Schaf schmust mit Hütehund

Auf dem Steinheimer „Amerikafeld“ sorgt eine Herde für den Naturschutz

Neben Rhönschafen gehören auch Coburger Füchse zur Herde von Armin Bergmann. Für den Beweidungseinsatz wird der Schäfer zwar vom Forstamt entlohnt, die Schäferei ist aber ein hartes Geschäft. Fotos:Hackendahl
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Neben Rhönschafen gehören auch Coburger Füchse zur Herde von Armin Bergmann. Für den Beweidungseinsatz wird der Schäfer zwar vom Forstamt entlohnt, die Schäferei ist aber ein hartes Geschäft.

Ein deutliches „Määäää“ ist bisweilen schon von Weitem auf dem „Amerikafeld“ in Steinheim zu hören. Schafe aus Unterfranken betätigen sich dort als Naturschützer. Sie fressen unerwünschten Bewuchs ab und sorgen dafür, dass seltene Pflanzen Platz haben.

Steinheim - Vor dem Einsatz gingen die 380 Tiere auf motorisierte Reise. In vier Fahrten transportierte Hüteschäfer Armin Bergmann aus Mömbris die 300 Muterschafe und 80 im Januar geborene Lämmer in einem Doppelstock-Lkw-Anhänger nach Steinheim.

2013 übernahm Bergmann erstmals den Auftrag für die Beweidung. Seit einigen Tagen steht die Herde nun wider auf dem Sandmagerrasen westlich der Otto-Hahn-Straße. Neben der Rasse Coburger Fuchs mit ihrem typisch braunen Kopf, beweiden auch schwarzköpfige Rhönschafe das „Amerikafeld“.

Täglich schaut Armin Bergmann, der Hüteschäfer im Vollerwerb ist und noch eine weitere Herde mit Merinos hat, gemeinsam mit Ehefrau Angela nach den Vierbeinern. Die vierjährige Hütehündin „Heidi“ ist stets dabei, drängt auf Kommando des 52-Jährigen Schäfers die Herde in die gewünschte Richtung. „Heidi“ ist aber auch Freund der Schafe. Eines der Tiere schmust beim sogenannten „Umkoppeln“ sogar mit der Hündin.

Bergmanns Schafe bekommen täglich Frischwasser aus einem Tank. „An Regentagen trinken sie nur 100 Liter, an heißen Tagen 500“, berichtet er. „Im Hitzesommer 2019 waren es sogar bis zu 600 Liter, weil das dürre Gras sehr trocken war.“

Ein Schafrücken kann mitunter auch ein gemütlicher Rastplatz sein.

Der Sandmagerrasen mit dem Silbergras auf dem „Amerikafeld“ ist Heimat für eine ganz besondere Vegetation, erläutert der für das Naturschutzgebiet zuständige Förster Günter Hunold vom Forstamt Hanau-Wolfgang. Für das „Amerikafeld“ sei die Schafbeweidung ideal. „Dadurch wird die Verbuschung, also das Zuwachsen der Wiesenfläche etwa durch Brombeeren, zurückgedrängt, und der Fläche werden durch das Grasen der Schafe Nährstoffe entzogen“, erläutert er. Das ist gewollt. „Das artenreiche Biotop wird durch die extensive Bewirtschaftung erhalten.“ Die Schafe fressen neben den vielen saftigen Grasarten auch Sauerampfer sowie den Aufwuchs von Aspel und Kirschlorbeer. Durch das Zurückdrängen dieses Bewuchses sollen die seltenen Pflanzen auf dem „Amerikafeld“ mehr Luft bekommnen und der Stickstoffgehalt im Boden gesenkt werden.

Damit die Schafe genug zu fressen bekommen, rückt die Herde täglich ein Stück weiter. Bergmann muss dafür den Elektrozaun jeweils umstecken. „Jeden Tag bekommt die Herde so eine neue Weidefläche zwischen 80000 Quadratmetern und einem Hektar.“ Bevor die Schafe auf einer neuen Koppel grasen dürfen, entfernen Angele und Armin Bergmann das neue Weideareal vom giftigen Jakobskreuzkraut. Es kann bei Schafen zu Leberschäden führen.

Vom Verkauf der Schafwolle könnte Schäfer Bergmann übrigens nicht leben. „2019 habe ich pro Kilogramm Merino-Schafwolle 1,50 Euro bekommen, 2020 sind es nur noch 60 Cent“, sagt er beim Ortstermin. Die meiste Wolle sei nach China und Südostasien gegangen. Doch dort finde sie derzeit keine Abnehmer mehr.

Allein das Scheren eines Schafs verursache Kosten von jeweils 2,20 Euro. „Dazu brauche ich noch Leute, die mithelfen, das Schaf zum Scherbock zu bringen oder die Wolle säubern und in Säcke packen“, sagt Bergmann. „Aber wir müssen halt scheren, weil Schafe geschoren werden müssen.“ Immerhin sei die Bergmannsche Herde „die gepflegteste, die ich kenne“, lobt Förster Hunold, der um das harte Geschäft der Schäferei weiß. Denn selbst die „Fleischpreise sind nicht kostendeckend“, sagt der Schäfer aus Mömbris.

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