Tag der Archive

Als Goethe in Hanau Socken bestellte

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Archivarin Monika Rademacher führte durch das Hanauer Stadtarchiv und zeigte unter anderem dieses Originaldokument zur Hanauer Neustadtgründung.

Hanau - Die Hanauer Geschichte ist lang und bewegt. Viele historische Ereignisse wurden schriftliche festgehalten und dokumentiert.

Diese Dokumente schlummern für die Öffentlichkeit nicht zugänglich in den städtischen Archiven, doch zum Tag der Archive am Samstag hatten Stadtarchiv und Bildstelle im Kulturforum Hanau ihre Türen geöffnet und ermöglichten Einblicke in das niedergeschriebene oder bildlich festgehaltene Gedächtnis der Stadt. In dem neuen Archiv haben hinterlassenen Aufzeichnungen vom 15. Jahrhundert bis in die Neuzeit ihren Platz gefunden. Kein wirklich wirtlicher Platz, weiß getüncht, kaltes Neonlicht, schmale Gänge zwischen den Stahlschränken, die mit Hilfe schwarzer Kurbeln auseinander schwingen und den Weg in die Aktenflure freigeben.

Doch die Akten sind dort gut behütet. Das gewünschte Klima wird gerade eingependelt. Auf 20 Grad Celsius und auf rund 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, erklärt Archivarin Monika Rademacher ihren Gästen. Viele Besucher sind es nicht. Bei der ersten Führung waren es fünf, bei der zweiten etwas mehr. Gut so, sagt Rademacher, denn so kriegt jeder alles mit und der Blick ist frei auf die ausgewählten Exponate, die meist handschriftlich festgehaltene Geschehnisse in Hanau dokumentieren. Unter anderem einen Brief von Johann Wolfgang von Goethe, der in Hanau schwarze und weiße Socken bestellt hatte.

Doch nicht immer sind die Dokumente Anlass für Heiterkeit. Die Stellenbeschreibung für den Henker wirkt eher makaber, verlangt nicht nur das saubere Trennen des Kopfes vom Körper, sondern auch das gekonnte Brechen von Fingern und das Entsorgen von Kadavern.

Im Original zu sehen ist auch die Zieglersche Chronik, laut Rademacher „ein ganz großes Bonbon“. Denn Chronist Ziegler „hat alles erfasst“. In seinen Aufzeichnungen befinden sich Bekanntmachungen, Zeitungsartikel und gesammelte Schriften bis hin zu Speisekarten. Selbst wo die Hanauer Bordelle im 19. Jahrhundert standen, erwähnt der Chronist.

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Dann geht die Reise durch Hanaus Vergangenheit weiter. Das Original eines Alarmbuches wird präsentiert, in dem die Fliegeralarme Ende des Krieges dokumentiert sind. Und ein Buch mit den Namen der in Hanau tätigen Zwangsarbeiter. Ein Dokument, das nach dem Gesetz für die Entschädigung von Zwangsarbeitern eine ganz besondere Bedeutung erlangt hat. „Man hat uns die Türen eingerannt“, berichtet Rademacher. „Und dank der akribischen Aufzeichnungen konnten wir in ganz vielen Fällen Hilfe leisten“.

Als historischer Höhepunkt liegt das Original der „Capitulation“ aus. Das Pergament, mit dem 1597 die Gründung der Hanauer Neustadt durch die Glaubensflüchtlinge festgelegt wurde.

Das Hanauer Stadtarchiv präsentierte sich am Samstag als Schatz mit unermesslicher Vielfalt. Sechs Kilometer stehen zur Aufbewahrung der Akten und Schriften zur Verfügung, etwas über die Hälfte ist belegt, sagt Monika Rademacher. Das meiste ist bereits dank moderner Technik auch digital verfügbar, abrufbar über Kenn- und Stichworte, erklärt Stephan Loquai vom Stadtarchiv, sodass die Originale im klimatisierten Archiv weiter schlummern können. 

dk

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