Großer Hausputz vor dem Fest soll den Herdgott besänftigen

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Duftende Mandarinenbäumchen werden in Vietnam zum Neujahrsfest geschmückt.

Hanau/Bac Giang - Ein Jahr lang absolviert die 20-jährige Hanauerin Teresa Reif ein Freiwilliges Soziales Jahr in Vietnam. Dort arbeitet sie in Einrichtungen der Diakonie Mitteldeutschland in der Provinzstadt Bac Giang, in denen Waisenkinder, Kinder mit Behinderungen und alte Menschen betreut werden.  Von Teresa Reif

In der Serie „Teresas Welt - ein Jahr in Vietnam“ berichtet die junge Hanauerin über ihre Erlebnisse, schildert Eindrücke und Beobachtungen. Heute geht es um Tet Nguyên Dán, das vietnamesische Neujahrsfest.

Während das neue Jahr in vielen Teilen der Welt schon beinahe wieder einen Monat alt ist, hat es hier in Vietnam gerade erst angefangen. Der Blick zum Nachthimmel am 23. Januar verrät es: Neumond - der erste in diesem Mondjahr. Mit dem dreitägigen Neujahrsfest, Tet Nguyên Dán, besser bekannt als Tet, wird das Jahr des Drachens 2012 begrüßt.

Für das Fest der Feste, mit dem auch die Frühlingszeit beginnt, werden hierzulande viele Vorbereitungen getroffen. Ähnlich wie bei uns in der Vorweihnachtszeit, wird ein paar Wochen vor Tet viel gekauft, gekocht, geputzt und geschmückt.

Räucherstäbchen verbreiten in den buddhistischen Pagoden eine magische Stimmung.

Auch meine Mitbewohnerin Châu und ich haben uns vom wuselnden Treiben der Tet-Vorbereitungen mitreißen lassen und waren bereits Wochen vorher damit beschäftigt, Unmengen an Lebensmitteln auf Vorrat einzukaufen und einzufrieren, denn während der Festtagewird ein kleiner Einkauf schnell teuer. Auch haben wir die komplette Wohnung geputzt, ein Brauch, der den Herdgott „ông táo“ besänftigen soll. Der Legende nach fliegt er auf einem Karpfen in den Himmel und berichtet dort dem Jadegott vom Handeln der Familie des Hauses. Bei positiven Berichten wird es ein glückliches neues Jahr. Während der drei Tet-Festtage hingegen darf auf keinen Fall das Haus gekehrt werden. Wird der Staub über die Schwelle gefegt, so fegt man auch das Glück hinaus. Diese und viele weitere Bräuche und Rituale rund um Tet gilt es zu kennen - gar nicht so einfach.

Pilgern von Haus zu Haus

In den letzten Tagen hagelte es dann Einladungen zum Tet-Fest: die Vermieter, Freunde aus Hanoi, die Babyfrauen von der Arbeit und sogar die zwei Schwestern, bei denen wir auf dem Markt immer Obst kaufen. Bei allen sollten wir einmal zu Hause vorbeikommen. Ab da an hieß es essen, essen, essen...

Traditionell vietnamesisch darf bei keiner Mahlzeit der „Bánh chung“ fehlen: Ein kleiner quadratischer Reiskuchen, gefüllt mit Mungobohnenmus und Fleisch, der in Bananenblätter eingewickelt mehrere Stunden gekocht wird, bevor man ihn serviert.

Seit Tagen sind wir nun dabei, Freunde und Arbeitskollegen zu besuchen. „Chúc Tet“ nennt sich das Pilgern von Haus zu Haus. Die ganze Familie macht sich auf den Weg, um allen ein frohes, erfolgreiches, glückliches, gesundes neues Jahr zu wünschen. Auch wir sitzen eine Weile bei Tee, Schnaps und „kéo“ (Süßigkeiten) in den Wohnzimmern von Freunden und Bekannten zusammen. Sonnenblumenkerne knackend versuchen wir uns in Small-talk auf Vietnamesisch. Auch die buddhistische Pagode haben wir schon aufgesucht. Ein wenig versteckt liegt sie hinter dem Marktplatz. Bunte Fahnen wehen auf dem Hof, Räucherstäbchen glühen in jedem Winkel und verströmen einen rauchig-herben Duft. Es herrscht eine magische Stimmung. Die Statuen und Götter die hier verehrt werden, leuchten im Schein von Lichterketten und Kerzen. Ihnen zu Füßen liegen Opfergaben, die in Form von Obst, Keksen und kleinen Geldbeträgen dargebracht werden.

Mandarinenbäumchen für die Fruchtbarkeit

Auf den Straßen kann man in den Tagen vor Tet überall kleine Pfirsich- und Mandarinenbäumchen kaufen. Der Pfirsich blüht bereits in zartrosa, und beschert dem Besitzer Glück und „blühende Zeiten“. Die Mandarinenbäume tragen kleine leuchtend orangefarbene Früchte, die Fruchtbarkeit symbolisieren und unser Treppenhaus mit einem süßen Duft erfüllen. Wie bei uns die Tanne zu Weihnachten, werden hier diese Obstbäumchen geschmückt. Auch Neujahrswünsche und - vorsätze werden in kleinen roten Umschlägen an die Zweige gehängt. Châu und ich haben kleine, bunte Origami-Kraniche gefaltet, auf die wir unsere Wünsche geschrieben haben, natürlich auf vietnamesisch, bevor wir sie in die Zweige des Bäumchens gesetzt haben. Damit sie in Erfüllung gehen, darf man sie natürlich nicht verraten. Nur so viel: Hier und jetzt sind meine bereits dabei sich zu erfüllen.

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