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Reifenhersteller Dunlop wird 125 Jahre alt

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Die Firma Dunlop experimentierte auch mit dem Phänomen Aquaplaning. So kam es 1960 zu erheblichen Fortschritten in der Erforschung des Problems, bei dem im Fall von Wasser auf der Straße das Auto wegrutscht.
Die Firma Dunlop experimentierte auch mit dem Phänomen Aquaplaning. So kam es 1960 zu erheblichen Fortschritten in der Erforschung des Problems, bei dem im Fall von Wasser auf der Straße das Auto wegrutscht. © Dunlop

Hanau - Mitten in der Gründerzeit nahm sich der wagemutige Harvey Du Cros 1893 ein Herz und gründete wegen der hervorragenden Verkehrsanbindung direkt in Hanau an der Bruchköbeler Landstraße ein Reifenwerk. Von Axel Wölk

Damit legte der tatkräftige Mann den Grundstein für die heute an der Dunlopstraße liegende Fabrik des Reifenherstellers Goodyear Dunlop, in der zunächst 28 Menschen Arbeit fanden. Das Kuriose: Zu jener Zeit hatte das Auto überhaupt noch nicht seinen Durchbruch erlebt und zunächst fertigte er in Zusammenarbeit mit Alfred Kleyer von den Adler-Werken aus Frankfurt Reifen für Fahrräder. Der Ire John Dunlop, der immer noch im Konzernnamen firmiert, hatte 1888 überhaupt erst den Luftreifen erfunden. Vorher mussten sich die Menschen mit Holzrädern begnügen. Dann kam in der noch jungen Geschichte der Fabrik ein einschneidendes Ereignis. Nur knapp zehn Jahre nach der Gründung brannte die Fabrik ab. Doch bereits 1903 war das neue Werk mit 200 Beschäftigten bezogen und konnte produzieren. Das fiel den Hanauern nicht sonderlich schwer. Die Fabrikleitung erkannte die Zeichen der Zeit und setzte auf den Siegeszug der Autos. Das Werk hatte das Produkt gefunden, mit dem es auch heute noch den deutschen, österreichischen und schweizerischen Markt bedient.

Aber die Hessen fertigten in ihrer Geschichte immer auch andere Erzeugnisse. So waren Tennisbälle und Latex-Matratzen lange Zeit echte Renner. Berühmt sind die Dunlop-Tennisbälle, mit denen in den 1980er Jahren Boris Becker zu seinen Wimbledon-Siegen aufschlug. Dunlop stattete auch die damals weltbeste Tennisspielerin Steffi Graf aus. Doch es gab auch Gewitterwolken in der Historie. Im Jahr 1944 wurde die Fabrik fast ausgebombt. Zwar ließen sich die Schäden ziemlich schnell beheben – Mitarbeiter bauten das Werk innerhalb weniger Monate wieder auf –, aber die Wunden gruben sich tief ein.

Insgesamt blieb der Fokus der Hanauer über die 125 Jahre Werksgeschichte stets bei den Luftreifen. Am Standort gibt es eine Forschungsabteilung, die es von den Leistungen wohl durchaus mit dem Entwicklungszentrum von Opel in Rüsselsheim aufzunehmen vermag und 180 Mitarbeiter stark ist. Die Hessen erzielten dabei eine Reihe von bemerkenswerten Innovationen. So kam es etwa im Jahr 1960 zu erheblichen Fortschritten in der Forschung rund um Aquaplaning, bei dem im Fall von Wasser auf der Straße das Auto wegrutscht. In den Wirtschaftswunderjahren gelang dem Werk 1954 die Entwicklung des ersten schlauchlosen Autoreifens, wie er heute gang und gäbe ist.

Rund 40 Jahre später folgte dann ein besonders leichter Reifen, der das Gewicht der Autos glatt um zwölf Kilogramm reduziert. Etwa fünf Jahre später stellte die Fabrik ein System vor, mit dem der Fahrer vor niedrigem Druck auf seinen Reifen gewarnt wird.

In diesem Jahr stellten die Hanauer auf dem Genfer Automobilsalon einen speziell für E-Autos gefertigten Reifen vor. Elektro-Pkw sind wegen der wuchtigen Batterien besonders schwer. Der extra produzierte Reifen verfügt über eine härtere Mischung. So lässt sich zum Beispiel die Reichweite der E-Autos verbessern.

Die Hanauer Dunlop-Werke aus der Luft.
Die Hanauer Dunlop-Werke aus der Luft. © Dunlop

Ein epochales Ereignis auf Konzernebene war 1999 die Fusion zwischen Goodyear und der japanischen Konzernmutter Sumitomo der Marke Dunlop. Es entstand der damals weltgrößte Reifenhersteller. Seitdem liegt die Konzernzentrale für die Hanauer Fabrik mit ihren rund 2 200 Mitarbeitern im US-Bundesstaat Ohio. Zugleich werden die Produktionsstandorte in Europa von Luxemburg aus gesteuert. Trotzdem sieht sich die rund um die Uhr laufende Fabrik aus Hanau gut für die Zukunft gerüstet. Goodyear Dunlop zählt neben Continental, Michelin und Bridgestone zu den Großen der Branche. Der Konzern hat sich vor allem aufs Premiumsegment spezialisiert und beliefert etwa Autobauer wie Daimler und BMW, aber auch Jaguar und Porsche. Die Hanauer wiederum haben sich auf die in Europa absatzstärksten Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeschossen. Viel Platz für Erweiterungen gibt es am Sitz in der Dunlopstraße ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof allerdings nicht. Früher standen auf dem Firmengelände noch ein Schwimmbad, Tennisplätze und sogar ein Pub. Große Teile davon werden heute als Lagerfläche genutzt.

Das einst sogar als etwas verstaubt geltende Geschäft mit Autoreifen prägt heute eine Dynamik. Immer mehr Chips werden in die Reifen verbaut und auch die Revolution mit dem E-Auto wirft ihre Schatten voraus. Die vorerst letzte Entwicklungsstufe werden miteinander kommunizierende Reifen sein, die über Chips verbunden sind und etwa vor Glatteis warnen. Es läuft auch bei Autoreifen auf das „Internet der Dinge“ hinaus.

Die Hanauer Fabrik und der Geschäftsführer Jürgen Titz für Goodyear Dunlop Germany wollen diese Zukunft entscheidend mitgestalten. Erhebliche Investitionen dürften dafür aber gebraucht werden. Zunächst einmal steht Ende September jedoch die 125-jährige Geschichte im Vordergrund. Dann feiern die Mitarbeiter das Jubiläum im Beisein vom Hanauer Bürgermeister Claus Kaminsky.

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