Neubaugebiet Mittelbuchen

Streit um Baumschnitt: IG Bauvorhaben Mittelbuchen Nord-West kritisiert Bien-Ries und Stadt Hanau

Diese Eiche an der Altkönigstraße in Mittelbuchen ist der Auslöser der Diskussion.
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Diese Eiche an der Altkönigstraße in Mittelbuchen ist der Auslöser der Diskussion.

Weil ein 40 Jahre alter Baum geschnitten werden sollte, ist es am Neubaugebiet Mittelbuchen zu einer Auseinandersetzung gekommen. Die 20 Meter hohe Eiche steht direkt am Bebauungsrand des entstehenden Neubaugebiets Mittelbuchen-Nordwest auf einem Anwohnergrundstück.

Mittelbuchen – Da diese nun aber die Baumaßnahmen durch überhängende Äste behindert, sollten diese am Dienstagmorgen zurückgeschnitten werden. Die Eigentümer des Grundstücks, auf dem die Eiche steht, zeigten sich damit jedoch nicht einverstanden und hatten Polizei und Ordnungsamt hinzugerufen, um die Maßnahme zu stoppen.

Im Zuge dessen hatte die Interessengemeinschaft Bauvorhaben Mittelbuchen Nordwest (IG) die Vorgehensweise der Baufirma Bien-Ries sowie der Stadt in einem offenen Schreiben kritisiert. „Was uns stört, ist einfach die Vorgehensweise, mit der die Firma Bien-Ries den Baumschnitt durchführen wollte“, sagt IG-Vorsitzende Elona Weber im Gespräch mit unserer Zeitung. Laut ihr hat ein Mann mitten im Baum gesessen, der ihn „von innen“ schneiden und so einseitig im großem Maße einkürzen wollte. Ihrer Ansicht nach hätte das die Gesundheit des Baumes maßgeblich gefährdet und zu dessen Instabilität geführt.

Hanau: IG beklagt, dass der Arbeiter ohne Anmeldung auf das Grundstück gegangen sei

Zudem sei der mit dem Baumschnitt beauftragte Arbeiter einfach auf das Grundstück gegangen, ohne sich bei den Bewohnern anzumelden. Allerdings räumt sie ein, dass diese zuvor mit einem Schreiben der Baufirma über die Maßnahme informiert worden seien. Der Grundstückseigentümer, ein Freund von Weber, der ebenfalls federführend in der Interessengemeinschaft aktiv ist, habe, als er den fremden Mann im Baum sah, sofort die Polizei gerufen und seinen Anwalt verständigt.

Michael Divé, Pressesprecher der Firma Bien-Ries stellt dies jedoch anders dar. Der Anwohner sei in dem Schreiben darum gebeten worden, die über eineinhalb Meter auf das Baugrundstück ragenden Äste entfernen zu lassen. Andernfalls könnte der Lieferverkehr für die Baustelle nur eingeschränkt stattfinden. Die Firma habe sogar angeboten, innerhalb einer gesetzten Frist die dafür anfallenden Kosten zu übernehmen, bevor sie die Maßnahme selbst durchführen ließe. „Nach erfolglosem Ablauf der Frist zum 17. Juli sowie der Nachfrist zum 24. Juli hat Bien-Ries schlussendlich eine Ersatzmaßnahme durch eine Fachfirma beauftragt“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. „Der Zugang zu dem Baum erfolgte über unser eigenes Grundstück.“

Anpassung der Eiche in Hanau sei notwendig

Auf die offenen Anschuldigungen Webers hat auch Martin Bieberle, der Fachbereichleiter Planen, Bauen und Umwelt prompt – ebenfalls mit einem offenen Brief – geantwortet. In diesem wirft er Wagner eine „sehr eigenwillige Interpretation der Ereignisse“ vor und ordnet diese aus städtischer Sicht ein: Da die Eiche nicht den gesetzlichen Mindestabstand zum Nachbargrundstück einhält und mit den Zweigen in das neue Baufeld hineinragt, sei eine Anpassung notwendig. Daher schreibt Bieberle: „Mit dem Baumgutachten vom Mai 2020 wurde dargelegt, dass überhängende Äste die Befahrbarkeit des Grundstücks mit Ästen behindern und eine punktuelle Kroneneinkürzung erforderlich ist, um die Durchführung des Bauvorhabens zu gewährleisten.“ Die Bebauung sei durch den Vorhabenträger so angepasst worden, dass die Eiche nicht beeinträchtigt wird. Zu diesem Zweck hatte Bien-Ries zusätzlich eine Schutzvorrichtung weiträumig um die Eiche aufgestellt.

Der Baumschnitt sei außerdem unter der zur Kenntnisnahme der Unteren Naturschutzbehörde beschlossen und gemäß der Naturschutzverordnungen angeordnet worden. Die Genehmigung durch die Behörde sei nicht erforderlich. Der Baum werde weiterhin für die gesamte Dauer des Bauvorhabens vor Schäden an Wurzel, Stamm und Krone geschützt. Auch der geplante Baumschnitt würde dies nicht beeinträchtigen. In dem von Weber dargestellten Ausmaß sei dieser nicht vorgesehen: „Es findet keine einheitliche Kürzung der gesamten Baumhälfte statt“, stellt Bieberle ausdrücklich klar. Im unteren und mittleren Baumsegment sollten Äste mit einem Durchmesser bis fünf Zentimeter um bis zu 2,5 Meter eingekürzt werden. Dieser sogenannte „Lichtraumprofilschnitt“ wird auch im Rahmen von Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt und habe aus städtischer Sicht, da dieser fachmännisch durchgeführt werden sollte, keine negativen Folgen für die Eiche.

Am Dienstag (4. August 2020) soll ein klärendes Gespräch zwischen allen Akteuren eine Klärung des Streitfalls herbeiführen.

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