Studentin Miriam Diel forscht im Wildpark:

Was könnte Schafe vor Wölfen schützen?

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Versuchsaufbau im Wolfgehege. Als für die Polarwölfe unüberwindbar stellten sich die an einem Seil aufgehängten Holzstücke heraus. Dabei hätten die Tiere mühelos drunter hergehen können, um an das Futter im Innengehege heranzukommen.

Klein-Auheim - Auch in Deutschland gibt es immer mehr frei lebende Wölfe. Doch nicht jedem ist „Meister Isegrim“ willkommen. Schäfer und Bauern fürchten um ihre Tiere. Von Holger Hackendahl 

Wie können diese vor Wölfen effektiv geschützt werden? Darum geht es in der Bachelor-Arbeit von Miriam Diel. Dafür forscht die Studentin der Biowissenschaften derzeit im Klein-Auheimer Wildpark. Können in Reihe aufgehängte Holzstücke Wölfe davon abhalten, Schafe zu reißen? Diese und weitere Möglichkeiten, Wölfe von ihrem ersehnten Futter fernzuhalten, untersucht derzeit die Studentin der Biowissenschaften an der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Miriam Diel, im Klein-Auheimer Wildpark „Alte Fasanerie“. Die 32-Jährige aus Nidderau führt im Rahmen ihrer Bachelorarbeit eine „Verhaltensbiologische Studie zur Effektivität audiovisueller Barrieren“ durch. Ihre Probanden sind die Mitglieder des jüngeren Polarwolfrudels. Diel wird während ihrer sechswöchigen Studie von Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel betreut.

Die Studie kommt nicht von ungefähr: Allein in Niedersachsen, wo rund 90 Wölfe in neun Rudeln leben, gab es im Jahr 2015 47 Wolfsangriffe auf Schafe, 115 Weidetiere wurden dabei getötet. Mit verschiedenen Mitteln versuchte man Wölfe von ihren Beutetieren abzuschrecken – bisher wenig erfolgreich. Mittlerweile wurden Wölfe – wenn auch Einzeltiere – auch in Hessen gesichtet. Wie diese von Angriffen auf Schafsherden abgeschreckt werden könnten, daran forscht Miriam Diel.

„Mit den drei Polarwölfen habe ich es mir im Laufe meiner Arbeit wohl verscherzt“, lacht die sympathische Studentin. Denn sie will verhindern, dass die Tiere an ihre Futter gehen. Dazu baut sie verschiedene „Barrieren“ optischer und akustischer Art im Gehege auf. „Wenn Polarwolf Inuq mich nur sieht, stellen sich bei ihm schon die Nackenhaare und er schaut grimmig,“ hat die 32-Jährige festgestellt.

Alles zum Wildpark in Klein-Auheim

Eigentlich sollten Seile mit daran baumelnden Holzteilen – ähnlich eines Lattenzauns – für Wölfe keine große Barriere sein, doch auf Inuq, Aslan und Monja wirken sie offenbar unheimlich, hat die Studentin beobachtet. Jeden Morgen ist sie von 7 bis 9 Uhr vor Öffnung des Wildparks am Wolfsgehege für ihre Beobachtungen zugange. Kommen die ersten Besucher, beendet Diel ihre Arbeit, weil die Tiere dann viel zu abgelenkt seien.

„Wenn einer der drei Polarwölfe in eines der Holzstücke beißt, sich alle anderen Teile dann bewegen und auch noch klappern, wirkt das für die Wölfe abschreckend,“ hat die Studentin beobachtet. Dann gehen sie nicht an das dahinter liegende Futter, das so verlockend duftet.

Ein gespanntes Seil mit bunten Stofffahnen dran, habe die drei Wölfe hingegen überhaupt nicht beeindruckt. „Innerhalb kürzester Zeit hatten die Wölfe die bunten Fahnen in Fetzen gerissen und sich dann ihre Futterration geholt“, so Diel.

Wolfsheulnacht im Wildpark

„Unüberwindbar“ wurde hingegen der Weg zum Futter für die Polarwölfe als ein zwölfteiliger Vorhang mit Kirschholzstücken in rund ein Meter Höhe an der offenen Zugangstür baumelte. Davor scheuen die Weißpelze deutlich zurück. Und das selbst nach längerer Zeit. Und so wurde für die tierischen Probanden Schmalhans Küchenmeister. Lieber hungerten die Wölfe, als das sie allen Mut zusammennahmen, um die visuelle Mobilée-Barriere zu überwinden. Dabei bräuchten die Wölfe eigentlich nur unten durch zu laufen oder könnten auch mühelos über die Leine springen.

„Gegen Ende der Versuchsreihe hat es ihnen Dr. Ebel sogar vorgemacht, doch auch das konnte sie nicht überzeugen“, schmunzelt Miriam Diel.

Dass sie im Innenkäfig gefüttert werden, daran wurden die drei Polarwölfe bereits in den drei Wochen vor Beginn der Versuchsreihe gewöhnt. Ohne Barriere mit freiem Zugang zu den Happen. Und als nach der siebentägigen Versuchsreihe die baumelnde Holz-Barriere abgehängt wurde, schlugen sich die Weißpelze sofort den Bauch voll. „40 Kilo Fleisch haben sie dann innerhalb kürzester Zeit gefressen.“

Die mit den Wölfen wohnt

Das eher wenig wissenschaftlich klingende Fazit des Versuchs von Wildpark-Biologin Dr. Ebel: „Unsere Polarwölfe haben absolut Schiss vor der Holzbarriere. Zweimal jeweils sieben Tage haben unsere Tiere für die Wissenschaft gehungert.“

Zuvor hatte Studentin Miriam Diel im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit auch eine Versuchsreihe zum Hörvermögen von Wölfen gemacht. Dazu setzte sie Ultraschall in verschiedenen Frequenzen ein und beobachtete die Tiere. „Ab welcher Frequenz Wölfe hören, ist nämlich unter Wissenschaftlern durchaus umstritten“, weiß Diel.

Und wie reagieren die Klein-Auheimer Wölfe auf Ultraschall? Zumindest ließen sich die drei Wildpark-Polarwölfe von Schallereignissen, die Diel mittels Laptop und Lautsprecher in Richtung Wolfsohr schickte, kaum beeindrucken. „Erst ab 45 Kiloherz haben sie die Frequenz wahrgenommen, die Ohrstellung hat sich verändert – aber ohne Einfluss auf ihr Fressverhalten.“ Schallfrequenzen von 55 und 65 Kiloherz blieben hingegen völlig unbeachtet, erläutert die Studentin. „Menschen hören ab 10 Herz bis 20 Kiloherz, Wölfe hören aber deutlich besser.“

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