Hohe Auszeichnung

„Stellvertretend für viele andere“: Robert Erkan erhält Walter-Lübcke-Demokratie-Preis

Der gestern geehrte Robert Erkan (links) war im Februar von OB Claus Kaminsky gemeinsam mit Dr. Maria Haas-Weber (Zweite von rechts) und Dr. Silke Hoffmann-Bär mit der Aufgabe der Opferhilfe betraut worden.
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Der geehrte Robert Erkan (links) war im Februar von OB Claus Kaminsky gemeinsam mit Dr. Maria Haas-Weber (Zweite von rechts) und Dr. Silke Hoffmann-Bär mit der Aufgabe der Opferhilfe betraut worden.

Hanau/Wiesbaden – „Das habe ich nicht erwartet.“ Robert Erkan zeigt sich gestern im Gespräch mit unserer Zeitung tief bewegt von der Auszeichnung mit dem erstmals von der hessischen Landesregierung vergebenen Walter-Lübcke-Demokratie-Preis.

Erkan, engagiert unter anderem als Mitglied des Hanauer Ausländerbeirats und als Stadtverordneter des Forums Gemeinsames Hanau, erhielt in den Wochen und Monaten nach dem rassistisch motivierten Anschlag vom 19. Februar als Koordinator der Hanauer Opferberatung mit Dr. Maria Haas-Weber und Dr. Silke Hoffmann-Bär mediale Aufmerksamkeit auch über die Stadtgrenzen der Brüder-Grimm-Stadt hinaus.

Ein „Mittler zwischen den Religionen“ sei Erkan, wird Ministerpräsident Volker Bouffier in einem Statement der Hessischen Staatskanzlei anlässlich der bevorstehenden Preisverleihung zitiert.

„Robert Erkan ist ein Vorbild für gelebte Integration. Er ist in Hessen geboren, seine Eltern haben einen kroatischen und türkischen Migrationshintergrund und gehören unterschiedlichen Konfessionen an: Erkans Mutter ist Christin, sein Vater Muslim. Von Kindesbeinen an wurde ihm vorgelebt, dass unterschiedliche Glaubensrichtungen nicht spalten müssen, sondern sich im besten Sinne verbinden können“, so Bouffier. Auch Erkan selbst vereine beide Welten in sich: Er war nicht nur Messdiener in einer katholischen Kirche, sondern auch regelmäßiger Besucher der Moschee.

Der Walter-Lübcke-Demokratie-Preis soll – in Erinnerung an den am 1. Juni 2019 ermordeten Politiker und Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke – den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das demokratische Miteinander und einen von gegenseitigem Respekt getragenen politischen Diskurs stärken und künftig in der Regel alle zwei Jahre vom hessischen Ministerpräsidenten verliehen werden, heißt es aus der Wiesbadener Staatskanzlei.

Preisträger können einzelne Persönlichkeiten, Vereine, Stiftungen oder Institutionen sein, die die Werte der demokratischen Grundordnung vorleben und verteidigen. Der Preis, so Erkan, Jahrgang 1966, stehe „stellvertretend für viele andere“ und nennt dabei beispielhaft einige der an der Aufarbeitung Beteiligten wie die Opferbeauftragten Haas-Weber und Hoffmann-Bär, die Initiative 19. Februar, das Institut für Toleranz und Zivilcourage, den Ausländerbeirat, Weststadtbüro, Oberbürgermeister Claus Kaminsky und etliche weitere.

Die Auszeichnung ehre ihn, aber es wäre seiner Auffassung nach erst gar nicht so weit gekommen, „wenn wir nicht ein Team gewesen wären“. Dass im Beratergremium, das über die Vergabe des Preises entschied, auch die Witwe des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, Irmgard Braun-Lübcke, sowie die Tochter des 1989 ermordeten früheren Deutsche Bank-Vorstandsvorsitzenden Alfred Herrhausen, Anna Herrhausen, saßen, bewege ihn sehr, sagt Erkan dem HA sichtlich gerührt. Einer der ersten Gratulanten in Hanau ist gestern John Kannamkulam, Vorsitzender des Forums Gemeinsames Hanau. „Ich bin stolz auf Robert“, so Kannamkulam.

Als einer der Opferbeauftragten unterstützte Erkan nach den Ereignissen vom 19. Februar die Familien der Opfer vor allem im organisatorischen Bereich, während sich die Ärztinnen Dr. Maria Haas-Weber und Dr. Silke Hoffmann-Bär um den medizinischen Teil der Opferhilfe kümmerten. „Wir sorgen dafür, dass unkompliziert Hilfe vor Ort geleistet werden kann“, sagte Erkan in einem Gespräch mit unserer Zeitung Ende Februar, wenige Wochen nach dem Anschlag. Im August beendete er seine Tätigkeit in der Opferberatungsstelle. „Man hat mich gefragt, und ich habe es einfach gemacht“, sagt Erkan heute.

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