leistung bauen. Dagegen hatte es in der Region heftigen Widerstand gegeben.

Derzeit produziert nur Block 5 Energie aus Kohle. Die Anlage verfügt laut Eon über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Zurzeit sei Block 5 „gut ausgelastet“. Der Gasblock 4 dient als so genannten Kaltreserve ausschließlich der Sicherung der Netzstabilität. Das Anfahren der Anlage wird von der Bundesnetzagentur und dem Netzbetreiber TenneT gesteuert. Der dabei erzeugte Strom nimmt nicht am Großhandelsmarkt teil. Nach längerem Stillstand war Block 4 zuletzt am Montag einige Stunden in Betrieb. Die Kosten begleicht der Netzbetreiber. Die Vereinbarung zu Block 4 gilt bis 2016.

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Die zum Jahresende ausgelaufene Genehmigung für Block 1 ist befristet bis 30. April verlängert worden, dem Ende der Heizperiode. Das ist im wesentlichen der Fernwärmeproblematik geschuldet. Abwärme aus Block 5 heizt Wohnungen und Büros in Großkrotzenburg und Hanau. Fällt der Ofen aus, übernimmt Block 1 die Absicherung. Die Stadtwerke, die das Fernwärmenetz in Hanau betreiben, wollen ihre eigene Wärmeerzeugung ausweiten. Künftig dient deshalb wohl Staudinger-Bock 5 nur noch als Reserve.

Mögliche Alternativen zur Stromproduktion aus Kohle seien mehrfach Thema im „Kraftwerksforum“ gewesen, sagte dessen Moderator Ralf Eggert. Es gebe aber keine konkreten Vorstellungen. In dem Forum hatte Eon mit Gruppierungen und Einzelpersonen seit 2007 über seine Ausbaupläne debattiert.

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Zu den rund 30 Teilnehmern zählten Vertreter von Kommunen, Kirchen oder Umwelt- und Sozialverbänden. Die Diskussionsrunden seien von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen und hätten dazu beigetragen, über strittige Sachverhalte Informationen auszutauschen, heißt es in einem Resumee aus Teilnehmerkreisen. Nach Einschätzung von Moderator Eggers sind durch Anregungen aus der Runde konkrete Verbesserung erreicht worden. Als Beispiel nannte er unter anderem die Reduzierung des Lärms der Kohlezüge. Das „Kraftwerksforum“, so der übereinstimmende Wille der Beteiligten, soll deshalb in einer noch zu bestimmenden Form weitergeführt werden.

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