Markttreiben und Gewerbeschau

Tausende Besucher bei Irminratsmarkt

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Das Mittelalter lebte wieder auf beim „10. Großauheimer Irminratsmarkt“, bei dem sich Spielleute, Gaukler und Ritter ein fröhliches Stelldichein gaben. 

Grossauheim - Eine besondere Mischung aus mittelalterlichem Spektakel, Markttreiben und Gewerbeschau ist der „Irminratsmarkt“ in Großauheim. Am Wochenende lockte die zehnte Auflage Tausende in den Stadtteil. Von Dieter Kögel

Wenn in der Hauptstraße Sackpfeifen tönen, Flöten zu hören sind und Trommeln wirbeln, wenn mittelalterlich gewandete Standbesitzer Schmuck, Seife, Honig aus aller Welt oder Liköre aus heimischen und fremdländischen Früchten anbieten, dann ist der „Irminratsmarkt“ angesagt. Am Samstag und gestern fand das diesjährige bunte Treiben statt, das an das Jahr 806 erinnert, als die Edle Frau Irminrat die kleine Siedlung an das Kloster Lorsch verschenkte. Es ist die erste urkundliche Erwähnung Auheims..

Seit mittlerweile zehn Jahren wird die Großauheimer Hauptstraße samt Großkrotzenburger Straße jeweils zwei Tage lang gesperrt, um mittelalterlich Gewandeten und und ihrer Handwerks-kunst Platz zu geben. Aber auch bei denen hat die Neuzeit Einzug gehalten. Denn die am Stand in „Thalern“ oder „Dukaten“ ausgepreisten Waren werden auch gegen Euros ausgehändigt. Mancher mittelalterliche Händler hat gar ein Schild am Stand hängen: „Kreditkartenzahlung ist möglich.“ Und dass aus dem Wams, wenn der Klingelton ruft, schnell das Handy herausgekramt wird, versteht sich von selbst.

Am Samstag beim Aufbau, so gestand eine Frau im blauen Baumwollkleid an ihrem Zeltstand, habe man sogar die Wetter-App befragt. Denn die Wolken hatten zunächst nichts Gutes verheißen. Doch im Laufe des Tages wurde es besser, die Sonne gewann die Überhand, und der Kollege am Stand rückte seinen mit Schafsfell belegten Liegestuhl in die Sonne und entspannte sich. Beim Anblick der Kamera verschwindet freilich die Bierflasche. Doch die sei zumindest vom Inhalt her mittelalterlich authentisch. „Metbier“ eben, wenn auch nicht aus dem Fass oder Schlauch, sondern aus der Flasche. Beim Irminratsmarkt wird das nicht so eng gesehen.

Bilder vom Irminratsmarkt

Bilder vom 10. Irminratsmarkt in Großauheim

Schließlich werden von ansässigen Optikern auch Sonnenbrillen wegen Sortimentswechsel zu Sonderpreisen angeboten, Teigmischungen von Rührmaschinen auf offener Straße hergerichtet oder „Rahm Flecken“ mit Hilfe von Elektrizität zubereitet. Auch als mittelalterlicher Anbieter muss man eben konkurrenzfähig bleiben mit dem Flammkuchen am Rochusplatz, mit Nürnberger Bratwürsten, Cevapcici oder Frühlingsrollen.

Das Angebot ist üppig, und allzu lange Warteschlangen gab es zumindest am Samstag nicht. Auch Platz auf den Bänken war immer noch zu haben, auch wenn zuweilen zusammengerückt wurde. Schließlich ist der „Irminratsmarkt“ auch ein Platz der Begegnungen, etwa beim Speisen oder beim guten Schluck Wein auf dem Rochusplatz, wo sich auch in diesem Jahr wieder Spielleute und Gaukler, Zauberer und Musiker im Wechsel ein Stelldichein gaben. „Teufelszeug,“ das misstrauisch von einem mittelalterlichen Kleriker beäugt wurde, der sich dann aber doch überreden ließ, den Markt zu eröffnen und ihn unter Gottes Segen zu stellen. Gestern dann erlebte der „Irminratsmarkt“ beim verkaufsoffenen Sonntag und bei strahlendem Wetter nochmal einen riesigen Zulauf.

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