Modellprojekt für Eppsteinschüler

Einblick in die Altenpflege

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Ein Modellprojekt läuft für Schülerinnen und Schüler an der Steinheimer Eppsteinschule. Damit will man dringend benötigte Altenpfleger finden. 

Steinheim - Der Pflegenotstand in Deutschland ist akut. Unterschiedliche Erhebungen sprechen von aktuell 60.000 bis 100.000 fehlenden Pflegekräften. Schon in den nächsten 10 bis 15 Jahren werde sich diese Zahlen in etwa verdoppeln.

Mit dem Thema befassten sich auch Vertreter der Agentur für Arbeit, des Arbeitgeberverbandes Osthessen, der Gesellschaft für Wirtschaftskunde e.V. (GfW), der Vereinten Martin-Luther-Stiftung und der Eppsteinschule aus Steinheim, um ein Konzept zu entwickeln, dieser Situation im Pflegebereich im Rahmen der Berufsorientierung entgegenzutreten. Hieraus ist die erste Gesundheits- und Pflegeakademie entstanden, deren Auftaktveranstaltung bei der Agentur für Arbeit in Hanau stattfand.

„Altenhilfe ist so vielseitig und bietet viele Möglichkeiten“, erklärte Thorsten Hitzel, Geschäftsführer der Vereinten Martin-Luther-Stiftung. Die Einrichtung ist einer der Partner des Projekts. „Auf die Herausforderungen im Pflegebereich haben wir als Agentur für Arbeit natürlich eines unserer Hauptaugenmerke gelegt“, so Heike Hengster, Chefin der Agentur für Arbeit Hanau. „Die Arbeitsagentur finanziert das Projekt zu 50 Prozent. Schüler zwischen 13 und 17 Jahren sollen einen Einblick in den Pflegeberuf erhalten.

Einmal in der Woche treffen sich die Teilnehmer und werden drei Stunden in den wichtigsten Bereichen des Berufs geschult. Und dazu gehört laut Hitzel viel mehr, als die meisten denken - nicht nur die Pflege, sondern auch die Beratung sei wichtig. Daneben gehen die Pflegekräfte mit den Bewohnern spazieren oder spielen gemeinsam.

Neben Praktika in der Martin-Luther-Stiftung machen die Teilnehmer auch einen „Rollstuhlführerschein“, nehmen an einer Empathie-Schulung teil und lernen, wie man sich bei einem medizinischen Notfall zu verhalten hat. Als Vorbild für das Programm habe man sich die Girls Day-Akademie genommen, erklärt Reinhold Maisch, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftskunde. Der Inhalt sei natürlich ein ganz anderer. Aber auch bei der Girls Day-Akademie treffen sich die Teilnehmer über das Schuljahr verteilt einmal in der Woche und lernen Inhalte anhand praktischer Arbeiten.

Für die Steinheimer Eppsteinschule habe man sich ganz bewusst entschieden, da die Schule ein sehr soziales Profil habe.

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Doch bevor die zehn Mädchen und die sechs Jungen teilnehmen durften, mussten sie eine Bewerbungsphase durchlaufen, denn für die 16 Plätze hatten sich gut doppelt so viele Schüler gemeldet. „Alle Interessierten mussten ein Motivationsschreiben einreichen, und darin begründen, warum sie mitmachen wollen“, erklärt Daniela Grund. Die Teamleiterin für Seminare und Berufsorientierung der GfW ist überzeugt von dem bisher einmaligen Projekt. Neben dem Schreiben seien auch die Schulnoten wichtig gewesen. Schließlich müsse man garantieren können, dass die schulischen Leistungen nicht unter der Mehrbelastung leiden.

Die Lehrer der Eppsteinschule bewerten am Ende Leistungen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Engagement, eine eigene Note wird es allerdings nicht geben. Die Martin-Luther-Stiftung beschwere sich nicht nur über mangelnden Berufsnachwuchs, so Daniela Grund, sie nehme auch Geld in die Hand, um Pflegepersonal zu finden. „Das Projekt wird eine wichtige Erfahrung für die Schüler, auch wenn sie sich im Anschluss für einen anderen Berufsweg entscheiden sollten“. Nur durch Erfahrungen könne man hautnah erleben, was zu einem passt und sich mit seinen eigenen Fähigkeiten in der Praxis auseinandersetzen. (cs)

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