Mit Vorkaufssatzung und Städtebaumaßnahmen

Struktur des Stadtteils Nordwest schützen: Hanau will gegen Investor vorgehen

Der bedenklichen Entwicklung im Quartier zwischen Bruchköbeler Landstraße und Fallbach will die Stadt Hanau nicht tatenlos zusehen. 
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Der bedenklichen Entwicklung im Quartier zwischen Bruchköbeler Landstraße und Fallbach will die Stadt Hanau nicht tatenlos zusehen. ARCHIV

Hanau – Den Erhalt der Siedlungsstruktur im Stadtteil Nordwest mit seinen ein- und zweigeschossigen Ein- und Zweifamilienhäusern hatte die Stadtverordnetenversammlung im Blick, als sie in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig sowohl eine Vorkaufssatzung für das Gebiet Nordwest als auch die Einleitung städtebaulicher Maßnahmen auf den Weg brachte.

In dem Viertel, das in den 30-er Jahren entstand und in das kinderreiche Familien einzogen, die sich durch die Gärten teils selbst versorgen konnten, werden seit geraumer Zeit Zug um Zug Häuser von einer Immobilienfirma aufgekauft, die darin sehr viele Menschen unterbringt mit allen Problemen, die dies mit sich bringt.

Der SPD-Stadtverordnete Reiner Wegener, Ortsvorsteher in Nordwest, sprach von zugeparkten Gehwegen, von Vermüllung und davon, dass die Neubürger wenig Interesse an einem einvernehmlichen Miteinander hätten. Der Stadtteil drohe zu kippen. Unter den Altbewohnern sei sogar der Gedanke an eine Bürgerwehr schon aufgekommen, andere hätten Angst, erklärte Wegener. Die Veränderungen im Quartier begegneten ihm seinen Worten nach häufig in der Bürgersprechstunde. „Wir wollen, dass das Quartier, in dem viele unterschiedliche Nationen einvernehmlich miteinander wohnen, weiter lebenswert bleibt“, so der Ortsvorsteher.

In dem Stadtteil lebt auch die BfH-Abgeordnete Anne-Dorothea Stübing (BfH). Sie begrüßte die Vorlage, wünschte sich allerdings, dass der sozialpolitische Aspekt noch stärker betont werden müsse. Durch frühzeitigen Zugriff könnten wieder stabile Strukturen hergestellt werden“, ist sie überzeugt.

Überzeugt davon, dass der Magistrat mit den Vorlagen die richtigen Weichen gestellt hat, zeigte sich auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Die Recherchen des HA hätten noch einmal gezeigt, wie ein Unternehmen versuche, sich kräftige Profite zu sichern und immer weiter in den Stadtteil einzukaufen. An die Adresse des fraglichen Investors sagte Kaminsky: „Wir haben von der Zukunft dieses Stadtquartiers eine andere Vorstellung als Sie!“ Darum werde die Stadt intervenieren und mit dem Votum des Stadtparlaments dagegen vorgehen.

Die Bauprojekt Hanau Baubetreuungs- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH (Baupro) soll nun eine städtebauliche Voruntersuchung vornehmen. Danach zieht die Stadt in Betracht, die Entwicklung des Gebiets über die Aufstellung eines qualifizierten Bebauungsplans ins Auge zu fassen, um zu verhindern, dass auf den kleinen Grundstücken immer weiter verdichtet wird. Außerdem sichert sich die Stadt mit der Vorkaufssatzung den Erstzugriff auf Grundstücke, die zum Verkauf stehen.

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