Teilhabe auch in der Kunst

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Bilder, die behinderte Künstler der Lebenshilfe-Malergruppe „Gärtnerhaus“ geschaffen haben, sind derzeit in einer Ausstellung im Südfoyer des Congress Parks Hanau zu sehen.

Hanau ‐ „Ich bin mittendrin“, nennt Alexandra Seidel ihr Bild. Es zeigt ein Gesicht, um das farbige Papierstücke geklebt wurden, die an Fragmente des eigenen Lebens erinnern. Die Künstlerin ist eine von zehn Mitgliedern der Malgruppe „Gärtnerhaus“ der Lebenshilfe Hanau, die ihre Werke im Südfoyer des Congress Park Hanau anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Lebenshilfe, der Öffentlichkeit zeigen. Von Matthias Grünewald

Zehn Menschen mit multiplen Behinderungen haben hier unter Anleitung von Karin List an ihren Bildern gearbeitet. Entstanden sind persönliche Einsichten, die mit ganz unterschiedlichen Materialien zum Ausdruck gebracht werden.

Ein Leopard blickt zähnefletschend dem Betrachter ins Auge. Farbige Applikationen von Wellpappe wirken mit ihrer Wellenstruktur wie die Gitter eines Käfigs. „Halte Abstand“, titelt Andreas Dohle sinnfällig.

Die Titel der Bilder entstehen in einem gemeinsamen Dialog, sagt Karin List, genauso wie die Bilder selbst. „Aus einem Angebot an Materialien wählen die Künstler das für sie passende aus. Manchmal bittet auch einer der Maler darum, das ich seine Hand führe.“ Dynamische und expressive Feuerwirbel sind das Ergebnis dieser Kooperation zwischen List und dem blinden Roberto Dinis. „Ich fühle mich sicher“ oder „Aus einer fremden Welt“, heißen Bilder, die von der Erfahrungswelt der Menschen mit Behinderungen berichten.

Kampf ums Recht auf Inklusion

Genauso wie jene Werke, die nach Vorlagen gemalt wurden. „Anlässlich einer Fahrt nach Berlin, zur ehemaligen Mauergrenze, beschäftigten wir uns mit dem Thema: Grenzen aufbrechen“, erzählt List. Eine Vielzahl von Kopien jener Mauerbilder sind so entstanden, mit einer Bedeutung im doppelten Sinne. Denn nach wie vor kämpfen Menschen mit Behinderung um Akzeptanz in der Gesellschaft.

„Diese Grenzen zwischen Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderten aufzubrechen, ist das, wofür wir kämpfen,“ sagte die Vorsitzende der Lebenshilfe, Doris Peter, anlässlich der Ausstellungseröffnung. Das Recht auf Inklusion, nämlich die Teilhabe behinderter Menschen an allen Lebensbereichen, ist Bestandteil der UN-Menschenrechtskonvention. Und doch sieht die Realität oft anders auch. Das musste auch die Malgruppe „Gärtnerhaus“ erfahren, als ihr der Besuch einer Berliner Gaststätte verwehrt wurde mit den Worten: „Für euch haben wir keinen Platz.“

„Früher hat man mit behinderten Menschen nichts anfangen können und sie in Sondereinrichtungen abgeschoben,“ erinnerte Doris Peter. Heute gibt es Forderungen, diese Sondereinrichtungen gleich ganz abzuschaffen. Doch für Doris Peter ist das Streben nach Teilhabe ein kontinuierlicher Prozess und nichts, das man übers Knie brechen sollte.

Unterstützung, Solidarität, Begegnung, Respekt, Anerkennung und Würde seien Schlagworte einer inklusiven Gesellschaft, die niemanden ausschließe. Davon erzählen auch die Bilder der Ausstellung in eindrucksvoller Weise. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Februar zu sehen. Geöffnet ist jeweils dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr.

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