Die Holzernte hinterlässt Spuren

Tiefe Fahrrinnen im weichen Waldboden

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Tiefe Fahrspuren hinterlassen die schweren Holztransporter auf etlichen Wegen im Steinheimer Wald - ein Ärgernis für Jagdpächter und Spaziergänger. Wenn die Holzernte vorbei ist, soll alles wieder instand gesetzt werden.

Steinheim - Im Steinheimer Wald ist die Holzernte in vollem Gang. Reihenweise werden Bäume gefällt, Stämme abtransportiert - mit schwerem Gerät. Die Folgen sind unübersehbar: Viele Wege sind stark in Mitleidenschaft gezogen. Spaziergänger und Jagdpächter beklagen sich. Von Holger Hackendahl 

Doch das Forstamt beruhigt: Es werde alles wieder instand gesetzt. „Waldpflege – stabile Bäume brauchen große Kronen. Wir produzieren den Rohstoff Holz für Sie“ steht auf dem großen Plakat, das im Steinheimer Wald darauf hinweist, dass derzeit die Holz-ernte läuft. Geschlagen werden Kiefern und Buchen. Was aus forstwirtschaftlicher Sicht auch zum Erhalt eines gesunden Waldbestandes unumgänglich ist, stößt nicht bei allen Waldnutzern auf Verständnis, weil viele Wege durch die schweren Fahrzeuge beschädigt sind. Tiefe Fahrspuren, Matsch, Morast sind die Folge. „In meinem Jagdrevier sieht’s aus wie Kraut und Rüben. Die Wege sind kaputt gefahren und das Wild wurde verscheucht“, moniert Jagdpächter Henry Hartl. Seite Ende Oktober habe er kein Wild mehr gesehen.

Auch Spaziergänger und Jogger regen sich über die kaputten Wege auf. Viele haben sich bei Hartl wegen der von den schweren Holztransportern ausgefahrenen Wege beschwert. „Doch ich kann ja nichts dafür“, befürchtet Hartl nun, dass er als Jagdpächter für die Reparatur aufkommen soll. Außerdem gab es zwischen dem Jagdpächter und Waldarbeitern einen Streit wegen einer abmontierten Schranke an einem Zufahrtsweg in den Wald.

„Die Angst, dass die Jagdpächter für die ausgefahrenen Forstwirtschaftswege in Regress genommen werden, ist völlig unbegründet“, versichert Stefan Brinkmann, stellvertretender Leiter des Forstamts Wolfgang, in dessen Auftrag die Holzernte erfolgt. Wenn der Wald trocken sei, würden die Wege wieder hergerichtet. Finanziert werde das aus dem Erlös des Holzverkaufs. Brinkmann: „Jagdpächter erwerben das Recht für die Jagdausübung, sie haben aber auch Rücksicht auf die Holzernte zu nehmen. Und die findet nunmal im Winter statt.“

Derweil werden viele stattliche Stämme mit einem Ladekran auf einen riesigen Holztransporter verladen. Die Ladung wird mit Spanngurten gesichert - und los geht’s auf morastigen Waldwegen und dann weiter weiter ins Holzwerk. „Aus dem unteren Teil des Stamms werden Kanthölzer gemacht. Stammholz mit mehr Ästen wird für die Herstellung von Holzpaletten verwendet“, erläutert Brinkmann. „Die Spitze des Stamms wird Industrieholz, daraus werden Spanplatten oder Holzpellets. Aus Kiefernholz wird auch Zellstoff für die Papierherstellung gemacht.“ Das Holz geht per Güterzug in ein Werk nach Stendal oder per Lkw ins Palettenwerk nach Biebergemünd beziehungsweise zur Zellstoffverarbeitung nach Stockstadt.

Angesicht der momentanen Wegeschäden rät Brinkmann Waldspaziergängern zu festem Schuhwerk. Denn es ist stellenweise sehr dreckig. „Die Holzernte läuft aber ja nur in einzelnen Bereichen“, sagt der Forstmann, der sich ebenfalls Beschwerden über die ausgefahrenen Wege anhören muss. Das Wild störe sich übrigens nicht am Holzeinschlag. „Es merkt, dass vom Holzeinschlag keine Gefahr ausgeht. Denn wenn die Motorsäge brummt, dann wird nicht geschossen.“

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