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Täglich am Himmel über Hanau: Versandhaus Schwab hatte in den 60ern eine großartige Werbeidee

Ein Werbebotschafter für die Firma und für die Stadt Hanau: Der „Schwab-Zeppelin“ drehte seit Mitte der 1960er Jahre seine Runden am Himmel über dem Wirtschaftswunderland Bundesrepublik. Das Erscheinen dieses Giganten mit 48 Metern Länge, 17 Metern Höhe und 4500 Kubikmetern Volumen, hier auf einem Werbefoto des Versandhauses, wurde für Generationen ein prägendes Erlebnis.
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Ein Werbebotschafter für die Firma und für die Stadt Hanau: Der „Schwab-Zeppelin“ drehte seit Mitte der 1960er Jahre seine Runden am Himmel über dem Wirtschaftswunderland Bundesrepublik. Das Erscheinen dieses Giganten mit 48 Metern Länge, 17 Metern Höhe und 4500 Kubikmetern Volumen, hier auf einem Werbefoto des Versandhauses, wurde für Generationen ein prägendes Erlebnis.

Früher grüßte Hanau bundesweit vom Himmel. Mit einer für seine Zeit, wir reden von den frühen 1960er Jahren, wahrlich revolutionären Werbe-Idee machte der Hanauer Versandhändler Schwab hoch in den Lüften auf sich aufmerksam.

Hanau –Zwar gab es auch damals schon Luftwerbung, so etwa, wenn ein Kleinflugzeug, den Schriftzug „Frankfurter Sechs-Tage-Rennen“ auf einem Spruchband hinter sich herziehend, über der Region seine luftigen Runden drehte. Doch was war so ein Flieger gegen ein richtiges Luftschiff?

Die Maße waren imposant: 48 Meter lang, 17 Meter hoch, mit einem Volumen von 4500 Kubikmetern! Das fiel schon auf am Himmel. Und genau das bezweckte das Hanauer Unternehmen, das alsbald zum drittgrößten deutschen Versandhändler aufsteigen sollte.

Noch länger ist es indes her, dass der pralle Werbebotschafter des Versandhauses den Namen Hanaus in alle Ecken Deutschlands trug. Ende der 1970-er Jahre wurde es still um das Luftschiff mit dem markanten Schriftzug aus Hanau. Die Zeiten änderten sich so rasch, dass der Chronist auch nach längerem Überlegen gar nicht sagen könnte, wann das „Aus“ für den Schwab-Zeppelin kam.

Erstes Erscheinen des Zeppelins von Schwab war eine Sensation

Als der Mitte der 1960er Jahre erstmals am Himmel auftauchte, war das eine echte Sensation. Er ließ bei den Älteren Erinnerungen wach werden an die legendären Zeppeline der Zwischenkriegszeit. Das Unglück von Lakehurst, das den luxuriösen Atlantikquerungen der Zeppelin-Reederei ein Ende bereitete, war gerade einmal drei Jahrzehnte her und noch immer im kollektiven Gedächtnis präsent.

Und die Kinder jener Zeit, Lichtjahre entfernt von den medialen Verführungen unserer Tage, waren einfach nur fasziniert. Allein schon von der schieren Größe des Objekts, das da in majestätischer Ruhe langsam am Himmel seine Runden drehte. Begleitet wurde das Auftauchen der Riesenzigarre am Himmel von einem gleichmäßigen Brummen, welches heutzutage mancher lärmgeplagte Flughafenanrainer nur zu gerne der Geräuschkulisse eines startenden Passagierjets vorziehen würde. Das kam von den beiden 145-PS-Motoren, die das Gefährt auf eine Reisegeschwindigkeit von immerhin 100 Stundenkilometern brachte. Verglichen mit Luftfahrzeugen unserer Tage wahre Entschleunigungswerte!

Marke des „Schwab-Zeppelin“ hatte sich schnell etabliert

Schnell hatte sich für das Luftschiff der Begriff „Schwab-Zeppelin“ etabliert. Er wurde eine „Marke“ der Wirtschaftswunderjahre, so wie das HB-Männchen, der Tiger im Tank oder der VW-Käfer. Und der Schwab-Zeppelin wurde eben auch ein Aushängeschild für Hanau, verband sich doch die Werbung des Versandhauses am Kinzigheimer Weg stets mit dem eigenen Standort: Schwab-Versand und Hanau wurden immer in einem Atem- oder Schriftzug genannt.

Derweil, und das interessiert jetzt vor allem Insider, war der Schwab-Zeppelin gar kein richtiger Zeppelin, wie ein offenbar kundiger Kollege aus der HA-Redaktion schon vor Jahren einmal aufklärte: Das Luftfahrzeug mit der Kennung D-LAVD, später D-LDMF sei ein Blimp. Ein Prall-Luftschiff also, welches sich in seiner Hülle selbst trägt, im Gegensatz zu einem Zeppelin, der eines starren Gerüstes zur Stabilisierung in seinem Inneren bedarf.

Bleibt nur noch die Frage: Wie kam Firmenchef Friedrich Schwab auf dieses ebenso faszinierende wie wirksame und ausgefallene Werbemittel? Nun – Schwab, Jahrgang 1912 – hatte im Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe gedient. Er war Kommodore eines Nachtjagdverbandes gewesen und hatte das Kriegsende als Major erlebt. Seine Affinität zum Fliegen hatte er sich bewahrt, und so fand im Schwab-Zeppelin schließlich nicht nur ein wirksames Werbemittel für sein Hanauer Versandhaus, sondern auch einen äußerst friedlichen Weg, Luftfahrttechnik zu nutzen.

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