Idee für ein Kreativzentrum

Tanzen im alten Lesesaal

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Letzte Vorbereitungen für die „Library“-Club-Disco im Kanzleigebäude. Heute ist Eröffnung mit geladenen Gästen, am 3. Dezember dann fürs breite Publikum

Hanau - Wo sich im vergangenen Jahr noch die altehrwürdige Bibliothek der Wetterauischen Gesellschaft befunden hat, wird bald zu Elektro-Beats getanzt. Im Erdgeschoss wurde eine so genannte Off-Location für zeitweise Veranstaltungen eingerichtet. Von Christian Spindler 

Derweil werden neue Ideen für eine dauerhafte Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes ventiliert. Im alten Bibliothekssaal im Erdgeschoss haben Techniker unter dem Deckengewölbe eine Licht- und Tonanlage für Club-Partys installiert. Ein Pult für den DJ wurde eingebaut, auch eine Theke. Vieles ist in Schwarz gehalten. Seit fast drei Wochen lässt Gastronom Rocky Musleh das Erdgeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes für sein Musik- und Kulturprojkt „Library“ (Bücherei) umgestalten: Neuer Boden, Schallschutz, Lüftung, neue Farbe. Die Stadt hat Musleh, der bereits das Lokal „Der Laden“ an der Salzstraße, die neue Bar „Goldmarie“ am Altstädter Markt und zur Sommerzeit den „Mainladen“ am Großauheimer Mainufer betreibt, das Erdgeschoss des Kanzleigebäudes überlassen - mietfrei. Der 31-Jährige muss freilich Nebenkosten und alle Investitionen übernehmen (wir berichteten). Der Vertrag läuft zunächst bis Mitte 2017. „Wir sind froh, dass es hier eine temporäre Nutzung gibt“, sagte Stadtentwickler Martin Bieberle.

Denn was dauerhaft am Schlossplatz passieren soll, ist auch 16 Monate nach dem Auszug der Stadtbibliothek unklar. Pläne für ein Brüder-Grimm-Zentrum waren in der Vergangenheit aus Kostengründen verworfen worden, Hotel-Projekte gescheitert. Ein Umzug der Volkshochschule vom Ulanenplatz an den Schlossplatz sei nach wie vor ebenso eine Option wie eine privatwirtschaftliche Nutzung, betont Bieberle. Die Entscheidung ist zuletzt vertagt worden. Man will, wie berichtet, nochmal alle Möglichkeiten prüfen.

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Eine neue Variante könnte mit der Initiative Muslehs hinzugekommen sein. Demnach könnte im gesamten Kanzleigebäude und im benachbarten Haus des Handwerks eine Art Kultur- und Kreativzentrum entstehen: Unten gastronomische und kulturelle Nutzungen von Club bis Bistro, oben und im Haus des Handwerks Büros für Start-up-Unternehmen aus der Kreativbranche. Bislang sei das nur „eine Arbeitsidee“, meint Bieberle. Immerhin: Am Donnerstag gab es bereits einen Ortstermin mit einem Vertreter der Landesregierung; ein erstes Ausloten von Konzept- und Fördermöglichkeiten. Weitere Gespräche mit potenziellen Kooperationspartnern sollen folgen. Ob solch in Projekt überhaupt eine Chance auf Realisierung hat, sei momentan nicht abzuschätzen, sagt Bieberle. „Ich könnte dazu nicht mal eine Prozentzahl der Wahrscheinlichkeit nennen.“ Vor allem müssen Finanzierungsfragen geklärt werden. Allein die Sanierung des Kanzleigebäudes würde laut Bieberle nach ersten Schätzungen „vier bis fünf Millionen Euro“ kosten.

Vorerst wird Rocky Musleh das Erdgeschoss des Kanzleigebäudes für einzelne Veranstaltungen nutzen. „Vier bis fünf werden es im Dezember sein“, sagt er, darunter eine Kinderdisco, ein Mashup-Disco, eine Fete mit den HSG-Handballern und eine Silvesterparty. Lesungen und Vorträge könnten folgen, heißt es. Die Disco-Partys für bis zu 150 Leute sollen bis 3 Uhr gehen, sagt Musleh. Probleme mit Anwohnern sieht er nicht. Man habe einen guten Schallschutz installiert. „Draußen hört man nichts.“

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