Corona-Pandemie

Strahlen gegen Corona: Hanau und Heraeus setzen auf UV-C-Technik

Wie Covid-19-Viren mit UV-C-Strahlen in Luftreinigungs- und Handgeräten abgetötet werden, demonstrierte Nico Barthel von Heraeus Noblelight beim Pressetermin.
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Wie Covid-19-Viren mit UV-C-Strahlen in Luftreinigungs- und Handgeräten abgetötet werden, demonstrierte Nico Barthel von Heraeus Noblelight beim Pressetermin.

Selten ist ein Projekt so schnell befördert worden wie dieses: Am Montag gab es in dieser Sache den ersten Kontakt zwischen dem Hanauer Unternehmen Heraeus Noblelight, am Dienstag ein Treffen mit OB Claus Kaminsky (SPD), am Freitag einen großen Pressetermin und ab Montag soll eine Arbeitsgruppe unter Leitung der städtischen Wirtschaftsförderin Erika Schulte ein Konzept zur Umsetzung erarbeiten.

Hanau – Es geht um das Eliminieren von Viren in der Raumluft und auf Oberflächen. Corona sorgt auch hier für Tempo. Die Desinfektion mittels UV-C-Strahlung sei zwar kein Allheilmittel und erst recht „nicht die Weltformel“ gegen Corona, wie Kaminsky einräumt. Sie könne aber in Pandemie-Zeiten, in denen momentan alles von Einschränkungen und vom Hoffen und Warten auf einen Impfstoff geprägt ist, „das Miteinander signifikant verbessern“, ist der Rathauschef überzeugt. Die Technik dafür soll und kann das Hanauer Traditionsunternehmen Heraeus Noblelight liefern. „Soluva“ heißt die neue Produktlinie, deren Prototypen gestern erstmals öffentlich vorgestellt wurden. In einer strategischen Partnerschaft, die die Stadt und der Konzern eingegangen sind, soll die Technologie, zuvorderst Hanauer Bürgern zugutekommen: etwa in Schulen, Kitas oder in Bussen.

Und das funktioniert so: Mit Geräten, die in ihrer Optik an Klimaanlagen erinnern und die in Räume aufgehängt oder in vorhandene Lüftungsanlagen integriert werden, wird die umgewälzte Luft mit UV-C-Licht bestrahlt. Dabei werden Viren und Bakterien abgetötet. 100 Kubikmeter Luft schafft eine Anlage pro Stunde, so Mimoun Ayada von Heraeus Noblelight. Mit solchen Geräten „drängen derzeit viele Anbieter auf den Markt“, weiß Martin Ackermann, Leiter der Global Business Unit Heraeus Noblelight. Entscheidend sei aber die Strahlungs- und Entkeimungsleistung. „Und da sind wir spitze.“ 99,99 Prozent der Viren, und damit auch Corona-Viren, sowie Keime würden mit seinen Anlagen abgetötet, sagt Heraeus Noblelight und verweist auf wissenschaftliche Bestätigungen durch die Uni Tübingen.

Hanau: UV-C-Strahlung solle die Luftreinigung und -zirkulation vorantreiben

Was bringt die UV-C-Bestrahlung in der Praxis? Sie sei „keine 100-Prozent-Lösung“ gegen Corona, sagt auch Heraeus-Manager Ackermann. Aber gerade im kommenden Herbst und Winter, wenn nicht mehr so viel gelüftet werden kann, könne die Luftreinigung und -zirkulation mit UV-C-Strahlung dafür sorgen, dass in Klassenzimmern nach einer gewissen Zeit auf den Mundschutz verzichtet werden könne, nennt Kaminsky ein Beispiel. Zudem soll die Technik, wenn sie in Lüftungsanlagen von HSB-Bussen integriert wird, Erreger in der Innenluft abtöten. Wann, wie und wo das in Hanau umgesetzt wird, soll nun die Arbeitsgruppe von Stadt und Heraeus klären. Die Nachfrage nach den neuen Produkten sei groß, sagt Manager Ackermann.

Auch nach UV-C-Handgeräten von Heraeus zur Desinfektion von Oberflächen. Während die Reinigung eines Stadtbusses mit herkömmlichen Mitteln einen großen Aufwand bedeute, sei das mit den neuen Geräten in einem Bruchteil der Zeit möglich, berichtet OB Kaminsky. Die Stadt Hanau will durch ihre Partnerschaft mit Heraeus Noblelight den Standortvorteil für ihre Bürger nutzen; erst recht, weil die Pandemie absehbar noch länger dauern werde. Realistisch sei es, so meint Manager Ackermann, dass bis Ende des Jahres zunächst „ein paar Gebäude“, etwa Schulen, in Hanau mit UV-C-Anlagen ausgerüstet werden. Die Kosten sollen nach Angaben von Kaminsky in einem „niedrigen vierstelligen Bereich liegen“ – allerdings pro Gerät.

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