„Das ist Teamarbeit“

Museumseisenbahner machen Fuhrpark fit für neue Saison

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„Für die Ewigkeit gebaut“: Die historischen Dampflokomotiven im Fuhrpark des Vereins „Museumseisenbahn Hanau“ sind beeindruckende Zeugnisse menschlicher Erfinder- und Ingenieurskunst.

Großauheim - Dünner Rauch steigt aus dem Schornstein der alten Dampflok auf und verteilt sich im Nu im Lokschuppen. Das Zugpferd des Vereins „Hanauer Museumsbahn“ wird auf die ersten Ausfahrten vorbereitet und das Wasser im Dampfkessel schon mal aufgewärmt. Von Matthias Grünewald

Vor allem an den Wochenenden wird überall im Schuppen und auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks in den Heideäckern gewerkelt. „Zu tun gibt es immer etwas“, sagt der Vorsitzende des Vereins André Labes. Die Bremsanlage der Waggons muss überprüft werden, die auf dem Gelände stehenden Wagen restauriert, Schlaglöcher ausgebessert oder die Drehscheibe, immerhin von 1936, repariert werden. „Das ist zurzeit eine unserer dringendsten Aufgaben. Denn hier hat der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen und Rost macht sich breit,“ erklärt Labes.

An einer Deutz Rangierlok aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit frisch lackiertem grünem Führerhaus arbeiten derweil Oliver Mickel und Axel Karl. Neue Lichtleitungen werden eingezogen. Und der Motor läuft auch noch nicht rund. Mit Schraubschlüsseln dick wie Unterarme nehmen die beiden Eisenbahnfreunde die Maschine auseinander.

Eigentlich sind sie im Hauptberuf Verwaltungsfachwirt und Elektromonteur. „Die Arbeit an den alten Museumsstücken ist Liebhaberei und ein Ausgleich zum Bürojob,“ sagt Olli Mickel. Rund 20 aktive Mitglieder des Vereins helfen vor allem an den Wochenenden mit, ihre Bahn auf Vordermann zu bringen. „Wenn das Wetter besser ist, sind wir auch mehr“, sagen sie.

Im alten Waggon eines Bauzugs haben die Arbeiter ihre Aufwärmstube eingerichtet. Die Kaffeekanne steht auf dem Tisch und über dem Kohleofen lassen sich die kalten Hände wieder auftauen.

Ein paar Meter weiter, im alten Lokschuppen, sprühen die Funken. Ein Helfer hat die Schleifmaschine am blätternden Lack angesetzt und bereitet den Untergrund für einen Neuanstrich vor, während sich ein drahtiger Senior im rußverschmierten Blaumann um die Kolben der neuesten Errungenschaft kümmert.

Werner Hein ist gelernter Ingenieur für Luftfahrt und so etwas wie der Bauleiter des Restaurationsprojektes. Das gute Stück, um das sich die Männer kümmern, ist eine polnische Dampflok, ebenfalls aus den 50er Jahren, die einst im schlesischen Bergland ihren Dienst tat.

„Echte Spitzentechnologie, gebaut für die Ewigkeit“, schwärmt Hein und lässt den Blick über den massiven Stahl gleiten. Hein kennt jede Schraube, jeden Bolzen und jeden Splint an der Lok. „Das muss man auch“, sagt er und dazu kennt er jede Menge Geschichten aus dem Leben der Lokführer der guten alten Zeit. Wie solche, als die Lokführer ihre Kartoffeln im heißen Wasser des Dampfkessels garten oder mühelos auch über tief verschneite Schienen fuhren, wenn die moderne Bundesbahn längst ihren Betrieb einstellen muss.

„Niemand repariert eine Lok alleine. Das ist Teamwork“, sagt Hein. Zwei Jahre haben Olli Mickel und Axel Karl bereits in die Aufarbeitung der Rangierlok gesteckt. „Immer nur an Wochenenden. Manchmal auch an Sonntagen, wenn die Ehefrau ihre Ruhe haben wollte“, schmunzelt Karl. Bald soll die Lok ihren ersten Einsatz auf dem Bahngelände bekommen.

Auch für die Dampflok aus Polen gibt es bereits einen Fahrtermin. „Der 6. Dezember“, sagt Olli Mickel und fügt eilends hinzu. „Nur wissen wir noch nicht, in welchem Jahr.“ Bei den Eisenbahnfreunden denkt man eben in großen Zeiträumen. Doch ein Tag rückt unabwendbar näher. Die erste Ausfahrt der Saison. Die findet am 29. April statt und führt nach Stockheim. Und dann ist ja auch noch das große Lokschuppenfest am 5. und 6. Mai.

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