Steinheim: Darum verlässt der katholische Pfarrer die Gemeinde

Pfarrer Lukasz Szafera geht nach Großen-Buseck

Während der Corona-Pandemie setzte Pfarrer Lukasz Szafera auch soziale Medien ein, um die Menschen in Zeiten zu erreichen, in denen keine Gottesdienste stattfanden. ARCHIVFOTO: HOLGER HACKENDAHL
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Während der Corona-Pandemie setzte Pfarrer Lukasz Szafera auch soziale Medien ein, um die Menschen in Zeiten zu erreichen, in denen keine Gottesdienste stattfanden. ARCHIVFOTO: HOLGER HACKENDAHL

Steinheim/Klein-Auheim – Die Zahlen symbolisieren, dass es weitergeht. 123 lauten die Ziffern auf dem Auto-Kennzeichen von Pfarrer Lukasz Szafera. Auf seinem künftigen Nummernschild werden die Ziffern 456 stehen. Die 123 könnte auch für die bisherigen drei Stationen im Werdegang des Geistlichen stehen, der erst in Offenbach tätig war, dann eine Pfarrerstelle in Rüsselsheim innehatte, ehe er im April 2016 als katholischer Pfarrer nach Steinheim kam.

Die Tage Szaferas in der katholischen Pfarrgruppe Stein-Auheim sind freilich gezählt. Zum 1. Oktober wird er weggehen. Seit wenigen Tagen steht fest: Der 46-Jährige wird Pfarradministrator in der Pfarrei Großen-Buseck (Kreis Gießen). Die Bestätigung aus dem Bischöflichen Ordinariat in Mainz ist erst letzte Woche eingegangen.

Steinheimer Pfarrer: Habe derzeit praktisch jeden Abend eine Sitzung

Seit Lukasz Szafera vor einigen Wochen bekannt gegeben hat, dass er weggeht (wir berichteten), gab es viele Reaktionen: Großes Bedauern, „aber auch Verständnis für meine Entscheidung“, sagt er. Beim Pressebesuch im Pfarrhaus zeigt er auf seinen übervollen Schreibtisch und blättert in seinem Terminkalender. Der ist groß und dick wie das Hanauer Telefonbuch und randvoll. Er gibt einen kleinen Hinweis zu den Beweggründen, warum Szafera seine Stelle wechselt. Mit St. Johann Baptist und St. Nikolaus sowie St. Peter und Paul betreut er derzeit gleich drei Pfarreien mit insgesamt 8000 Katholiken und vielen Gremien. Zudem gehören vier katholische Kindertagesstätte zu dem Beritt. Auch dafür ist der Pfarrer auf der Verwaltungsebene zuständig. Das alles bedeutet einen enormen Zeitaufwand durch viele Besprechungen und Gespräche – und das unabhängig von Gottesdiensten und der Seelsorge. „Ich habe derzeit praktisch jeden Abend eine Sitzung“, sagt Szafera.

Und die Aufgaben an seiner jetzigen Stelle werden künftig sogar noch mehr. Die Dekanatsversammlung hat dieser Tage, wenn auch mit knappster Mehrheit, beschlossen, dass es fortan zwischen Seligenstadt und Steinheim nur noch eine Pfarrei geben soll (wir berichteten).

Pfarrer Szafera hat Sorge, dass er an seiner jetzigen Stelle dem nicht gerecht werden kann. Von seiner Physis und von der Verantwortung her, aber auch wegen dem, was an einen Geistlichen in solch einer großen Pfarrei herangetragen wird. „Die Menschen haben viele Erwartungen“, sagt er. Erst recht in solch einer großen Verwaltungseinheit, wo er noch viel mehr administrative Aufgaben hätte, als es jetzt schon der Fall ist.

Steinheimer Seelsorger hätte sich anderen Verlauf des Veränderungsprozesses gewünscht

Szafera macht auch keinen Hehl daraus, dass er es im Zuge des Veränderungsprozesses des Pastoralen Wegs für sinnvoll erachtet hätte, zunächst die drei Pfarreien in Steinheim und Klein-Auheim zu vereinen und erst dann den nächsten Schritt zu gehen. Aber das ist mittlerweile obsolet.

Dass er Steinheim und Klein-Auheim in gut drei Monaten verlassen wird, fällt Lukasz Szafera schwer. Das merkt man ihm im Gespräch an, auch wenn der Weggang seine eigene Entscheidung war. „Das wird nicht leicht.“ Lukasz Szafera blickt aber auch mit einer gewissen Vorfreude und Erleichterung in die Zukunft, weil die letzten Monate eine Belastung gewesen seien.

Safara, der aus dem polnischen Wolczyn (früher Kronstadt) stammt, war auf der hiesigen Pfarrerstelle Nachfolger von Werner Suerbaum. Nach dessen Tod war die Stelle ein Jahr vakant, ehe Lukasz Szafera kam. Die Gottesdienste, Trauungen, Beerdigungen und die Seelsorge mussten bis dahin von anderen Hauptamtlichen im Dekanat übernommen werden. Wann nach Szaferas Weggang die Pfarrstelle neu besetzt werden kann, ist offen. Nach Informationen unserer Zeitung soll es immerhin eine Bewerbung geben.

„Die Begegnung mit den Menschen ist mir stets das Wichtigste“, sagt Szafera mit Blick auf seine Zeit in Steinheim und Klein-Auheim, zu der Auftritte während der Fastnacht gehörten. Eine Affinität hat der Pfarrer auch zu sozialen Medien, die er unter anderem nutzte, um während der Pandemie Gottesdienste zu den Gläubigen zu bringen.

Szafera, der von sich sagt, wenn er nicht Pfarrer geworden wäre, hätte er sich auch vorstellen können, als Regisseur zu arbeiten, verwendet in der Freizeit sein Smartphone auch fürs Geocaching, die digitale Version der altbekannten Schnitzeljagd.

Von Hanau nach Großen-Buseck

Dieser Tage ist Pfarrer Szafera übrigens erst einmal weg. „Aber noch nicht endgültig“, betont er ausdrücklich, nachdem entsprechende Fragen aufgetaucht sind. Er macht Urlaub. Im August und September ist er dann wieder in Steinheim und Klein-Auheim vor Ort. Bis zum 1. Oktober. Dann tritt er in Großen-Buseck im Pfarreienverbund Lumdatal/Busecker Tal seine neue Stelle an.

Bezugnehmend auf die Ziffernfolge auf dem Autokennzeichen, könnte es nach der nunmehr vierten Stelle von Lukasz Szafera noch weitergehen: Die Stelle in Großen-Buseck ist jedenfalls laut Bischöflichem Ordinariat „zeitlich vorerst begrenzt“.

Von Christian Spindler

Seit gut vier Jahren leitet Lukasz Szafera die Pfarrgruppe Stein-Auheim.

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