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Taxiräuber-Prozess: Staatsanwältin und Verteidigung halten Plädoyers - Täter weint im Gerichtssaal

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Drei junge Männer haben in Hanau und Umgebung Taxifahrer brutal überfallen.

Im Prozess um die brutalen Überfälle auf Taxifahrer in Hanau und der Region haben Verteidiger und Staatsanwaltschaft ihr Plädoyers gehalten. Die Forderungen gehen stark auseinander.

  • Drei junge Männer haben in Hanau und der Region Taxifahrer brutal überfallen
  • Jetzt wurden im Prozess vor dem Landgericht Hanau die Plädoyers gehalten
  • Einer der Täter reagierte emotional

Hanau – Wie sind ein gerade mal 16-Jähriger und seine beiden Komplizen im Alter von 19 und 20 Jahren, die in wechselnder Besetzung vier Taxifahrer überfallen haben, zu bestrafen? Vor der 2. Jugendkammer am Hanauer Landgericht gehen die Meinungen auseinander.

Während Staatsanwältin Lisa Staab Jugendstrafen zwischen dreieinhalb und zweieinhalb Jahren fordert, plädieren die drei Verteidiger auf mildere Sanktionen.

Taxifahrer leiden nach brutalen Überfällen unter schlimmen Folgen

„Es sind massive Folgen, unter denen die Opfer immer noch zu leiden haben“, so die Anklägerin in ihrem Schlussvortrag, in dem sie die Tatvorwürfe als bestätigt sieht. Viermal haben die Angeklagten Taxifahrer in Hanau sowie Langenselbold ausgeraubt und dabei drei Fahrer verletzt – einer erlitt Gesichtsfrakturen. Das alles wegen ein paar Scheinen aus den Portemonnaies – insgesamt etwas mehr als 1000 Euro.

Zwar hätten alle drei ihre Verbrechen gestanden, diese seien jedoch nur Teilgeständnisse gewesen, in denen „viel beschönigt“ und „keine echte Reue gezeigt“ worden sei. Die Entschuldigungen an die Opfer seien ebenso „wenig überzeugend“ gewesen.

Überfälle auf Taxifahrer: Staatsanwältin fordert Jugendstrafen für Täter

Vielmehr hätten sich die Räuber gezielt ältere Taxifahrer ausgesucht und die Überfälle im Vorfeld geplant. Für die Taten, so Staab, sollen nun Jugendstrafen ausgesprochen werden.

Der 16-jährige „Momo“, der an allen vier Raubzügen beteiligt und sich in allen Fällen die Geldbeutel schnappte, soll zweieinhalb Jahre hinter Gitter. L., sein vier Jahre ältere Komplize, der an drei Fällen beteiligt gewesen ist, soll das gleiche Strafmaß bekommen.

Nach brutalen Überfällen auf Taxifahrer: Täter droht heftige Strafe

Der 19-jährige S., der nur bei zwei Überfällen dabei war, aber für die schwersten Verletzungen gesorgt hat, soll die höchste Strafe erhalten. Er ist bereits wegen Körperverletzung vorbestraft und sitzt eine Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten ab.

Diese soll zu einer Gesamtstrafe von dreieinhalb Jahren werden, so die Staatsanwältin, die verdeutlichte, dass nach dem Erwachsendenstrafrecht Gefängnisstrafen von „drei Jahren aufwärts“ im Gesetz vorgesehen sind.

Wegen Drogensucht: Verteidiger fordert milde Strafe für Täter nach Überfällen auf Taxifahrer

„Momos“ Verteidiger Moritz Kernbach verweist ebenfalls darauf, dass das Jugendgerichtsgesetz ein „Erziehungsrecht“ sei und sein Mandant „nicht der Haupttäter“ sei. „Seine Entschuldigungen sind keine Floskeln“, so Kernbach, der darauf verweist, dass der 16-Jährige durch seine Cannabis-Abhängigkeit eine Therapie benötige. „Ich bitte das Gericht, meinem Mandanten eine Chance zu geben.“

Peter Oberländer, der Anwalt von L., verweist darauf, dass der 20-Jährige „einen Job in Aussicht“ habe und seine Taten bereue. Daher plädiert er auf eine Bewährungszeit für seinen Mandanten.

Prozess um Überfälle auf Taxifahrer: Finanzielle Entschädigung für Opfer

Dass eine Bewährungsstrafe für S. angesichts der Vorstrafen dagegen unrealistisch ist, weiß Rechtsanwalt Volker Bernhardt, der eine Jugendstrafe „nicht über zweieinhalb Jahren“ für angemessen hält.

Alle drei Verteidiger erklärten zudem, dass die Familien aller drei Angeklagten insgesamt 5000 Euro zugesichert hätten, um den Opfern als Entschädigung zu zahlen.

Überfälle auf Taxifahrer: Täter ist drogensüchtig

Zuvor hört die Jugendkammer die Vertreterinnen der Jugendgerichtshilfen von Stadt und Kreis, die alle drei begutachtet haben. „Momo“ ist bislang ein unbeschriebenes Blatt gewesen.

Er hat jedoch ein großes Problem: seinen Cannabis-Konsum. Bisher hat er es nicht geschafft, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Eine Therapie sei daher dringend angeraten, seinen „falschen Freundeskreis“ sollte er meiden.

Denn es ist schon ungewöhnlich, dass ein 16-Jähriger in Untersuchungshaft genommen wird. Er hat jedoch nur vier Wochen „gesessen“, danach ist er verschont worden. Gegen die Auflagen hat er aber verstoßen und weiter gekifft.

Prozess um Überfälle auf Taxifahrer: Appell an Täter

„Unreifes Sozialverhalten“ bescheinigt die städtische Sozialarbeiterin auch dem 19-jährigen S., der bereits eine einschlägige Jugendstrafe bekommen hat. Bei ihm sind die „positiven Entwicklungstendenzen gefährdet“.

Eine klare Sprache spricht die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe des Kreises, bei der L. bereits seit 2015 bekannt ist. Sie spricht den Angeklagten direkt an: „Du hast die besten Voraussetzungen – du kannst es schaffen.“

Täter weint bei Prozess um brutale Überfälle auf Taxifahrer

Allerdings muss sie ihm „schädliche Neigungen“ attestieren: „Die Überfälle – das ist richtig übel.“ Dann liest sie ihm die Leviten: „Ihr habt Menschen angegriffen, die einfach nur ihre Arbeit machen – Menschen, die hart arbeiten – genauso wie eure Eltern!“

Bei L. scheinen diese Worte angekommen zu sein. In seinem letzten Wort laufen ihm die Tränen und er entschuldigt sich – auch bei seiner Mutter, die im Zuschauerraum schluchzt.

Dezember/Januar: In Hanau und Langenselbold werden innerhalb von zwei Wochen vier Taxifahrer ausgeraubt.

7. bis 13. Januar: Fahndungserfolg für die Kripo. Einer nach dem anderen werden die drei mutmaßlichen Täter im Alter zwischen 16 und 20 Jahren festgenommen und in Untersuchungshaft geschickt.

22. Juni: Prozessauftakt vor der Jugendkammer, die Angeklagten legen Geständnisse ab.

1. Juli: Die Opfer sagen als Zeugen aus.

6. Juli: Die Plädoyers werden gehalten, unterschiedliche Jugendstrafen gefordert.

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