Für den Wetterdienst

Steinheimer beobachtet seit 25 Jahren das Pflanzenwachstum

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Wann blüht welche Pflanze? Solche Daten erfasst Klaus Dietrich in seinem Wetterdienst-Tagebuch.

Hanau -  Der Steinheimer Klaus Dietrich ist seit 25 Jahren Phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst (DWD). Von Holger Hackendahl 

Nun wurde der Naturfreund, der als selbstständiger Gärtner tätig ist, vom Deutschen Wetterdienst mit der Wetterdienstplakette für die Beobachtung der Pflanzenentwicklung ausgezeichnet.
Seit 1992 hat Klaus Dietrich 3 412 einzelne Daten an den Wetterdienst gemeldet. „Diese Daten sind für uns ein ganz großer Schatz, denn damit können wir Klimaforschung betreiben“, sagte Saskia Pietzsch von der DWD-Abteilung Agrarmeteorologie bei der Ehrung. Eine Erkenntnis aus den bundesweiten Datensammlungen: „Wir haben festgestellt, dass sich die Phasen des Pflanzenwachstums in den letzten 30 Jahren verschoben haben.“ Die von 1200 phänologischen Beobachtern und in 45 DWD-Stationen gesammelten und verknüpften Daten sollen die wetterdienstliche Beratung der Landwirtschaft sicherstellen, insofern ist die Tätigkeit von Mitarbeitern wie Dietrich nicht zu unterschätzen.

Der Steinheimer Naturbursche interessierte sich schon früh für Pflanzen. Bereits mit 14 Jahren steckte er sein ganzes Geld, das er zur Konfirmation geschenkt bekam, in den Kauf eines eigenen Gartens, erzählt sein Vater Norbert.

Seit 25 Jahren ist Dietrich regelmäßig draußen unterwegs, verfolgt die Pflanzenentwicklung ganz genau und trägt die Werte in ein vom Wetterdienst zur Verfügung gestelltes „Tagebuch für phänologische Beobachtungen“ ein.

Das phänologische Beobachtungssystem umfasst 47 verschiedene Kultur- und Wildpflanzen, alljährlich können hierzu 168 Beobachtungen notiert werden. In dem Tagebuch notiert Klaus Dietrich zum Beispiel Angaben und Daten zum Entwicklungsstand der Pflanzenblüte; „etwa wann die Schneeglöckchen ihre Knospen öffnen, oder wann Hasel, Erlen, Birken blühen.“ Zudem beobachtet er das Wachstum von Getreidesorten wie Roggen, Weizen und Wintergerste und verfolgt die Entwicklungsstufen von der Aussaat bis zur Ernte. „Im Spätherbst schließe ich meine jährlichen Beobachtungen mit dem Laubfall von Lärche und Stieleiche ab.“ Und am Ende des Jahres übermittelt der 50-Jährige dann seine gesammelten Daten an die DWD-Abteilung Agrarmeteorologie.

„Da die Entwicklung der Pflanzen maßgeblich vom Klima gesteuert ist, lassen sich Klimaveränderungen anhand langer Datenreihen sehr gut erkennen“, erläuterte Saskia Pietzsch. Die DWD-Experten können auch anhand der Pflanzendaten belegen: „Der Frühling beginnt seit Ende der 80er Jahre häufig früher und die Winter werden wärmer“, so Pietzsch. Die Daten hätten ergeben, dass der Vorfrühling – erkennbar an der Haselblüte – im Zyklus 1991 bis 2017 im Schnitt 16 Tage eher begonnen habe als im Zeitraum von 1960 bis 1990. Auch habe sich der Winter in diesen Zeiträumen von 105 Tagen auf 88 verkürzt. Und die Apfelblüte hat sich, statistisch gesehen, um zehn Tage nach vorne verschoben.

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Neben der Klimaforschung ist die Landwirtschaft der Hauptnutznießer der phänologischen Beobachtungen. Der Begriff Phänologie stammt aus dem Griechischen. Die Phänologie befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des DWD beobachten die Entwicklung von wildwachsenden und Kulturpflanzen im Jahresablauf. Mit Hilfe ihrer Daten kann auch der Verlauf von Pflanzenkrankheiten und -schädlingen vorhergesagt werden. Mit Hilfe der phänologischen Daten werden zudem spezielle Blühvorhersagen getroffen - das ist zum Beispiel wichtig für Imker und Allergiker.

„Weltweit hat der DWD das größte Netz an stationären Beobachtern. Deutschland ist da Vorreiter“, unterstreicht Expertin Pietzsch.

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„Mich hatte ein Phänologe, der altersbedingt seine Beobachtungen einstellen wollte, angesprochen, ob ich das nicht übernehmen will“, erinnert sich Klaus Dietrich, der auch Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes NABU in Steinheim ist, an die Anfänge seiner Tätigkeit.

Zum 25-jährigen Jubiläum gab es einen Empfang für den Steinheimer im Hanauer Rathaus. Dabei überreichte Saskia Pietzsch die Wetterdienstplakette, ein Buch übers Wetter, ein Weinpräsent und Pralinen. Und von der Stadt gab es, überreicht von Oberbürgermeister Claus Kaminsky, einen schmucken Hanau-Regenschirm.

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