Hanauer Stadtspitze appelliert an kommunale Arbeitgeber / Notplätze in Kitas reichen kaum noch aus

Streik: Eltern rufen zur Demo auf

Hanau - Der nun schon knapp drei Wochen andauernde Streik von Erzieherinnen und Erziehern an kommunalen Kindergärten stellt viele Hanauer Eltern zunehmend auf eine harte Probe. Sie haben für Samstag zu einer Demonstration auf dem Hanauer Wochenmarkt aufgerufen.

Treffpunkt ist um 11 Uhr. Die von der Stadt Hanau eingerichteten 650 Notplätze an insgesamt sechs städtischen Kindertagesstätten reichen offenbar kaum noch aus, um den Bedarf an Betreuungsplätzen von Eltern, die keine andere Möglichkeit zur Kinderbetreuung haben, zu decken. Eine Aufstockung der Notplätze sei allerdings auch nicht möglich, erklärte Hanaus Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD), da dem städtischen Eigenbetrieb Kita kein zusätzliches Personal zur Verfügung stehe.

Vor diesem Hintergrund brachte Weiss-Thiel sogar ein Losverfahren für freie Plätze ins Spiel und appellierte nochmals an die Eltern, „alle Möglichkeiten zu nutzen, die Kinder alternativ betreuen zu lassen“, damit die Notplätze tatsächlich nur von denjenigen besetzt werden, die sie auch wirklich benötigen.

Unbefristeter Kita-Streik hat begonnen

Gleichzeitig appellierte Weiss-Thiel an die Tarifparteien, sich endlich zu einigen. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Claus Kaminsky nimmt Weiss-Thiel dabei in einem Schreiben vor allem die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände in die Pflicht. In ihrem Brief machen die beiden SPD-Politiker deutlich, dass sie hinter der Forderung der Gewerkschaft Verdi nach einer Höhergruppierung von Erziehern und Sozialarbeitern im Tarifsystem des öffentlichen Dienstes stehen, denn der gesamte Bereich der Sozial- und Erziehungsdienste sei in den vergangenen Jahren immer anspruchsvoller geworden.

Insofern sei es auch folgerichtig gewesen, die Anforderungen in der Ausbildung zum Staatlich anerkannten Erzieher heraufzusetzen. „Deshalb haben die streikenden Fachkräfte unsere volle Unterstützung“, fordern Kaminsky und Weiss-Thiel vom kommunalen Arbeitgeberverband „ein grundlegend neues und weitergehendes Verhandlungsangebot“ zu unterbreiten.

„Wir sind auch besorgt, dass eine weitere Ausdehnung der Streikdauer zunehmend zu Lasten der Kinder und Familien geht und auch auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgetragen wird, die die dringendsten Bedarfe in einem Notdienst sichern“, schreiben die beiden SPD-Politiker.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Dass die Geduld der Eltern erschöpft ist, zeigte sich jetzt bei einem Treffen von Elternbeiräten mehrerer kommunalen Kindertagesstätten in Hanau. Sie rufen für Samstag zu einer Demonstration mit Kindern auf dem Hanauer Wochenemarkt unter dem Motto „Wir sind doch nicht im Kindergarten“ auf.

Die Organisatoren betonen, sie wollten für keine Seite Partei ergreifen, sondern nur den Unmut vieler Eltern zum Ausdruck bringen. Verdi und den kommunalen Arbeitgebern werfen die Hanauer Eltern „massive Ignoranz“ vor. Die Demonstration auf dem Hanauer Marktplatz soll um 11 Uhr begonnen.

(did)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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