Staudinger wärmt die Innenstadt

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Stadtwerke-Geschäftsführer Ewald Desch (links) beim „Spatenstich“ für die neue Fernwärmeleitung mit Sparkassenchef Robert Restani (rechts) und Stadtrat Axel Weiss-Thiel.

Hanau ‐ Die Stadtwerke heizen der Innenstadt ein. Gestern begannen offiziell die Arbeiten an einer 925 Meter langen Fernwärmeleitung, die von der Haupttrasse in der Friedrich-Ebert-Straße abzweigt und über Lautenschläger Straße, Französische Allee und Altstraße bis zu dem im Bau befindlichen Einkaufszentrum Postcarré führt. Von Erwin Diel

Mit dem Postcarré und der Zentrale der Sparkasse Hanau am Marktplatz sind neben 17 Privatleuten zwei Großkunden gewonnen, die künftig die aus dem Großkrotzenburger Kohlekraftwerk Staudinger stammende Wärme abnehmen. Nach Angaben von Stadtwerke-Geschäftsführer Ewald Desch kostet die Leitung rund 850.000 Euro. Die Bauzeit ist mit drei Monaten veranschlagt, vier Baukolonnen werden parallel an der Strecke arbeiten. In den betroffenen Straßen ist während der Bauarbeiten mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.

Mit dem Abzug der Amerikaner hatten die Stadtwerke ihren größten Fernwärmekunden verloren. Die US-Streitkräfte nahmen 40 Prozent der von den Stadtwerken gelieferten Wärme ab, um ihre Kasernen zu heizen. Seitdem bemühen sich die Stadtwerke, durch die Werbung von neuen Großkunden den Ausfall zu kompensieren. Im vergangenen Jahr waren an der Kastanienallee zwei städtische Schulen und die katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth angeschlossen worden. Auch einige Privatleute nutzten die Trassenerweiterung, um ihre Häuser künftig mit Fernwärme zu temperieren.

Großes Wohngebiet mit zentraler Wärmeversorgung

In 2008 waren die großen Industrie-Unternehmen Heraeus und Vacuumschmelze ans Fernwärmenetz gegangen. Die Haupttrasse verläuft vom Hanauer Bahnhof kommend unter Willy-Brandt-Straße, Friedrich-Ebert-Anlage, Steinheimer Tor und Westbahnhofstraße in die Weststadt. Das große Wohngebiet dort verfügt über eine zentrale Wärmeversorgung, die früher von einem Blockheizkraftwerk mit Gasmotoren befeuert wurde.

Die Sparkasse verspricht sich von der Umstellung auf Fernwärme deutliche finanzielle Vorteile. Bislang ist die Zentrale mit einer Gasheizung temperiert worden. Die Anlage sei 20 Jahre alt und habe nun zur Erneuerung angestanden, sagte der Vorstandsvorsitzende Robert Restani. Bei einer Laufzeit des Fernwämeliefervertrages von 15 Jahren rechne die Sparkasse mit Einsparungen von 360.000 Euro im Vergleich zu Installation und Betrieb eines neuen Gaskessels. Das Gebäude verbraucht eine Million Kilowattstunden Heizenergie pro Jahr. Bisher verursachte das dafür verbrannte Erdgas 200 Tonnen Kohlendioxid. Durch den Fernwärmeeinsatz sinke die Kohlendioxidbelastung um 70 Tonnen.

Heizenergie beträgt 15.000 Kilowatt

Die Heizenergie, die durch die neue Leitung transportiert werden kann, beträgt 15.000 Kilowatt. Das reiche, um rund 1000 Haushalte mit Wärme zu versorgen, sagte der Stadtwerkegeschäftsführer. Theoretisch könnte die komplette Innenstadt südlich der Langstraße an die Leitung angeschlossen werden. In dem Bereich steht auch das Hanauer Rathaus. Man hoffe damit auf einen weiteren Großkunden, sagte Desch.

Die Fernwärme kommt von Block 5 des Großkrotzenburger Kraftwerkes. Aus der bei der Kohleverstromung anfallenden Abwärme, die ungenutzt verpufft, können 16.000 Haushalte in Hanau und Großkrotzenburg versorgt werden. Mit dem umstrittenen Block 6 soll auch die Fernwärmenutzung ausgebaut werden, 300 Megawatt stünden zur Verfügung.

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