Daten sollen bei Sanierung helfen

Straßen und Wege in Hanau werden digital erfasst

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Paul Rhein (links) und Uwe Muders von der Gesellschaft für Straßenanalyse messen für die digitale Erfassung ein Straßenprofil aus.

Hanau -  Derzeit sind zwei weiße Wagen mit der roten Aufschrift GSA und Warnleuchten auf dem Dach im Schritttempo durch Hanau unterwegs - in ganz besonderer Mission.

Die Erklärung: Die Gesellschaft für Straßenanalyse (GSA) erfasst in einer Datenbank den Zustand aller öffentlichen Straßen, Gehwege, Bus- und Parkbuchten in der Grimm-Stadt. Daraus lasse sich dann ableiten, so Hanaus Verkehrsdezernent Thomas Morlock (FDP), wie hoch für den städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) „der künftige Er- und Unterhaltungsaufwand ist und wie wir die dafür nötigen Finanzmittel verteilen“. Mit anderen Worten: HIS stellt sein Straßenunterhaltungsmanagement neu auf. Zugleich sei das „ein weiterer Schritt zur Digitalisierung städtischer Arbeitsabläufe“, so Morlock.

Die beiden GSA-Fahrzeuge sind bis Ende April in Hanau im Einsatz. HIS gibt für die derzeitige Erstaufnahme 150 000 Euro aus. In fünf bis sechs Jahren soll die Fachfirma aus Kaiserslautern - dann für weitaus weniger Geld - Hanaus mehr als 300 Kilometer langes Straßennetz erneut abfahren und Vergleiche zur jetzigen Erstanalyse anstellen.

Schlaglöcher, Notflickstellen, Risse, Spurrillen, Unebenheiten, Abplatzungen, Setzungen, Materialwechsel zwischen Asphalt, Beton und Pflaster - all das erfassen die GSA-Techniker Uwe Muders und Paul Rhein derzeit in den Straßen der Brüder-Grimm-Stadt. Die Daten werden dann ins städtische Geo-Informationssystem (GIS) eingepflegt. Verbunden mit einer farblichen Kennzeichnung in einer Art Ampelsystem kann HIS dann leichter feststellen, in welchem Zustand die einzelnen Straßen sind und auf dieser Basis „die mittelfristige Investitionsplanung für die Straßenunterhaltung aufbauen und gewichten“, erläutert HIS-Betriebsleiter Markus Henrich.

Wie funktioniert die Bestandsaufnahme im Einzelnen? Anhand von HIS zuvor festgelegter Punkte im digitalen Stadtplan fahren Muders und Rhein die Straßen abschnittsweise in zwei Richtungen ab. Zunächst erfassen sie in ihrem Bordcomputer jede Straße mit Nebenanlagen, ebenso Geh- und Radwege. Die eigentliche Zustandsprüfung erfolgt nicht etwa per Video, sondern mit geschultem Auge und in Handarbeit. Mit dem Drehmessrad erfassen sie Breite und Länge des jeweiligen Straßenabschnitts und übertragen die Angaben in die Datenbank. Dann folgt die Begutachtung spezieller Schäden an Straßen und Wegen für die PC-gestützte Liste.

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Im letztlich entstehenden Auswertungsprotokoll führt die Gesellschaft für Straßenanalyse die einzelnen Straßen je nach Klasse auf, ob sie also Haupt- oder Wohnstraße sind, und geben die Quadratmeter- oder Meterzahl von Schäden und Rissen an. Auf Grundlage der Daten ermittelt die Fachfirma die Folgekosten für unterlassene oder verspätete Straßenunterhaltung. Anhand von Diagrammen sagt GSA voraus, wie das Risiko zusätzlicher Kosten steigt, wenn es immer nur Notreparaturen für defekte Straßenabschnitte gibt.

Stadtrat Thomas Morlock erwartet von der neuen Straßenzustands-Datenbank denn auch „verlässlichere Anhaltspunkte für zielgerichtete Reparaturen als bisher“.

Einen nützlichen Nebeneffekt hat das grundlegende GSA-Messprogramm auch noch: Am Schluss wird genau ermittelt sein, wie viele von der Stadt zu unterhaltende Straßenkilometer es in Hanau tatsächlich gibt. (cs.)

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